Ich freue mich sehr über Anmerkungen und Anregungen zum Thema. Im Sommer 99 werde ich mehrmals umziehen und an einer 2-monatigen Pilgerwanderung teilnehmen. Deshalb kann es sein, daß die Beantwortung von Zuschriften nicht umgehend erfolgt. Bitte schreiben Sie an:
Christian Häckel
Nordenberger Str. 27
90449 Nürnberg
eMail: hermann.haeckel@t-online.de
Inhaltsverzeichnis *
6. Anhang *
Das Thema dieser Diplomarbeit ist das Ergebnis meines persönlichen Interesses am Thema Umwelt(-schutz), des Studiums der Landschaftsplanung als einer naturwissenschaftlichen Ingenieurdisziplin und dem eigenen spirituellen Weg, der sich vor allem auf Taiji Chan F1 und in den letzten Jahren vermehrt auf den Zen-Buddhismus gründet.
Besonders ein halbjähriger Aufenthalt in einem buddhistischen Meditationszentrum in der Abgeschiedenheit Südwest-Irlands hat bei mir zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Buddhismus geführt. Sowohl durch das Praktizieren der Inhalte im alltäglichen Leben und das Üben der ‘formalen’ Techniken als auch durch die Beschäftigung auf theoretischer Ebene mittels Diskussionen, Belehrungen und Texten eröffnete sich mir eine neue Weltsicht.
Mir fiel dabei besonders auf, daß der Buddhismus nicht nur Aussagen dazu trifft, welches menschliche Verhalten richtig oder falsch ist, sondern weit über diesen Punkt hinausgeht. Er erklärt einerseits, warum eine bestimmte Sichtweise oder ein bestimmtes Verhalten als schädlich oder förderlich für den Handelnden angesehen wird. Zum anderen legt er die Mechanismen offen, die der Entstehung der jeweiligen Geisteshaltung zugrundeliegen und weist darauf aufbauend einen Lösungsweg aus kleineren, nachvollziehbaren Übungsschritten, um eine Veränderung zu ermöglichen.
Viele der buddhistischen Erklärungsmodelle für menschliches (Fehl-)Verhalten oder aufgezeigte Prinzipien des Lebens erschienen mir - ohne daß das Thema "natürliche Umwelt" je benannt wurde - nicht nur auf den einzelnen Menschen oder seine "soziale Umwelt" zuzutreffen, sondern ebenso übertragbar auf die natürliche Umwelt zu sein.
Warum sollten sich die Erklärungen nicht genauso richtig und anwendbar auf den Bereich der Umweltprobleme einer hedonistischen Konsumgesellschaft übertragen lassen. Eine Beschränkung der Sichtweisen, Erkenntnisse, Erklärungsmuster und Prinzipien nur auf den anthropogenen Teil der Wirklichkeit hätte für mein - zugegebenermaßen noch im Anfangsstadium befindliches - Verständnis des Buddhismus keinen Sinn ergeben, hätte gleichsam einen Bruch bedeutet.
Fasziniert von der Ausrichtung des Buddhismus auf praxisnahe Anwendbarkeit seiner Erkenntnisse begann ich gezielt nach Aussagen des historischen Buddhismus und der heute lebenden Tradition zur natürlichen Umwelt und zu heute existierenden Umweltproblemen zu suchen. Dabei stellte sich heraus, daß es durchaus zuerst einer Diskussion bedarf, ob ein ökologisches Bewußtsein tatsächlich mit dem Wesen des Buddhismus vereinbar ist.
Die vorliegende Arbeit ist der Versuch eines Brückenschlages sowohl zwischen verschiedenen Fachdisziplinen als auch zwischen westlichem und östlichem Denken. Sie ist das kalkulierte Wagnis, im Rahmen einer zwangsläufig vom Umfang her eingeschränkten Diplom-Arbeit, gänzlich unterschiedliche Bereiche miteinander zu verknüpfen. Dabei werden eventuell auftretende Wissenslücken und Unvollständigkeiten innerhalb der einzelnen Fachdisziplinen eines umfassenden Ansatzes wegen in Kauf genommen. Es ist meine Hoffnung, daß der Leser dem Grundgedanken offen, aber kritischen Geistes folgt und wo solche Unzulänglichkeiten auftreten, diese nicht undifferenziert dem gesamten Gedankengang oder dem Buddhismus anlastet.
Ermöglicht haben diese Arbeit all jene, die
mich auf meinem bisherigen spirituellen Weg gefördert haben, von meinen
Eltern zu meinen Mitübenden und Lehrern, die immer wieder aufs Neue
Ermutigung und Wegweiser zugleich waren. Ganz besonders möchte ich
hier der Menschen in Dzogchen Beara gedenken, die mich für ein halbes
Jahr in ihre Gemeinschaft aufgenommen und unendlich reich beschenkt haben.
Es sind nicht mehr nur Fachkreise wie der ‘Club of Rome’, das ‘Wuppertaler Institut’ oder das ‘Worldwatch Institute’, die auf die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen hinweisen und damit einhergehend eine Notwendigkeit zu - wie auch immer gearteten - Veränderungen sehen und fordern. Eine Vielzahl von Regierungskommissionsberichten, z.B. Enquete-Berichte des Deutschen Bundestages, der Brundlandt-Report, Global 2000 und internationale Regierungskonferenzen wie beispielsweise die Rio-Konferenz und aktuell Rio-plus-fünf zeigen ebenfalls ein wachsendes Problembewußtsein in der Politik.
In Kapitel 2 wird darauf eingegangen, welcher Art die Reaktionen auf die zunehmend ins Bewußtsein dringende Umweltproblematik bisher sind. Dabei findet vornehmlich der Versuch einer psychologischen Erklärung der Reaktionen statt. Darauf aufbauend wird die Frage gestellt, ob ein stärker auf diese individuellen Beweggründe zielender Ansatz ebenfalls einen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann. Im weiteren wird der Buddhismus als ein solcher Ansatz erörtert.
Kapitel 3 beinhaltet eine allgemeine Einführung in den Buddhismus und bietet dadurch gleichzeitig die Grundlage und den Rahmen für die folgenden Kapitel.
Danach folgt im Kapitel 4 der Versuch einer ökologischen Interpretation des Buddhismus. Dazu wird zuerst der wissenschaftliche Standpunkt zu der Frage nach ökologisch relevanten Inhalten in den Texten des frühen Buddhismus aufgezeigt. Dem folgen Beispiele, wie einzelne Buddhisten auf die Umweltthematik reagieren oder/und in ihr Leben integrieren. Abschließend werden weitere ökologisch bedeutsame Standpunkte und Prinzipien des Buddhismus erläutert und dabei zugleich Anwendungsmöglichkeiten verdeutlicht.
Im Kapitel 5 findet die Zusammenfassung der Arbeit statt.
Ein wichtiges - wenn nicht das wichtigste - Instrument des heutigen (staatlichen) Umweltschutzes sind Gesetze und Verordnungen, die meist auf Verbote (z.B. wilde Müllkippen) oder auf die Anwendung technischer Verfahren hinauslaufen.
