Das Internationale Netzwerk
engagierter Buddhisten


INEB-Konferenz 1995


Das International Network of Engaged Buddhists (INEB) wurde im Frühjahr 1989 in einem thailändischen Kloster von einem internationalen Kreis buddhistischer Mönche, Nonnen, Dharmalehrer und Laien gegründet. Auf der Grundlage der kulturell und personell sehr verschiedenartigen, im Wesen aber übereinstimmenden Traditionen des Buddhismus soll es konkrete Beiträge leisten zur Überwindung des vielfachen Leidens von Menschen, Tieren und anderen Lebewesen in der heutigen Welt.

Drei prominente Vertreter der drei großen Schulen des Buddhismus haben für das INEB die spirituelle Patenschaft übernommen. Für den Theravada-Buddhismus der thailändische Abt und Meditationslehrer Buddhadasa Bhikkhu, für den Mahayana-Buddhismus der vietnamesische Zenlehrer, Dichter und Friedensarbeiter Thich Nhat Hanh und für den tibetischen Buddhismus S.H. der Dalai Lama. Nach dem Tode Buddhadasa Bhikkhus im Jahre 1993 wurde der Friedensaktivist und Supreme Patriarch von Kambodscha Maha Ghosananda dessen Nachfolger. Initiator des Netzwerks ist der thailändische Sozialreformer, Sprecher der gewaltfreien Demokratiebewegung und Träger des alternativen Nobelpreises 1995 Sulak Sivaraksa.

Das Netzwerk hat heute Mitwirkende in über 30 Ländern und umfaßt ca. 400 Einzelpersonen und Vertreter beteiligter Gemeinschaften. Das zentrale Sekretariat in Thailand dient der Vernetzung aller Interessierten, betreut verschiedene praktische Projekte in unterschiedlichen Ländern Asiens, veranstaltet weltweite Konferenzen und regionale Workshops und gibt die englisch - sprachige Zeitschrift Seeds of Peace heraus.

Der nordamerikanische und australische Zweig des Netzwerks wird durch die Buddhist Peace Fellowship repräsentiert. Die BPF wurde 1978 auf Initiative des US-amerikanischen Zenmeisters Robert Aitken Roshi gegründet. Sie weist eine Vielzahl beispielhafter Aktivitäten und Projekte sowie eindrucksvoller Dharmalehrer auf. Die BPF hat ihr zentrales Büro in Berkeley (Kalifornien), zahlreiche Zweigstellen in verschiedenen Städten Nordamerikas und Australiens und gibt die Zeitschrift Turning Wheel heraus.

Das deutschsprachige Netzwerk engagierter Buddhisten wurde während der 5. Jahreskonferenz des INEB im Februar 1993 in Thailand ins Leben gerufen. Es ist heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten und unterhält eine Geschäftsstelle in Berlin. Diese steht als Informations- und Kontaktzentrum für alle Projekte und Aktivitäten ökologisch, humanitär oder gesellschaftlich engagierter Buddhisten zur Verfügung. Das Netzwerk gibt ein Mitteilungsblatt, das BuddhaNetz-Info heraus und beteiligt sich an zahlreichen buddhistischen wie auch nicht-buddhistischen Publikationen. Es ist ausserdem in Deutschland Mitglied der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) und arbeitet in Österreich mit der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft (ÖBR) und in der Schweiz mit der Schweizer Buddhistischen Union (SBU) zusammen.

Die Schwerpunkte der Arbeit des Internationalen Netzwerks sind:

  • Förderung des Schutzes und der Bewahrung der ökologischen Lebensbedingungen des Menschen und der Existenzrechte von Tieren, Pflanzen und natürlichen Ökosystemen;

  • Praktische Hilfe, Unterstützung und Solidarität für Menschen, die sich in materieller Not, wirtschaftlicher Ausweglosigkeit oder Unterentwicklung, sozialer oder gesundheitlicher Hilflosigkeit befinden;

  • Engagement für die Würde und Rechte politisch, ethnisch, religiös oder geschlechtlich verfolgter oder diskriminierter Menschen und Völker;

  • Arbeit an der Überwindung der Wurzeln von Hass, Krieg und Gewalt, Beteiligung an weltweiten Friedens- und Versöhnungs- Aktivitäten, Förderung von Lernprozessen zur unmittelbaren Konfliktbewältigung;

  • Unterstützung der therapeutischen und sozialen Tätigkeit von Psychologen, Ärzten, Heilpraktikern, Pädagogen, Sozialarbeitern und Sterbebegleitern und jedes mitfühlend handelnden Menschen;

  • Förderung gemeinschaftlicher Lebensformen, von Wirtschaftsverhältnissen ohne Ausbeutung, Verschwendung und entfremdete Arbeit und von gesellschaftlichen Strukturen, die auf Achtung und Solidarität beruhen;

  • Beteiligung am gleichwertigen, offenen und kritischen Dialog aller Schulen des Buddhismus, aller Religionen der Menschheit sowie aller Bemühungen um die Befreiung und Verwirklichung des Menschen.

Der unmittelbarste Sinn und Auftrag des Netzwerks ist, Netzwerk zu sein. Und das bedeutet, in einer Zeit zunehmender Vereinzelung und eines sich von der Mitwelt abschliessenden Nur-Ich-Denkens wieder füreinander da zu sein.


Gelöbnis für den Menschen

L
asst uns in Ruhe und Gelassenheit
Zu unserem wahren Selbst erwachen,
Zu wahrhaft mitfühlenden Menschen werden,
Unsere Fähigkeiten ergründen und gebrauchen,
Entsprechend unserer jeweiligen Berufung.
Das Leid erkennen im Einzelnen
Und in der Gemeinschaft
Und seine Ursache.
Und die Richtung kennenlernen,
Die Geschichte nehmen sollte.
Einander als Geschwister die Hand reichen
Hinaus über Grenzen von Rasse,
Nation, Klasse und Geschlecht.
Lasst uns voll Mitgefühl geloben,
Die tiefe Sehnsucht des Menschen
Nach der Befreiung
Wahr werden zu lassen,
Und eine Welt zu schaffen,
In der jeder leben kann
In Wahrheit und Fülle.

Hoseki Shinichi Hisamatsu
Japanischer Zenmeister und Philosoph
(1889 - 1980)



Informations- und Kontaktadresse des deutschsprachigen Netzwerks:
Netzwerk engagierter Buddhisten, Lilienthalstr. 10, D-10965 Berlin
Tel./ Fax: (0049) 030 / 692 58 48, E-Mail: info@buddhanetz.org


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