Lasst uns den Menschen schaffen           

Bio-, Roboter- und Computertechnik als neue Religion   

Franz-Johannes Litsch








"Dann sprach Gott: Laßt uns den Menschen schaffen als unser Abbild, uns ähnlich."   
Die Bibel, Buch Genesis, die Erschaffung der Welt, sechster Tag


Der Terminator

Arnold Schwarzenegger als Terminator

Der menschliche Mensch

Seitdem der Mensch begonnen hat, Selbstbewusstsein zu entwickeln - sich selbst zu beobachten und ein Bild von sich zu erzeugen - ist in ihm der Eindruck entstanden, dass der Mensch noch nicht ganz da, noch nicht verwirklicht und vollendet ist. Denn allzu oft zeigt sich der Mensch nicht nur als fehlerbehaftet und unvollkommen sondern gar als des Menschen schlimmster Feind. Offensichtlich ist der Mensch nicht in der Lage, sich selbst so zu akzeptieren, wie er ist. Darum ist der Mensch nicht, er wird erst. Ernst Bloch, der Philosoph des Prinzips Hoffnung leitete sein Buch "Spuren" mit dem Satz ein: "Wir sind, aber wir haben uns nicht, deshalb werden wir."

Unsere westliche Kulturgeschichte beschreibt den Weg des Menschen anhand seine Produkte, seiner nach außen gerichteten Gedanken und Taten und misst daran den menschheitlichen Fortschritt. Die wahre Schöpfung und Leistung des Menschen war jedoch immer der Mensch selber, die Geschichte seiner Herausbildung und Verwirklichung. Immer war der Mensch des Menschen größtes Projekt, ob als einzelner oder als Gemeinschaft. Der Mensch, den wir schaffen, ist der Mensch, den wir in uns tragen, gemäss unserer Wahrnehmung von uns selbst, gemäss der von uns geschaffenen Wirklichkeit. Der Mensch ist immer der von und aus uns selbst geschaffene Mensch.

Die Idee vom neuen, kommenden, noch zu verwirklichenden Menschen bildet die Grundlage der Religionen, die wir heute als Weltreligionen sehen, denn erst in diesen erwachte menschheitsgeschichtlich das Bewusstsein vom Menschen - vom einen Menschen, von der Menschheit und der Menschlichkeit. Die Stammes- und Naturreligionen davor kannten nur die Angehörigen der eigenen Verwandtschaft (die Sippe, der Stamm, das Volk). Alle anderen waren für sie Andere, keine Menschen. In vielen alten Sprachen bezeichnete das Wort Mensch ausschließlich die eigenen Stammesangehörigen. Die relativ spät entstandenen eigentlichen Weltreligionen (Buddhismus, Christentum, Islam) unterscheiden sich von den Stammesreligionen (auch Hinduismus und Judentum) dadurch, dass sie sich an alle Menschen ohne Unterschied richten, potentiell alle als gleich, als Brüder und Schwestern sehen.

Der Mensch zeigt sich aber nicht nur dem anderen gegenüber als fremd sondern auch sich selbst gegenüber, als seiner selbst entfremdet. Da scheint ein tiefer Graben zwischen dem zu bestehen, was als ursprüngliches Wesen des Menschseins gesehen wird und dem, was als aktuelle Erscheinung des Menschen zu beobachten ist. Es zeigt sich eine Nichtübereinstimmung zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit. Die jüdische Bibel fasst dies im Bild des Sündenfalls. Nur auf der Grundlage dieser Kluft, der Tragik des Sündenfalls sind die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam zu verstehen.

Adam, wörtlich "der Mensch" verliert die Einheit mit Gott und gerät in die Sünde, in die Sonderung von seinem Schöpfer und seiner "Ebenbildlichkeit" mit Gott. Der Tod des Menschen ist "der Sünde Sold", die Folge der Absonderung. Christus, der "neue Adam" überwindet die Sünde, die Entfremdung, den Tod. Er ist der wiederhergestellte Mensch, der wahre Mensch, der göttliche Mensch - "Ecce Homo".

Der indische Prinz, Wanderasket und Weisheitslehrer Siddharta Gautama, genannt der Buddha (der Erwachte), erkennt 500 Jahre vor Jesus den Menschen als befangen in leidvoller Unwissenheit, Täuschung und Verblendung über seine Wirklichkeit und menschliche Natur und zeigt den Weg des Erwachens und der Verwirklichung der "Buddha-Natur". Alle Menschen haben das Potential des wahren, befreiten, vollendeten Menschseins, die "Buddhaschaft" in sich. Das Leitbild der Realisierung der Buddhaschaft durch jeden Menschen hat seit 2500 Jahren die Kulturgeschichte Asiens geprägt.