Der Vorteil staatlich-normativer Vorgaben besteht in der Durchsetzung von Mindeststandards oder des Verbotes inakzeptabler Handlungen. Sie schützen so vor unmittelbar negativen Auswirkungen, aber auch beispielsweise vor demotivierenden Effekten durch ‘Trittbrettfahrer’. Diese nutzen das Verhalten anderer zu ihrem eigenen Vorteil, ohne einen eigenen Anteil an der Leistung erbracht zu haben.F2 Bei einem staatlich-normativen Vorgehen steht das Handlungsmotiv Zwang bzw. Strafvermeidung anstelle der individuellen Einsicht im Vordergrund.F3 Diese von ‘oben’ erzwungenen Beschränkungen der Handlungsfreiheit des einzelnen Bürgers bzw. gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Kollektive haben jedoch eine ganze Reihe von Nachteilen. Es treten sachfremde, nicht auf die umweltrelevanten Inhalte und Auswirkungen bezogene Reaktionen auf, die man als ‘psychologische Reibungsverluste’ bezeichnen könnte:
Hierbei kommt gerade der Filtertechnologie zur Reinhaltung der Umweltmedien Luft, Wasser und Boden große Bedeutung zu. Es sind auf diesem Wege auch beachtliche Erfolge erzielt worden. So wurde die Gewässergüte deutscher Fließgewässer deutlich verbessert oder der Schadstoffausstoß pro Produkteinheit beträchtlich gesenkt.
Gleichzeitig ist aber festzustellen, daß durch das ständige Wirtschaftswachstum und den steigenden Konsum die Gesamtbelastung der Umwelt trotzdem zunimmt. Die wachsende Notwendigkeit, Umwelttechnik einzusetzen und dies mittels immer komplizierterer und aufwendigerer Verfahren, bringt erhöhte finanzielle Belastungen, erzwingt einen Mehreinsatz an Material und Energie und bewirkt gleichzeitig einen Anstieg an problematischen Reststoffen wie z.B. Filterstäuben. Es kommt zu der paradoxen Situation, daß ein weiterer Industriezweig - samt negativer Umweltauswirkungen - aufgebaut wird, um sowohl die Umweltschäden der bereits bestehenden Industrie als auch seine eigenen zu beseitigen. Diese neuen Dienstleistungen bezahlen zu können, setzt wiederum voraus, daß der Wirtschaftsprozeß gut läuft und Wachstumszahlen aufweist. Somit wird eine (weiter) wachsende Umweltbelastung quasi zur Voraussetzung für den Umweltschutz. Der Umkehrschluß ist heutzutage allerorts in Politik und Wirtschaft deutlich. Bei schlechter wirtschaftlicher Lage wird Umweltschutz zum unbezahlbaren, nicht zu rechtfertigenden Luxus.
Wie bereits angesprochen hat der Technische Umweltschutz heute, z.T. wegen des Mangels an Problemlösungsalternativen, durchaus seinen Sinn; aber als Patentrezept zur Lösung von Umweltproblemen ist er klar überfordert.
In beiden Fällen, einerseits dem Umweltschutz mittels Gesetzen und andererseits durch Technikeinsatz, liegt weitgehend eine "end-of-the-pipe"-Philosophie zugrunde. Es wird kaum nach den Ursachen gefragt, nicht nach dem, was am Anfang eines Prozesses zur Entstehung eines problematischen Neben- oder Endproduktes führt. Vielmehr ist man auf den Umgang mit dem bereits bestehenden Endprodukt fixiert.
Am Beispiel von NOX im Autoabgas wird dies deutlicher. Man hat NOX als schädlich eingestuft und versucht, die Ausstoßmenge an NOX nun mittels Abgaskatalysatoren zu verringern. Dabei ist der Produktzyklus eines solchen Abgaskatalysators nicht ohne Umweltbelastung und er verursacht außerdem erhebliche Mehrkosten. Die Ursache für die Entstehung der NOX ist die Verbrennung von fossilem Kraftstoff. Je mehr verbrannt wird, desto größer der Ausstoß von NOX. Das weist auf den spezifischen Benzinverbrauch und damit auf die Konstruktionsweise des Motors oder der Karosserie als wichtige Stellgrößen hin. Diese finden aber als Lösungsansätze deutlich weniger Beachtung als der Einsatz nachgeschalteter ‘Filtertechnik’. Außerdem wird alternativen Techniken wie Elektroauto bzw. Wasserstoffauto - aus welchen Gründen auch immer - nicht die Förderung zuteil, die ökologisch sinnvoll wäre.
Auch die Frage, ob Mobilitätsalternativen - beispielsweise ohne PKW - machbar wären, oder ob Mobilität in diesem Ausmaß überhaupt notwendig ist, F8 wird noch nicht genügend untersucht, geschweige denn umgesetzt. Bei so vielen heute noch als unabänderlich hingenommenen ‘Gegebenheiten’ ist die Anzahl der Lösungen und deren Wirksamkeit natürlich sehr begrenzt und es ist einfacher, einen Filter auf das Ende des (Auspuff-)Rohres zu montieren
Das Problem, daß Situationen zu leicht als unabänderliche ‘Gegebenheiten’ empfunden werden und die Lösung folglich an anderer Stelle gefunden werden müsse, findet sich ebenso in politischen Entscheidungen. Sei es, daß die wahren oder vollständigen Zusammenhänge tatsächlich nicht erkannt werden - da zu sehr Teil der eigenen Weltanschauung und damit nicht mehr wirklich im Bewußtsein - oder daß die daraus folgenden Schlüsse zu unbequem sind, um als realistische Lösungsansätze eingestuft zu werden.
Die Landschaftsplanung als Ingenieurwissenschaft und als Instrument zur Umsetzung politischer Vorgaben unterliegt als Konsequenz daraus ebenfalls der Tendenz zur Symptombehandlung. Daneben beeinflußt ihr naturwissenschaftliches Selbstverständnis die Schwerpunktsetzung für Lösungsstrategien. So gehört heute Fachwissen aus Botanik oder Bodenkunde, aber auch volks- und betriebswirtschaftliche Prinzipien, Rechtskunde und behördliche Verwaltungsstrukturen zum angewendeten Grundwissen in der interdisziplinären Landschaftsplanung. Kenntnisse aus Psychologie oder Pädagogik führen derzeit dagegen eher ein Schattendasein und müssen um ihre vollwertige Anerkennung und Daseinsberechtigung in der Landschaftsplanung kämpfen.F9
Entsprechend den ‘harten’ und ‘weichen’ Standortfaktoren der Wirtschaftswissenschaften könnte man durchaus von ‘harten’ Umweltschutzfaktoren bzw. Lösungsansätzen, wie etwa Grenzwerten oder technischen Verfahren, und ‘weichen’ Lösungsansätzen sprechen, bei denen Ursachen des Handelns im Menschen selbst als Ausgangspunkt aller die Umwelt beeinflussenden Tätigkeiten gesehen werden.
Schließlich stehen hinter jedem Handeln und seinen Auswirkungen - z.B. aus einem Autoauspuff ausgestoßene Abgase - psychologische Motive und Bedürfnisse. Nicht die Produktion von Abgasen ist die Motivation, die hinter der Tätigkeit ‘Autofahren’ steht, sondern die Tätigkeit ist Mittel zum Zweck. Es ist ein ‘Werkzeug’, das bei der Umsetzung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse hilft. Schematisch könnten für dieses Beispiel folgende ‘inner-menschlichen’ Motive wirken: Individualität und Identität (z.B. Typ, Größe und Leistungsdaten des Fahrzeugs, Prestige), Macht, persönliches Freiheitsverständnis (z.B. Geschwindigkeit, Fahrstil), Nervenkitzel (thrill), Wertevorstellungen (z.B. öffentliche Verkehrsmittel/Fahrräder sind minderwertig, Zeitsparen, beliebige Mobilität), subjektiv empfundene Zwänge (z.B. Zeitsparen) oder objektive Zwänge (z.B. keine Alternativen). Noch einen Schritt weiter ginge die Frage nach der Ursache dieser Bedürfnisse, dieser inneren Werte und subjektiven Wahrnehmungen.
