Dieser Vortrag wurde gehalten auf der INEB-Konferenz "Dhammagemäße Gesellschaft - das Internationale Netzwerk Engagierter Buddhisten entdeckt seine Aufgabe" (Dhammic Society: Towards an INEB Vision). Sie fand im Frühjahr 1995 in einem thailändischen Kloster statt.
Die deutsche Fassung erschien erstmals in dem Buch: Wege zu einer gerechten Gesellschaft, Beiträge engagierter Buddhisten zu einer internationalen Debatte. Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Hamburg 1996.
Als Mitveranstalter dieses Symposions kann ich Ihnen nicht gut für die Ehre meines Hierseins danken. Außerdem gilt meine Anwesenheit auch der Ehre des verstorbenen Buddhadasa Bhikkhu [im Thai steht bhikkhu/Mönch hinter dem Namen]. Jedenfalls kann ich aber meine Freude darüber ausdrücken, daß dieses Symposion mit der Hilfe vieler Freunde zustande gekommen ist. Wir fühlen uns geehrt durch die Reaktion und das Interesse. Mögen wir hier gemeinsam etwas von bleibendem Wert erarbeiten.1)
In diesem Beitrag möchte ich gewisse allgemeine Prinzipien der "Buddha-Lehre" (Buddha-Dhamma) und Gesellschaft erörtern, die der ehrwürdige Buddhadasa Bhikkhu über Jahre hinweg thematisiert hat. Da er einer der ursprünglichen Schirmherren des Internationalen Netzwerks Engagierter Buddhisten (International Network of Engaged Buddhists, INEB) ist, wollen wir gern seine Vorstellungen in dieses Symposion einbringen. So beruht also dieser Beitrag auf den Überlegungen des ehrwürdigen Buddhadasa Bhikkhu, so weit und so gut der Verfasser sie eben verstanden hat. Ich werde jedoch von seinen Gedanken ausgehend auch einiges ausführlicher darstellen, als er es öffentlich getan hat. Der Beitrag wird also zunächst die grundlegenden Vorstellungen Achan Buddhadasas zu einem im Dhamma begründeten Sozialismus (Dhammic Socialism), also einem Dhamma-Sozialismus darlegen. Im Fortgang werde ich dann ausführlich entsprechend meinem eigenen Verständnis und meiner Erfahrung auf einzelnes eingehen. 2)
Achan Buddhadasa bezeichnete die Grundsätze, die hier diskutiert werden sollen, als "Dhamma-Sozialismus". Diesen Begriff hat er in den beiden letzten Jahrzehnten seines Lebens wiederholt gebraucht. Jedenfalls hat er das Prinzip bereits diskutiert, lange bevor diese Bezeichnung entstand. Manche der Ideen reichen sogar mindestens zu einer Rede aus dem Jahre 1954 zurück, nämlich "Buddha-Dhamma und der Geist der Demokratie". Außerdem hätte Ehrwürden Achan selber gesagt, daß diese Ideen bereits in der im Pali Tipitaka überlieferten ursprünglichen Lehre des Buddha enthalten sind. Der Einfachheit halber werde ich die Bezeichnung "Dhamma-Sozialismus" gebrauchen, um die Grundideen zu umfassen, die seine Vision einer Dhamma-Gesellschaft ausmachen ( "Dhammic Society ") [also eine Gesellschaft, die auf die Verwirklichung des Dhamma gegründet ist]. 3)
Fußnoten:
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