Auch die anderen großen und sich auf Bücher stützenden Religionen der Menschheit, wie der Hinduismus, der Taoismus und der Konfuzianismus im Osten und das Judentum und der Islam im Westen stimmen in der Hochschätzung der ursprünglich heilen Natur des Menschen überein. Auch ihnen geht es um die Vervollkommnung des Menschen.

Als in Ost und West völlig unterschiedlich, ja gegensätzlich zeigen sich jedoch die Vorstellungen über die Entstehung des Menschen. Die drei monotheistischen Religionen des Westens (Judentum, Christentum, Islam) haben die Schöpfungsgeschichte der jüdischen Überlieferung (Buch Moses, Genesis) als Grundlage. Die wurzelt in noch älteren babylonischen Quellen. Hiernach existiert ein Schöpfergott, der die Welt aus eigenem Geist und Willen, mit einem eindeutigen Anfang und als ein von ihm zu unterscheidendes Gegenüber aus dem Nichts erschaffen hat. In gleicher Weise hat er auch den Mensch geschaffen, als ihm ähnliches Abbild, was heisst, als ein mit Geist und Wille ausgestattetes, frei und kreativ handelndes, die Welt schaffendes und gestaltendes Wesen. Der Mensch ist Mitschöpfer Gottes.

Geradezu den Gegenpol dazu stellt die Lehre der Buddhismus dar, die fast zweitausend Jahre lang die weitestverbreitete und einflußreichste geistige Tradition Asiens war. Abgesehen davon, dass der Buddha es ablehnte, die Frage nach der Entstehung der Welt und des Menschen zu erörtern, weil er sie als weder beantwortbar (dies könnte nur der Schöpfer selber tun) noch für die eigene Befreiung als wichtig ansah, ist Welt hier grundsätzlich nichts objektiv und unabhängig von uns Gegebenes, sondern im Prozess bedingter Wahrnehmung und Bewertung durch uns selbst geschaffene, vom eigenen Erkennen nicht abtrennbare Wirklichkeit. Von daher existiert und interessiert auch kein äußerer Schöpfer einer eigenständig gegebenen Welt, ist weder die Welt noch der Mensch durch ein jenseitiges göttliches Wesen hervorgebracht. Der Mensch ist in jedem Augenblick der Schöpfer seiner selbst und damit auch seiner Welt. Uns selbst und das eigene Schaffen von ich und Welt gilt es zu ergründen und zu durchschauen.

Zur gleichen Zeit wie Buddha, Mahavira, Laotse, Kungfutse und Tschuangtse in Asien und die großen Propheten Israels Elias, Jesaja, Jeremias und Daniel treten in Griechenland die bedeutenden Philosophen Thales von Milet, Heraklit, Permenides, Protagores, Sokrates, Platon, Demokrit, Aristoteles u.a. in Erscheinung. In Abkehr von den Göttern und vom Mythos wenden sie sich dem Menschen und dem Logos, dem Denken und der Logik zu. Der Mensch wird sich seiner Kreativität und Schönheit, wie seiner Unvollkommenheit und Widersprüchlichkeit bewusst. Es erscheint das Bild des Humanen, welches durch "Philantropia" (Menschenliebe) und "Paedaia" (Bildung und Erziehung) zu vervollkommnen und verwirklichen ist. Sokrates begreift sein philosophisches Wirken als "Maieutik", als Hebammenkunst bei der Geburt der Seele und des wahren Wissens der Menschen. Die Stoiker entdeckten den einen Menschen in jedem Menschen, die Kyniker sehen sich als "Kosmopolites", als Weltbürger, die Epikureer feiern die weltumspannende Freundschaft. Der Römer Cicero prägt den Begriff und die Idee der "Humanitas", des abendländischen Humanismus, der Menschlichkeit und der Menschenbildung.


Der künstliche Mensch

Es ist auch die griechische Antike, in der noch eine ganz andere Idee von Menschenbildung auftaucht - eine ausschließlich abendländische: nämlich die der nach außen gerichteten Herstellung des neuen Menschen, der Schaffung eines Kunstmenschen durch einen Handwerker. Doch sind diese ersten Menschenhersteller noch Götter oder Halbgötter aber – in Umkehrung der Naturordnung und des frühen Mythos – bereits Männer, die den Menschen hervorbringen.