Dies wäre eine Vorgehensweise, die anstelle eines direkten, monokausalen und nach naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten ablaufenden technischen Ursache-Wirkung-Zusammenhangs, einen vielschichtigen, multikausalen und hauptsächlich auf geistiger Ebene ablaufenden Vorgang in den Mittelpunkt rückt.
Im folgenden soll, zuerst allgemein, im weiteren Verlauf dann anhand des Buddhismus, untersucht werden, ob die Beachtung dieser ‘weichen’ Faktoren nicht ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann oder sogar leisten muß.
Einen wichtigen Beitrag zur Erklärung und Aufdeckung der oben schon skizzierten "inneren Grenzen" F10 des Denkens und Verhaltens bietet die Umweltpsychologie. Anhand einer Systematisierung nach Preuss (1991) soll dies im folgenden gezeigt werden.
Um den Vorgang der Informationsaufnahme, -verarbeitung und -umsetzung umweltrelevanter Daten in Handlung zu beschreiben, unterteilt Preuss in die ‘Erfahrbarkeit’, die ‘Bewertbarkeit’ und die ‘Verkraftbarkeit’ dieser Informationen. Dabei stellt die Autorin in den jeweiligen Bereichen derart große Schwierigkeiten und Hindernisse fest, daß sie es für angemessener hält, von ‘Nicht-Fähigkeiten’ zu sprechen. Preuss unterscheidet in ‘Nicht-Erfahrbarkeit’, ‘Nicht-Bewertbarkeit’ und ‘Nicht-Verkraftbarkeit’ der Umweltzerstörung.
Zur Nicht-Erfahrbarkeit zählt Preuss, daß sich viele Umweltprobleme wie etwa Radioaktivität oder Bodenverseuchung nicht direkt und unmittelbar mit den menschlichen Sinnen erfassen lassen. Deshalb sind wir auf künstliche Wahrnehmungshilfen angewiesen, welche die Ergebnisse oft in - für den Menschen - schwer verarbeitbarer digitaler statt analoger Form darstellen.
Zudem führt die hochgradige Komplexität umweltrelevanter Zusammenhänge und die Tatsache, daß hier Ursache und Wirkung häufig räumlich und zeitlich weit auseinander liegen, zu einer "Erfahrungsdistanz". Ebenso ist das vielfach exponentielle Ablaufschema von Umweltschäden aufgrund des am Anfang scheinbar gleichmäßig flachen Kurvenverlaufs schlecht wahrnehmbar.F11
Des weiteren unterliegen die Sinneswahrnehmungen psychologischen Gesetzmäßigkeiten und Vorgängen im Gehirn, die zu Verzerrungen führen. Bekannt sind die Täuschungen bei Farb- und Helligkeitswahrnehmungen. Je nach hellerer oder dunklerer Umgebung wird ein graues Kärtchen so wahrgenommen, als veränderte sich sein Grauwert. Ein anderes Beispiel ist, daß zwar jeder Mensch einen anatomisch bedingten blinden Fleck in seinem Sehfeld hat, daß dieser aber nie gesehen wird. Noch deutlicher ist die Subjektivität von Wahrnehmung in einem Versuch, bei dem junge Katzen in der ersten Zeit nach der Geburt entweder in einem Raum mit ausschließlich horizontalen oder aber ausschließlich vertikalen Strukturen aufwuchsen. Später war es ihnen in natürlicher Umgebung unmöglich, die jeweils unbekannte Struktur wahrzunehmen. Katzen aus dem ‘vertikalen Zimmer’ waren z.B. später nur unter größten Schwierigkeiten fähig, eine Treppe (aufgrund ihrer horizontalen Kanten) zu überwinden usw.F12
"Eine adäquate Wahrnehmung ist abhängig von den vorhandenen Wahrnehmungskategorien der jeweiligen Person oder ihrer gesellschaftlichen Kultur" schreibt Preuss.F13 Fehlen solche Kategorien, können Inhalte nur langsamer und ungenauer wahrgenommen werden und sind weniger im Bewußtsein präsent. Zumeist sind diese Kategorien an die "kulturelle Tradierung der sprachlichen Symbolisierungsmöglichkeiten" gebunden. So bringt Whorf folgendes Beispiel:
Emotionales Betroffensein, im Sinne bedrohlicher, Lebensgewohnheiten in Frage stellender Umweltinformationen, führt zu tiefgehender Verunsicherung der einzelnen Person oder eines gesellschaftlichen Kollektivs. Beide streben aber
Der nächste Schritt, die Auswertung und Verarbeitung des Wahrgenommenen, ist gerade bei den schlecht erfahrbaren umweltrelevanten Informationen notwendig, denn sie lösen keine unmittelbare Reaktion aus. Dabei wird primär geklärt, ob eine Relevanz für die eigene Person oder das Kollektiv besteht, wobei die tendenzielle Nicht-Erfahrbarkeit zur Empfindung einer geringeren Relevanz führt.
Die sekundäre Bewertung fragt nach möglichen Lösungsstrategien - auf der Basis der subjektiv verzerrten Wahrnehmung. Wegen der besagten Schwierigkeiten bei der Erfahrbarkeit, kommt es zur Unterschätzung der Probleme und damit einhergehend zur Überschätzung unserer eigenen Möglichkeiten, üblicherweise besonders der wissenschaftlich-technischen.
Die Bewertung ist ein Vergleich zwischen einem Ist- und einem Soll-Wert. Wenn es zu einer schleichenden, zeitlich verzögerten Veränderung kommt, ist der ursprüngliche Soll-Wert eventuell nicht mehr in Erinnerung. Außerdem dringen langsame Veränderungen wesentlich schlechter in das Bewußtsein als plötzliche. Die menschlichen Denkgewohnheiten und Verarbeitungsstrukturen sind vorwiegend linear, d.h. vernetzte und komplexe Probleme - typisch für ökologische Sachverhalte - werden nur mangelhaft erfaßt, dem eigenen linearen Denkschema angepaßt und dabei reduziert bzw. verändert.
Das trifft auch auf exponentielle Prozesse zu. So werden die meisten Menschen zu einer gravierenden Fehleinschätzung bezüglich der Dicke eines hypothetisch 50 mal gefalteten Zeitungspapiers kommen und um Größenordnungen unter der Lösung von mehr als hundert Millionen Kilometer bleiben.
Außerdem passieren logische Fehler in der Art, daß von einem Merkmal auf andere Aspekte geschlossen wird, z.B. vom makellosen Aussehen einer mit Chemikalien behandelten Frucht auf deren Ernährungswert bzw. ‘Unbedenklichkeit’. Dazu zählt auch das Problem der sich addierenden kleinen Mengen, bei dem die kumulierte Gesamtwirkung unterbewertet wird ("das ist so wenig, das macht doch keinen Unterschied"). Ebenso kommt es aufgrund der Nicht-Erfahrbarkeit zu "schwerwiegenden Attributionsfehlern", bei denen Ursachen nicht nur unterschätzt werden, sondern auch völlig falsch zugeordnet werden können. In diesem Fall kommt es dann eher zu einer ‘externen’ Fehlersuche, statt die eigene Verantwortung in Betracht zu ziehen.
Wie bei der Stufe der Erfahrbarkeit kommt es auch bei der Bewertung zu Verzerrungen. Um innerpsychische Konflikte zu umgehen, werden emotionale Verunsicherung und Bedrohung zum Teil unbewußt vermieden. Es kommt zu einer vorteilhafteren Gewichtung der einzelnen Inhalte. Vor allem kommt es zu einer Unterbewertung der Probleme und Überbewertung der eigenen (technischen) Lösungsmöglichkeiten. Der Wunsch, innere Konflikte zu umgehen, wirkt seinerseits wieder zurück auf die Sinneswahrnehmung, mehr stabilisierende Fakten aufzunehmen bzw. kritische zu übergehen.
Wegen des Ausmaßes der Probleme und Verzerrungen spricht Preuss hier von einer Nicht-Bewertbarkeit der Situation.
Schließlich nennt sie das Problem der Betroffenheit als Teil der Nicht-Verkraftbarkeit. Wie schon gesehen, kommt es bei den komplexen umweltrelevanten Zusammenhängen nicht zu einer direkten verhaltenssteuernden Wirkung, z.B. nach dem Muster Schmerz-Muskelbewegung. Sie bedürfen zuerst einer Bewertung, um Handlungs- oder Entscheidungsgrundlage sein zu können. Gleichermaßen unterbleibt auch eine spontane emotionale Wirkung, wie Angst oder Ekel. Die emotional schützenden Verzerrungen bei Wahrnehmung und Bewertung führen zwangsläufig zu einer geringeren und deshalb nicht-existentiellen Betroffenheit. Es fehlt ein eindeutiges Angstsignal bestimmter Intensität, das ausreicht, um den automatischen Flucht- bzw. Angriffsimpuls auszulösen. "Kognitiv-intellektuelle Vorgänge...können diesen Mangel nicht hinreichend ersetzen."F17 Auch tritt emotionale Betroffenheit nur dann ein, "wenn die Routine der Alltäglichkeiten erheblich gestört oder nicht mehr möglich ist."F18 Ist diese Störung aber Dauerzustand und zusätzlich noch schwer erfahrbar, so kommt es zur Gewöhnung. Die Betroffenheit verfliegt, da ein dauernder Zustand der inneren Desorganisation nicht tragbar wäre. Aufgrund der Angst um eigene Unversehrtheit, sowie der eigenen Ohnmachtsgefühle und der eigenen Mitschuld, würde ein dem Ausmaß der Umweltzerstörung angemessenes Betroffensein zu einer "Erlebenskatastrophe", einer "massiven Angstüberflutung" führen, einhergehend mit qualvollen seelischen Schmerzen, Trauer, abgrundtiefer Verzweiflung und dem Gefühl der unendlichen Verlassenheit.F19
Diese "Erlebenskatastrophe" wäre für eine unvorbereitete Person zu viel. Preuss spricht deshalb von der Nicht-Verkraftbarkeit einer solchen Situation. Aus diesem Grund hat der Mensch verschiedene psychische Abwehrmechanismen entwickelt. Dazu gehören das schon mehrfach genannte Einflußnehmen auf Wahrnehmung und Bewertung, weiterhin Leugnung, Intellektualisierung oder sprachliche Immunisierung mittels Euphemismen und Zynismus. Auch Regression bzw. Infantilisierung, also der Rückfall auf die kindlichen Lösungsschemata der Apathie, Resignation und Verantwortungs- und Handlungsdelegation an andere (Wissenschaft, Politik etc.) zählen hierzu.
Der Narzißmus ist eine weitere Strategie, die der Mensch entwickelt hat. Aufgrund seines tiefgehenden Minderwertigkeitsgefühls, das in seiner Ohnmacht gegenüber den Naturgewalten, begründet liegt, kam es zu einer Überkompensation, dem Glauben an die eigene Allmacht. Nach Preuss rührt das anthropozentrische Weltbild und das naturwissenschaftlich-technische Überlegenheitsstreben von dort her, ebenso wie die "Vorstellung unseres unendlichen Weiterbestehens und unserer unbegrenzten Möglichkeiten des Wachstums".F20
Auf allen drei von Preuss dargestellten Ebenen (Nicht-Erfahrbarkeit, Nicht-Bewertbarkeit, Nicht-Verkraftbarkeit) kommt es normalerweise, zum Schutz der eigenen psychischen Stabilität, zu einer motivationalen Verzerrung der Wirklichkeit. Dies bewirkt eine weitere Verschlechterung der äußeren Situation, die zu noch stärkeren Abwehrreaktionen führt. Um diesen Kreislauf durchbrechen zu können, muß im Wissen um diese inneren Grenzen des einzelnen auf seine psychischen Bedürfnisse, die Motive seines Handelns, eingegangen werden. Das Zulassen der adäquaten Wirklichkeitsabbildung und der vollen Betroffenheit bedürfen der Vorbereitung auf entsprechender Ebene. Vorwiegend juristische Lösungsstrategien des Staates in Umweltbelangen ohne Berücksichtigung dieser inneren Grenzen können deshalb ins Leere laufen oder kontraproduktiv sein. Wie bei einer Dampfmaschine, die (von psychischen Ängsten und Bedürfnissen) weiterhin voll befeuert, deren Auslaßventil aber verstopft wird, muß sich der Überdruck einen andern Weg ins Freie suchen F21 oder es kommt zur Explosion des Kessels.
Natürlich gilt auch hier, daß, wie jedes Abbild ‘der’ Wirklichkeit im absoluten Sinne, auch diese psychologische Betrachtung, wenngleich eine sehr notwendige Ergänzung, ebenfalls nur ein schematisches Modell sein kann.
Eine weitere Erklärungsmöglichkeit für egoistisches Verhalten ist die in der Umweltpsychologie wichtige, inzwischen adaptierte Spiel-Theorie nach Hardin. Sie widerspricht der Grundannahme des Volkswirtschaftlers Adam Smith, auf der auch das kapitalistische Wirtschaftssystem fußt, und die besagt, daß, gleich einer unsichtbaren Hand, die individuelle Nutzenmaximierung des einzelnen automatisch und ohne eigene Absicht zum optimalen Ergebnis für die Gemeinschaft führt.
Nach Hardin besteht jedoch ein Konflikt zwischen dem kurzfristigen Gewinnstreben des Individuums und dem ökologisch oder sozial optimalen Verhalten. Am Beispiel einer gemeinschaftlichen Nutzung einer Dorfweide zeigt er, daß selbst bei einer Überweidung der Gewinn - zumindest kurzfristig - durch eine zusätzliche eigene Kuh für das Individuum größer ist als der auf ihn zurückfallende Schaden, da letzterer von allen Beteiligten gleichermaßen getragen wird. Das gemeinschaftsschädigende Verhalten wird belohnt, der den Umständen angepaßt Handelnde ist der Verlierer. Es kommt hier zum ökologischen und sozialen "Trittbrettfahren". Ein modernes Beispiel für eine derartige individuelle Nutzenmaximierung ist die Überfischung von Fischbeständen. Umgekehrt tritt der gleiche Mechanismus auch bei Hinzufügen, z.B. von Abgasen in das Allgemeingut Luft, auf. Dieses Verhalten wird noch verstärkt durch die schwer erfaßbare Komplexität von Umweltschädigungen. Weiterhin stellten Ernst und Spada in spieltheoretischen Planspielen, beispielsweise dem Fischereikonflikt, mit mehreren Probanden und einem instruierten Mitspieler fest, daß bei unberechenbarer, egoistischer Spielweise dieses instruierten Spielers Racheaktionen seitens der anderen Spieler ohne Reflexion des eigenen Verhaltens erfolgten. Es kam regelmäßig zur "ökologischen Katastrophe", wobei die einzelnen Spieler die Schuld daran ausschließlich bei den Mitspielern suchten, zumeist wurde auch das emotionale Klima in der Gruppe rauher. Spielte der instruierte Spieler "dagegen konsequent kooperativ und beachtete die ökologischen Gegebenheiten, waren diese Gruppen insgesamt sehr erfolgreich."F22
Preuss faßt daher zusammen:
So schrieben Mesarovic und Pestel, die Autoren des Club of Rome Berichts 1974, als Zusammenfassung ihrer Untersuchung der Umweltsituation, daß die notwendigen ökonomischen Veränderungen nur möglich sind, wenn ein
Peccei, der ehemalige Präsident des Club of Rome sagte, es
Gerade die Suche nach dem eigenen Vorteil, ob materiell oder ideell, nährt gleichzeitig die Angst, daß diese Art des Handelns auch von allen anderen praktiziert wird, da sie nach eigenem Empfinden normal und logisch ist. Diese Angst führt zu Mißtrauen und dieses wiederum zu einem vorsorglichen Sichern von Vorteilen, was gleichzeitig andere von dem Gesicherten ausgrenzt.F30
Dabei kommt es gerade auf der materiellen Ebene zur Verwechslung von angenehmen Gefühlen, und der Situation oder dem Gegenstand, der sie hervorgebracht, bzw. unterstützt hat. Durch den Besitz eines Gegenstandes oder durch das Manipulieren bzw. ‘Einfrieren’ einer Situation wird versucht, die positive Empfindung jederzeit abrufbereit zur persönlichen Verfügung zu haben.F31 Tatsächlich ist diese Verhaltensweise gesellschaftlich weit verbreitet, da sie, trotz teils anders lautender Bekundungen, realiter die Norm darstellt, und dem Kapitalismus gleichsam systemimanent ist. Für Erfolg im beruflichen Leben ist sie deshalb häufig eine Voraussetzung
Statt des gewünschten Resultats von Harmonie, Frieden und Zufriedenheit scheint aber in der Praxis eine psychische Grundanspannung und Aggressivität wirklichkeitsnäher, nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung". Das oben bereits angesprochene Problem des Gegensatzes zwischen dem Ziel und den angewandten Mitteln wird an späterer Stelle noch aufgegriffen.