Hesiod, der älteste namentlich bekannte griechische Dichter und Biograph der antiken Götterwelt überliefert im 7. Jh. vor Chr. folgenden Mythos, es ist der von Prometheus und Pandora. Der Titan Prometheus - die unterweltlichen Titanen gehören einer älteren, von den Olympiern entmachteten Göttergeneration an - steht in Opposition zu den olympischen Göttern insbesondere zum Oberherren Zeus. Um Verbündete gegen Zeus zu haben, schafft der "krummsinnige" Prometheus aus Lehm den ersten Menschen und die davon beeindruckte Athene haucht ihm die Seele ein. Darüber hinaus bringt Prometheus den Menschen das Feuer des Olymp, das göttliche Licht - gemeint ist die Erkenntnisfähigkeit und die Intelligenz der Naturnutzung. Um Prometheus dafür zu bestrafen und die Menschen in ihre Schranken zu weisen, gibt Zeus seinem Stiefsohn, dem Schmiedegott Hephaistos den Auftrag, die Pandora zu schaffen. Hephaistos ist Hersteller von allerlei Waffen und Gerät, Meister der "mechané" (der Mechanik), was damals noch "betrügerische List" heißt (lateinisch "machina"), und Pandora, die Frau, die er schafft, ist eine mechanische Kunstfrau, ein Automat. Pandora - ihr Name heißt "Allgeberin" und bezeichnet eigentlich die Erdmuttergöttin - ist betörend schön, birgt aber ein böses Geheimnis. Denn als sie ihr Brautgeschenk an den einfältigen Ehemann Epimetheus (Bruder des Prometheus), als sie die "Büchse der Pandora" öffnet, ergießt sich alles Elend und Leid über die Welt und quält seither die Menschen. Es war Prometheus selber, der das Unheil in das Kästchen eingeschlossen hatte, mit der Absicht, die Menschen davor zu bewahren und sie so für sich zu gewinnen. So werden Prometheus und die Menschen - Prometheus steht hier für den erfinderischen Menschen, Epimetheus für den dummen - von Zeus mit den von ihnen übernommenen Mitteln, den Mitteln der Technik ("techné", Fähigkeit) - der Täuschung, der List - getäuscht und mit deren unheilsamen Folgen bestraft. Unmissverständlich weiß dieser Mythos noch: der Mensch täuscht sich mit seiner technischen Klugheit selbst. Die Folge ist nicht Glück und Erlösung sondern neues Leid.

Tatsächlich verfügte die griechische und römische Antike bereits über eine erstaunlich hochentwickelte mechanische Technik, die insbesondere im städtischen Handwerk, in der Baukunst, im Theater und für den Krieg eingesetzt wurde. Der Philosoph Aristoteles dachte schon daran, die Sklaven durch automatische Webstühle und anderes technisches Gerät zu ersetzen. Auch mechanische menschen-ähnliche Figuren scheint es in größerer Zahl gegeben zu haben. So berichten mehrere zeitgenössische Texte von beweglichen und sprechenden Götterstatuen in den griechischen Tempeln. Es waren die Priester, die sich solche ausgedacht hatten und anfertigen ließen. Denn, mit fortschreitender Rationalität verloren die Menschen die Ehrfurcht vor den Göttern und es schwand die Macht des Klerus. Anstatt die Religion auf neue Weise zu vertiefen, suchte der sein Heil in der Täuschung. Der theatralische "deus ex machina" ("Gott aus der Maschine"), die "automata" (die "Selbst-Beweglichen") - so wurden sie bereits genannt - entstanden im Herzen der Religion selber, zur vermeintlichen Aufrechterhaltung der Religion. So finden wir schon in der Antike technisch inszenierte Religion als Opium für das Volk.

Das Christentum und die Völkerwanderung hatten mit diesem Spuk zunächst mal für Jahrhunderte aufgeräumt. Doch im Gefolge der Kreuzzüge und der Wiederbegegnung mit dem antiken Kulturraum, in der Zeit der Scholastik des Hochmittelalters begann man sich in den Klöstern erneut mit den antiken philosophischen und wissenschaftlichen Autoren zu beschäftigen. Zugleich - insbesondere im Reformorden der Zisterzienser - legte man großen Wert und Erfindungseifer in die Herstellung mechanischer Vorrichtungen zur Effektivierung und Verkürzung der Arbeit (z.B. Wind- und Wassermühlen und erste Uhrwerke). Die Zisterzienser stehen heute für die erste industrielle Revolution Nordeuropas.