Für Fromm
Das Christentum ist in unserem Kulturkreis einer der wichtigsten gesellschaftlichen Träger von alltagsrelevanten ethischen und moralischen Werten und Helfer bei der Frage nach dem Sinn des individuellen Lebens, sowie der Einordnung des einzelnen in ein seelisches Koordinatensystem, einen zur Verfügung stehenden Bezugsrahmen für das eigene Leben. Dabei sei vorerst nur diese stabilisierende, Sicherheit gebende Funktion der Einordnung des einzelnen in einen größeren Kontext betont. Die Frage nach richtigen oder falschen ‘Wahrheiten’, die dabei vermittelt wurden und werden, soll hierbei unberücksichtigt bleiben.F35 Mit der Durchsetzung der modernen Naturwissenschaften, beginnend mit Kopernikus` Entdeckung des heliozentrischen Weltbildes im 16. Jhd. verlor die christliche Kirche immer stärker ihre Vormachtstellung. Die Industrielle Revolution und die Verstädterung brachten mit der Entwurzelung des einzelnen aus dem bisherigen Gefüge einen weiteren Einflußverlust für die Kirche, und dadurch gleichzeitig ein noch verstärktes Auf-sich-gestellt-sein des einzelnen bei der Sinn- und Wertesuche. Durch gestiegene Kaufkraft immer breiterer Bevölkerungsschichten verbreitete sich zunehmend der Glaube an die Käuflichkeit von Glück, Zufriedenheit und Lebenssinn. Passives Konsumieren und ständige sinnenfrohe Ablenkung - spätestens da ist man bei der Gegenwart angelangt - ist einfacher als die aktive Auseinandersetzung mit den uralten Menschheitsfragen nach Sinn und Zweck des Lebens, was auch Themen wie Moral, Verantwortung oder Lebensaufgabe berührt.
Mit dem Wegfall der Unterstützung und dem Ausbleiben von Antworten durch die Kirche, und in Ermangelung eigener Antworten auf die Frage "wer bin ich" oder "warum bin ich" gingen aber, wie oben bereits gesagt, ein großer Teil an innerer Stabilität, Ausrichtung auf ein Ziel und damit Sicherheit verloren. In unserer hedonistischen Gesellschaft sind solche ‘schweren’ Fragen nicht sonderlich gefragt. Trotzdem kommt beinahe jedem Menschen, ob bewußt oder unbewußt, irgendwann der Gedanke an die eigene Sterblichkeit in den Sinn, und damit eben auch diese Identitäts- und Sinnfrage.
Dem Lustprinzip gemäß werden solche Zweifel dann oft durch die Reizüberflutung und Ablenkung einer hedonistischen Lebensweise überdeckt, bzw. ‘Genuß pur’ als Sinn der eigenen Existenz und einzige Lebensaufgabe gesehen. Häufig ist dies unbewußt und unreflektiert von der sozialen Umwelt übernommen.
Aus der Biologie und der Medizin ist aber bekannt, daß bei ständig gleichbleibendem Reiz die (subjektive) Wahrnehmung des Reizes und damit auch die Reaktion darauf sinkt. Übertragen auf den modernen Konsumerismus und die Genußsucht bedeutet dies, daß der Reiz, d.h. das Produkt, die Situation, ständig gewechselt oder intensiviert werden muß. Man könnte sagen, daß der Luxus der Elterngeneration bereits zum unverzichtbaren Bestandteil im Leben der Kinder wird.
Die ungeklärte Sinn- und Identitätsfrage wird nach Kräften von der Werbebranche und der sie beauftragenden Wirtschaft genutzt. Unzählige Werbepsychologen nutzen fehlende (Selbst)Sicherheit und fehlende innere Stabilität; sie versuchen den ‘mündigen’ Verbraucher über seine Ängste, Unsicherheiten und Wünsche zu manipulieren und zum konsumieren zu verführen. Beispielhaft sind die ‘gute Hausfrau’, die den richtigen Kaffee und das richtige Spülmittel verwendet, um Anerkennung zu bekommen oder die Motorradmarke, die vor allem ein Lebensgefühl, weniger einen Gegenstand, verkauft.
Fromm ist gegenüber den Einflußmöglichkeiten der Religion kritisch, denn:
So steht hinter allen von Menschen produzierten Dingen - und dazu gehören genauso die unerwünschten Abgase wie die Radioaktivität - ein direkter bzw. indirekter "Nutzen". Die Nachfrage nach diesen Sachen und ihrem primären Nutzen wird aber wiederum von inneren Bedürfnissen, psychologischen ‘Zwängen’ in Gang gesetzt, die zumindest in ihren Grundursachen für den Betroffenen keine zur Disposition stehende Beliebigkeit haben. Das heißt aber, daß Gesetze, vor allem solche, die auf eine umfassende Handlungsänderung hinwirken, nur soweit befolgt werden können, wie sie die komplizierte psychologisch-seelische Stabilität des Angesprochenen nicht gefährden. Andernfalls müssen sie mißachtet oder umgangen werden. Konkret gesagt, wenn Konsum oder Egoismus eine solche Stabilität bewirken, eine "Religion" im Sinne Fromms sind, können sie und ihre spezifischen Auswirkungen (z.B. Umweltzerstörung) ohne entsprechende Alternativen auf eben dieser Bedürfnisebene nicht erfolgreich unterbunden werden. Das bedeutet aber: Umweltgesetze in einem kulturellen Kontext des ‘Haben-Modus’ (Fromm) können somit gar nichts anderes als nur Symptombehandlung sein. Der geforderte "fundamentale Wandel der menschlichen Grundwerte und Einstellungen im Sinne einer neuen Ethik und einer neuen Einstellung zur Natur" muß also auf anderer Ebene vorbereitet und ermöglicht werden. In dieser Sichtweise wären Gesetze nicht mehr Kernpunkt des Lösungsansatzes zur Umweltproblematik, sondern flankierende Maßnahme. Die eigentliche Hauptaufgabe müßte aber die psychologisch-spirituelle Arbeit auf der Ebene der einzelnen Person mit deren ganz individuellen inneren Grenzen und Verarbeitungsmechanismen sein.