Und so wird denn von dem ersten großen Wissenschaftler (und Magier) des Mittelalters, dem Mönch und Heiligen Albertus Magnus gesagt, er habe sich einen "Androiden" geschaffen, einen Kunstmenschen, der sprechen und sich bewegen konnte und ihm als strenger Türhüter diente. Der große Kirchenlehrer Thomas von Aquin selber, zeitweiliger Schüler von Albertus Magnus, soll den Androiden mit einem Stock zerschlagen haben, weil er sich vor ihm fürchtete.

Wir wissen von den Versuchen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Alchemisten, den "Homunkulus", einen Kunstmenschen zu schaffen. Wir kennen die Überlieferung vom "Golem", jenem Robotermenschen, den der geheimnisvolle Rabbi Löw in der Altstadt von Prag angefertigt haben soll, um die Prager Juden vor den Übergriffen der Christen zu schützen. Tatsächlich wird schon im Talmut vom Golem gesprochen, einem vom Gottesgeschöpf Mensch hergestellten Kunstgeschöpf.

Das Ende des Mittelalters und der Beginn der Neuzeit (Moderne) wird markiert durch den endgültigen Siegeszug der Wissenschaft, der Rationalität, des mechanistischen Denkens. Die gesamte Natur, das ganze Universum wird als großer Mechanismus gesehen. Das Uhrwerk wird zum Leitbild der Weltdeutung. Descartes (1596 – 1650) vollzieht die radikale Trennung von Geist und Körper und erklärt in einem zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlichten Werk den menschlichen Körper als einen vom Denken gesteuerten mechanischen Automaten, als eine Maschine. Tiere deutet er komplett als Maschinenwesen.

Mit Descartes wird der Göttervater Zeus zum christlichen "Gott Vater" und aus dem Mechaniker (Logiker) Hephaistos, dem Sohn des Zeus wird der "Sohn Gottes", der Logos, Christus. Logik, Rationalität, Mechanik sind so die offenbarte Weisheit Gottes selber, das Schöpfungsgeheimnis der Welt. "Die Welt ist durch ihn [den Logos] geworden" heißt es im Prolog des Johannes-Evangeliums. Die Technik ist ab jetzt nicht mehr Täuschung sondern Einsicht in Gottes Denken und Gesetze, der Techniker nicht mehr Täuscher oder Getäuschter sondern Nachfolger und Erkenner Gottes (Theologe). Damit ist für den christlichen Menschen der Weg frei, zum technischen Schöpfer der Welt und seiner selbst zu werden.

Das Buch "Die Maschine Mensch" ("L'homme machine", erschienen 1748) des Arztes und atheistischen Philosophen Julien Offray de La Mettrie (1709 – 1751) radikalisiert die Auffassung Descartes und erklärt auch das Denken, bzw. die Seele des Menschen zur mechanischen Maschinentätigkeit. Das Buch gilt bis ins 20. Jahrhundert als Skandal, de La Mettrie findet beim preußischen König Friedrich II. Zuflucht, doch eröffnet dies nur umso wirkungsvoller den Weg, auf dem wir heute sind, die Schaffung der "Künstlichen Intelligenz" und die Herstellung des komplett künstlichen Menschen.

Dinge werden nicht gemacht, solange sie nicht gedacht werden können. Wo alle davon ausgehen, dass Gott die menschliche Seele macht, nur er sie machen kann, kommt kein Mensch auf die Idee, sich daran zu versuchen. Wenn der menschliche Geist (gleichgesetzt mit der Seele) jedoch wie eine Maschine arbeitet, nach klar erkennbaren und nachvollziehbaren mechanischen Regeln, also letztlich eine Maschine ist, ist die Denkunmöglichkeit, Geist und Seele künstlich herzustellen, gebrochen. De La Mettrie zieht seinerseits nur die letzte Konsequenz aus dem, was andere zu seiner Zeit bereits angedacht und vorgemacht haben. Es gibt nämlich schon erste "Denkmaschinen": 1623 baut der Tübinger Theologe, Mathematiker und Erfinder Wilhelm Schickard (1592-1635) die erste Rechenmaschine der Welt. Die "Rechenuhr", wie er sie nennt, soll seinem Freund Johannes Kepler zur Berechnung komplizierter Planetenbahnen dienen. 1642 folgt ihm der Philosoph Blaise Pascal mit einem leistungsfähigeren Modell und 1674 der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz mit einer Lösung, die erstmals auf dem dualen Zahlensystem beruht und mit einigen Verbesserungen bis ins 20. Jh. hinein nachgebaut wird und Verwendung findet.