Welche Kriterien müßten daher zugrundegelegt werden?
Da ein existentieller und damit extrem sensibler Bereich des Menschen angesprochen wird, bedarf es einer vertrauten und vertrauenswürdigen ‘Institution’, der eine solche Tätigkeit bzw. Einmischung in derart intime Bereiche zugestanden wird. Sie muß geeignete Methoden zur Verfügung haben, um alle Mechanismen und seelischen Zustände des Betroffenen erkennen zu können und diese dem Klienten, entsprechend seinem Verarbeitungsvermögen, auch in angepaßten Schritten bewußt machen können. Dies gilt auf der spirituellen Ebene ebenso wie auf den Ebenen der Erfahrbarkeit und Wahrnehmung oder der Bewertung und Verarbeitung. Zu diesem Komplex gehört auch eine Sensibilisierung für eine systemische und ‘ökologische’, d.h. holistische und vernetzte, Sichtweise. Um eine nachhaltige Veränderung bewirken zu können, muß außerdem eine Verankerung der Erkenntnisse und Alternativen auf der Stufe der emotionalen Matrix stattfinden. Eine nur theoretische Auseinandersetzung, ein passives Bekennen von lediglich rational logischen Werten, kann deshalb nicht ausreichen. Es geht darum, dem Menschen zu helfen, zu seiner vollen Persönlichkeit zu reifen, jenseits infantiler bzw. animalischer Triebhaftigkeit.
Eine solche Rolle wird gesellschaftlich besonders den traditionellen Religionen zugeschrieben. Leider ist im Rahmen der Institutionalisierung, der Manifestation einer religiösen Idee in einer spezifischen Organisation, immer wieder das Problem der Verzerrung aufgetreten. Der Gläubige wurde nicht mehr, dem Uranliegen aller Religionen und deren Gründer gemäß, zum eigenen Verstehen, zur Erkenntnis der Dinge, zum persönlichen Wachstum angeregt, sondern vielmehr in eine unmündige Abhängigkeit gegenüber der religiösen Institution und ihrer Träger gebracht. So leidet die christliche Kirche heute zunehmend an Vertrauensschwund und Mitgliedsaustritten. Trotzdem wird sie immer noch als ein wichtiger gesellschaftlicher Wertevermittler und Träger ethischer Normen angesehen. Seit den späten 70er Jahren werden sich die Weltreligionen in steigendem Maße der Umweltproblematik bewußt und suchen nach eigenen Standpunkten zu den Fragen der Zuständigkeit bzw. Verantwortung und damit nach der eigenen zukünftigen Rolle als Wertevermittler und ‘Sinn-Spender’ allgemein und im besonderen bezogen auf die moderne Umweltproblematik mit den hier skizzierten weitreichenden Zusammenhängen.
Im weiteren Verlauf meiner Arbeit wird allerdings nicht das Christentum, sondern der Buddhismus als möglicher Katalysator des Wandels von Einstellungen und Werten speziell in bezug auf eine Verbesserung im Umgang mit der Umwelt untersucht. Der Buddhismus kennt keinen allmächtigen Schöpfergott, sondern schreibt alle Veränderungs- und Handlungsmöglichkeiten einzig dem Individuum zu. Deshalb hat er sich in besonderem Maße darauf konzentriert, die Handlungsmotive des einzelnen zu verstehen, Zusammenhänge aufzuzeigen und individuell darauf abgestimmte "Lösungen" zu lehren. Er versteht sich deshalb als Unterstützung und Anleitung zur aktiven spirituellen Arbeit an der eigenen Person. Er sieht sich als Werkzeug, als Finger, der auf den Mond zeigt, um dem Suchenden zu helfen, ihm aber nicht den Vorgang des Sehens abnehmen kann. Um ein solches Erkennen als Grundlage der eigenen Wandlung anzuleiten und zu unterstützen, steht ihm ein sehr ausdifferenziertes und seit 2500 Jahren kontinuierlich erprobtes und weiterentwickeltes System zur Verfügung. Wegen dieser psychologischen Ausrichtung wurde er im Okzident wiederholt angegriffen bzw. bekam den Status einer Religion abgesprochen. Immer wieder jedoch waren gleichzeitig westliche Philosophen vom Buddhismus fasziniert, immer wieder wurde er von ihnen als ein Modell für eine postmoderne Gesellschaft bezeichnet.
Was kann der Buddhismus nach seinem Selbstverständnis und Wesen tatsächlich zu einem veränderten Umgang mit der Umwelt beitragen?
Der Buddhismus gründet auf der Lehre des Buddha Sakyamuni (ca. 560-480 v. Chr.). Geboren wurde er unter dem Namen Siddhartha Gautama aus dem Geschlecht der Sakya, weswegen er später den Beinamen Sakyamuni, der "Weise aus dem Geschlecht der Sakyas", bekam. Er war Prinz eines kleinen Königreiches im heutigen Nepal und lebte ein unbeschwertes Leben in Reichtum.
Als ihm im Alter von 29 Jahren, Alter, Krankheit und Tod bewußt wurden, entsagte er seinem bisherigen Lebensstil und wurde Asket. Er suchte 6 Jahre lang mittels verschiedener Methoden, zuletzt auch durch strengste Askese, nach erlösender Erkenntnis. Erst nachdem er wieder ausreichend zu essen begann, um wieder zu Kräften zu kommen, erlangte er in einem Zustand tiefster Versenkung die Erkenntnis der Wahrheit des "Mittleren Weges". Dadurch wurde er "Der Buddha", der "Erwachte", der erkannte, daß alle Dinge vergänglich, leidvoll und ohne dauerhaften Wesenskern sind.
In seiner ersten Predigt legte er die "Vier Edlen Wahrheiten" dar: die Existenz von Leiden, deren Ursache, die Möglichkeit der Erlösung von den Leiden und den Weg dorthin. Fortan lehrte er diesen Weg der Erlösung von allem Leiden, gründete eine Ordensgemeinschaft und mehrere Klöster und zog bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren lehrend umher.
Buddha Sakyamuni war kein Gott, "sondern nur ein Mensch, der den Dharma, die erlösende Wahrheit, aus eigener Kraft entdeckt hatte.F45"
Seine Einsichten waren "nicht theoretischer, sondern existentieller Art", weshalb sich im älteren Buddhismus "nur ansatzweise philosophische oder metaphysische Reflexionen...finden."F46 Er beschäftigte sich nur mit der Frage, wie die Lebewesen Erlösung von dem Leiden des ewigen Geburtenkreislaufes erlangen können. Alles Wissen und alle Beschäftigung, das nicht dieser Aufgabe diente, hielt er für unwichtig oder sogar schädlich, so auch die Frage nach dem Anfang der Erde.
Nach seinem Tod wurde seine Lehre von seinen Schülern weiterverbreitet. Diese erste Phase, von Beginn der Lehrtätigkeit Buddhas bis etwa Mitte des 5. Jhd. v. Chr., wird als Ur-Buddhismus bezeichnet. Ab Mitte des 4. Jh. v. Chr. kommt es zu einer Spaltung in verschiedene Schulen aufgrund unterschiedlicher Auslegung der Lehre.