Zur gleichen Zeit, einer Zeit in der sich auch die Menschen höchst gekünstelt, unlebendig und automatenhaft bewegen – die Zeit des Barock und Rokoko - sind die Eliten Europas fasziniert von einem ihnen gespenstisch erscheinenden Phänomen: von mechanischen Menschen und Tieren. Ihre Neugier und Phantasie ist aufs höchste erregt von automatischen Flöten- und Harmonium-spielern; künstlichen Tänzerinnen und Schreibern - einer kann u.a. den Satz schreiben: "Wir sind die Androiden" - ; einem Schach spielenden Türken; einer fressenden, schnatternden und Verdauung simulierenden Ente; singenden, flügelschlagenden Nachtigallen (siehe Andersens Märchen) und anderer technischer Magie.

Der künstliche Mensch und die Roboterwelt halten Einzug in die abendländische Literatur: z.B. bei dem weitschauenden und -gebildeten J.W. Goethe. Bekannt ist die Schaffung des Homunkulus in "Faust II". Da heißt es beim Besuch von Mephisto und Dr. Faustus im Labor des Alchimisten Wagner:

"Mephisto: Was gibt es denn?
Wagner: Es wird ein Mensch gemacht.
Mephisto: Ein Mensch? Und welch verliebtes Paar habt ihr ins Rauchloch eingeschlossen?
Wagner: Behüte Gott! Wie sonst das Zeugen Mode war, erklären wir für eitel Possen!
...

Wagner: Was man an der Natur Geheimnisvolles pries,
das wagen wir verständig zu probieren,
und lassen wir kristallisieren.
Ein großer Vorsatz scheint im Anfang toll,
doch wollen wir des Zufalls künftig lachen,
und so ein Hirn, das trefflich denken soll,
wird künftig auch ein Denker machen!"

Im Gedicht "Prometheus" greift Goethe auch den Mythos vom Menschen schaffenden Prometheus auf und von dessen Absicht, dass sich sein Geschöpf ebenso gegen Zeus auflehne, wie er selbst.

Der für Geheimnisvolles und Gespenstisches besonders empfängliche E.T.A. Hoffmann behandelt gleich in zwei seiner Werke den Automatenmenschen, in "Der Sandmann" und "Die Automate". Von Jean Paul erscheint "Der Maschinenmann". Auch in der Musik wird das Mechanische lebendig, so in Tschaikowskys Ballett "Der Nussknacker".

Die berühmteste Behandlung des Stoffes wird das 1818 erscheinende Buch der Londoner Schriftstellerin Mary Shelley: "Frankenstein oder Der moderne Prometheus". Der Name des im Buch geschilderten Alchemisten und Herstellers eines künstlichen Menschen, Dr. Victor Frankenstein aus Ingolstadt wird zum Inbegriff der Vision von der sich gegen sie selbst wendenden Hybris der Wissenschaft.



Abbruch des Textes...


Weitere Kapitel:

Der Retortenmensch
Biomedizin und Gentechnik

Der prothetische Mensch
Über den Cyborg

Der posthumane Mensch
Der Transhumanismus

Der verwirklichte Mensch
Ersatzreligion und "religio"


Der Text wird derzeit vom Autor überarbeitet und stark erweitert und in noch nicht absehbarer Zeit als Buch erscheinen.



Schriftliche Fassung eines Vortrags während der Tagung "Neue Werte für neue Menschen in einem vereinten Europa – die Diskussion um die Bioethik" vom 7.-10. November 2002 in der Katholischen Akademie Berlin, Veranstalter: Friedenskolleg Berlin.

Franz-Johannes Litsch ist Mitarbeiter des Umweltbundesamtes in Berlin. Er ist seit 40 Jahren Buddhist, Initiator des „Netzwerks engagierter Buddhisten“ und Mitgründer der Buddhistischen Akademie Berlin. Er war 8 Jahre Mitglied des Rates der Deutschen Buddhistischen Union (DBU)





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Mai 2004