Zu einer weiteren großen Spaltung kommt es dann ab dem 1. Jh. n. Chr. Die neue Lehrrichtung bezeichnet sich als das ‘große Fahrzeug’ (Mahayana) zum Heil, da sie die Erlösung aller Lebewesen zum Anliegen hat. Entsprechend wird hier der Altruismus betont, der Bodhisattva herausgestellt, der seine eigene Erlösung hinten anstellt, um zuerst den anderen leidenden Wesen zu helfen. Es bildet sich eine starke Laienbewegung. Dem gegenüber wird der ältere Buddhismus von ihnen abschätzig das ‘kleine Fahrzeug’ (Hinayana) genannt, da er besonders die individuelle Verantwortung für die Erlangung des eigenen Heils herausstellt und sich vor allem an die buddhistischen Mönche und Nonnen wendet.
Das Mahayana erkannte zwar nach wie vor die alten Texte an, ergänzte sie aber durch umfangreiche Literatur, da der ältere Buddhismus ihrer Meinung nach die Lehre Buddhas nicht vollkommen erfaßt hat und nur verkürzt wiedergibt. Trotzdem lebten und praktizierten auch weiterhin die Mönche beider Richtungen teilweise in denselben Klöstern friedlich nebeneinander und erkannten an, daß beide Fraktionen die Grundsätze und Wesensart des Buddhismus weiterführten.
Seit dem 3. Jh. n.Chr verbreitete sich der Buddhismus auch außerhalb Indiens, "wo er sich den lokalen Gegebenheiten anpaßt[e]."F47 Im 7. Jh. entsteht der tantrische oder esoterische Buddhismus, der sich selbst, in Anlehnung an Hinayana und Mahayana, als ‘Vajrayana’, das diamantene Fahrzeug, bezeichnet.
Das heutige Verbreitungsgebiet des älteren Buddhismus, in Form seiner einzigen heute noch lebenden Schule, dem Theravada, ist Sri Lanka, Thailand, Burma und Kambodscha. Das Mahayana wird in China, Japan, Vietnam und Korea, das Vajrayana in Tibet, der Mongolei und Japan praktiziert.
Die Zahl der Buddhisten läßt sich nur sehr ungenau mit 150-500 Millionen F48 weltweit angeben, da die Zugehörigkeit zum Buddhismus nicht die Zugehörigkeit zu anderen Religionen ausschließt.
Lehre und Wesen des Buddhismus
Wie der kurze geschichtliche Abriß zeigt, hat sich der Buddhismus seit seiner Entstehung in viele Länder mit teilweise sehr unterschiedlichen Kulturen verbreitet. Dabei kam es jeweils zu einer teilweisen Assimilation dortiger Ideen und Traditionen, die eine Weiterentwicklung des Buddhismus durch veränderte Gewichtung bestehender Inhalte oder durch Hinzufügen gänzlich neuer Aspekte bewirkte. Wegen dieser großen Bandbreite an spezifischen Ausformungen und inhaltlichen Aspekten, die sich alle unter ‘Buddhismus’ zusammenfassen lassen, ist es notwendig, daß sich die weiteren Ausführungen, mit Ausnahmen, auf einen Teil des Buddhismus, den "frühen Buddhismus", beschränken. Die Phase des Ur-Buddhismus ist inhaltlich noch unklar und umstritten, während die Inhalte des frühen Buddhismus gut belegt sind und wissenschaftlich allgemein anerkannt werden. Die Beschränkung auf diese Phase ist auch deshalb vertretbar, da sich alle später entwickelten Schulen und Sekten ebenfalls auf die Lehren des frühen Buddhismus berufen, sie lediglich inhaltlich anders gewichten und/oder ergänzen.
Wegen der Fremdheit und Komplexität der Inhalte der buddhistischen Lehre für den westlichen Betrachter sollen diese Inhalte und deren Bedeutung für den Buddhismus in diesem Kapitel kurz erläutert werden.
Die Sprache des frühen Buddhismus war Pali, weswegen die wichtigsten Begriffe in Pali genannt werden. Lediglich die im Westen bereits geläufigen Sanskritformen Dharma (Pali dhamma), Karma (kamma) und Nirvana (nibbana) werden, der besseren Verständlichkeit wegen, davon ausgenommen.
Gleich einem Arzt, der eine Krankheit durch Beobachtung feststellt, deren Ursachen ergründet und darauf aufbauend einen Genesungsplan erstellt, hat der Buddha die Existenz von Leiden[I], deren Ursachen[II], die Möglichkeit der Befreiung[III] und den Weg dorthin[IV] gelehrt. Diese Vier Edlen Wahrheiten bilden die Grundlage der buddhistischen Lehre und sind der Hauptbestandteil der ersten Predigt Buddhas, die auch als das "in Bewegung setzen des Rades der Lehre" bezeichnet wird. Da hier (fast) alle wichtigen Lehren des Buddhismus genannt werden oder anklingen, soll diese Stelle ausführlicher behandelt werden:
Dann sprach der Erhabene in der Gesellschaft der fünf Mönche:
Zwei gegensätzliche Verhaltensweisen gibt es, ihr Mönche, die einer, der die Wanderschaft angetreten hat, nicht befolgen soll. Welche zwei sind dies?
Hingabe an die Sinnenlust, eine niedrige Lebensweise gewöhnlicher Leute, unwürdig, zwecklos, der Weg der Welt (einerseits); und (andererseits) Hingabe an die Selbstpeinigung, die leidvoll, unwürdig und zwecklos ist.
Diese beiden Gegensätze vermeidend, gewann der Tathagata [Buddha] Kenntnis des mittleren Pfades, der Schau und Erkenntnis bewirkt, der zu Ruhe, Wissen, Erleuchtung, Nibbana [Nirvana] führt.
Und welches ihr Mönche, ist der mittlere Pfad, der zur Schau...zu Nibbana führt?
Wahrlich es ist dieser edle achtfache Pfad, nämlich: rechte Anschauung, rechtes Ziel, rechte Rede, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechte Aufmerksamkeit, rechte Versenkung. Dies, o Mönche, ist der mittlere Pfad, der Schau und Erkenntnis bewirkt, der zu Ruhe, Wissen, Erleuchtung, Nibbana führt.
[I] Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit über das Leiden:
Geburt ist Leiden, Verfall ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden: ebenso Kummer und Schmerz, Klage und Verzweiflung. Mit ungeliebten Dingen vereint zu sein: von geliebten Dingen getrennt zu sein - auch dies ist Leiden. Nicht zu bekommen, was man wünscht - auch dies ist Leiden. Mit einem Wort, dieser Körper, diese fünffache Masse [khanda] F49, die im Begehren gründet , das ist Leiden.
[II] Dies, o Mönche, ist die edle Wahrheit über die Entstehung [Ursache] des Leidens:
Es ist die Begierde, die zur Geburt zurückführt, vereint mit der Lockung und Lust, die sehnend hier und da verweilt: nämlich die Leidenschaft der Sinne, die Begierde nach Wiedergeburt, die Begierde nach dem Ende des Daseins. Dies, ihr Mönche ist die edle Wahrheit über die Entstehung des Leidens.
[III] Und dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit über das Vergehen des Leidens:
Fürwahr, es ist das völlige, leidenschaftslose Aufhören, das Aufgeben, das Entsagen, die Befreiung, die Abwesenheit von der Sehnsucht nach dieser Begierde.
[IV] Dieses, Mönche, ist nun die edle Wahrheit vom Wege, der zum Aufhören des Leidens führt:
Fürwahr, es ist dieser achtfache Pfad, nämlich: rechte Anschauung, rechtes Ziel, rechte Rede, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechte Achtsamkeit, rechte Versenkung.F50
Nach Buddhistischer Auffassung ist die Wirklichkeit in all ihren Ausprägungen und Manifestationen durch drei Merkmale charakterisiert: Vergänglichkeit, Nicht-Selbst und Leidhaftigkeit:
Alles Leben setzt sich für den Buddhisten aus den fünf Daseinsfaktoren F53 zusammen, die sich gegenseitig beeinflussen und damit verändern. Folgerichtig ist auch alles aus ihnen Zusammengesetzte nicht unveränderlich und letztlich auch der Vergänglichkeit unterworfen. Denn jede Komposition wird bei Veränderung eines oder mehrerer ihrer Bestandteile ebenfalls betroffen und wandelt sich.
Das buddhistische Verständnis von der Unbeständigkeit aller Dinge hat eine weitreichende Bedeutung. Gleichgültig, ob es sich um den menschlichen Körper, geistige Einstellungen, Situationen oder scheinbar dauerhafte Materie, wie Gebirge handelt, alles verändert sich - zwar in unterschiedlichen Zeiträumen - aber dennoch unausweichlich. Das einzig Beständige ist der Wandel selbst.
So verändert sich unser Körper nicht nur bei jedem Atemzug oder bei jeder Nahrungsaufnahme auf der stofflichen Ebene, sondern es ändert sich auch sein Äußeres mit zunehmendem Alter. Eine Beziehung zu einem anderen Menschen erfährt Veränderung, eine Garantie für den Fortbestand des status quo gibt es nirgends.
Gleichzeitig ist Unbeständigkeit ein Synonym für Leben, denn ohne einen Fluß an Energie, Materie oder Information (wie es die Systemtheoretiker heute ausdrücken) würde der Zustand des thermodynamischen Wärmetodes oder aber die Starrheit eines Kristallgitters eintreten:
Es ist das scheinbar Paradoxe, daß das Leben durch das Vergehen erst möglich wird. Jede Veränderung ist das Vergehen des bisherigen Zustandes und Entstehen von etwas Neuem - von der Evolution des Wasserstoffs (nach wissenschaftlichem Stand der atomare Grundbaustoff des Universums) zum denkenden Menschen, von der Verschmelzung des Samens mit dem Ei zum Erwachsenen-Stadium, vom geistigen Stand eines Embryos zur ausdifferenzierten Persönlichkeit mit ihren komplizierten Denkleistungen.
Soweit der Austausch einzelner Atome in unserem Körper betroffen ist oder etwas Positives in Aussicht steht, haben die meisten Menschen geringere Schwierigkeiten, Leben als Veränderung zu akzeptieren. Ist die Veränderung jedoch von größerem Umfang oder betrifft gar ein ‘Ding’, mit dem wir uns identifizieren, wird das gleichsam als Angriff auf unser Ego empfunden, vom Kratzer im Auto bis zum Tod des Lebenspartners. Die Gewißheit unseres eigenen Todes ist jedoch die ultimative Kränkung.
Sakyamuni Buddha machte immer wieder, zum Teil sehr drastisch, deutlich, wie vergänglich sowohl Körper als auch Geist sind:
»Die unwissenden Leute, ihr Brüder, mögen wohl von diesem Körper, dem Kind der vier großen Elemente, abgestoßen sein; sie mögen wohl aufhören, ihn gern zu haben, mögen von ihm befreit sein wollen, wenn sie sein Wachstum und seinen Verfall sehen.« Vom Bewußtsein dagegen sind die Leute nicht abgestoßen; sie klammern sich daran und denken: »Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Geist.« Doch der Körper währt Jahre - zehn, dreißig, fünfzig, hundert oder mehr - während das Bewußtsein sich unaufhörlich ändert. »Wie ein durch die Wälder streichender Affe... einen Zweig ergreift, ihn losläßt und einen anderen faßt, so auch, Brüder, bildet sich das, was wir denken, Geist, Bewußtsein nennen - als dieses und vergeht als jenes, in der Nacht wie am Tag.« Abschließend läßt der Buddha durchblicken, daß einer, dem das Vergängliche zuwider ist, lieber nicht den Geist über die Materie stellen sollte: »Deshalb, Brüder, wäre es besser, wenn die unwissenden Leute diesen Körper, das Kind der vier großen Elemente, und nicht den Geist als das Selbst betrachteten.«F57
Um sich von der blinden Identifikation mit dem eigenen Körper zu befreien und auf die eigene Vergänglichkeit hinzuweisen, empfahl der Buddha beispielsweise die folgende Kontemplation:
Diese fünf Gruppen sind:
2. Dies ist ein schmerzliches Gefühl.
3. Dies ist die Wahrnehmung des Zahnes durch Gesicht, Berührung und Schmerz.
4. Dies ist, als Willensreaktion:
Abneigung gegen Schmerz, Furcht vor den möglichen Folgen für
zukünftiges Wohlbefinden,
gieriges Verlangen nach physischem Wohlbefinden usw.
5. Dies ist Bewußtsein: eine Bewußtheit alles oben Gesagten.F64
Durch lange Tradition ist es uns natürlich geworden, unsere eigenen Erfahrungen unter der Kategorie des Ich und Mein zu betrachten.F66
Buddha erkannte während seines Erleuchtungserlebnisses die grundsätzliche Leidhaftigkeit allen Lebens. Diese Erkenntnis hielt er in der ersten der Vier Edlen Wahrheiten fest - jener vier Aussagen, die die Quintessenz des Buddhismus darstellen und das zentrale Thema seiner ersten Predigt waren.
Dukkha wird zwar meist mit Leiden übersetzt, umfaßt aber alles Unangenehme und Unvollkommene, weshalb es sowohl Leid als auch eine grundsätzliche Unzufriedenheit bedeutet.F67
In der Ersten Edlen Wahrheit beschreibt er zuerst das Leiden, das durch die biologischen Aspekte des Lebensprozesses bedingt wird. Dieses Leiden wird noch verstärkt durch den buddhistischen Glauben an Wiedergeburt, wodurch sich der Ablauf von Geburt, Alter, Krankheit und Tod endlos fortsetzt (samsara). Außerdem weist Boxberg darauf hin, daß Buddha mit ‘Geburt’ nicht nur das Geborenwerden und Gebären versteht, "sondern jedes im Leben eines Menschen sich ereignende Keimen, Erscheinen von Dingen und Ergreifen von Gebieten".F68 Z.B. umfaßt jeder einzelne Gedanke den Vorgang des Entstehens, Bestehens und Vergehens. Weiterhin werden auch Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung als körperliche und geistige Leiden genannt.F69
Im nächsten Schritt wird das Leiden als die Frustration der Aussichtslosigkeit beschrieben, Unangenehmes ständig fernhalten und Erwünschtes auf immer festhalten zu können. Dabei spielt nicht nur die Einschätzung der gegenwärtigen Situation eine Rolle, sondern auch die mögliche zukünftige Entwicklung.
Die dritte Kategorie, in die dukkha traditionell eingeteilt wird, ist die Erfahrung, daß die Dinge und Situationen unvollkommen sind, nie voll befriedigen können. Denn wegen des steten Wandels könnte der Zustand der Vollkommenheit und damit der eigenen Zufriedenheit nicht bestehen bleiben, selbst wenn er zu einem Zeitpunkt bestünde. Zusätzlich ist jedes Ding, jede Situation aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt, absolute Vollkommenheit zu irgendeinem Moment also noch unwahrscheinlicher. Dieses Wissen um die Veränderlichkeit der Dinge bewirkt eine gedankliche Vorwegnahme der Zukunft, bringt bereits im Genuß des Schönen und Angenehmen eine Vorahnung des Verlustes. Am ausgeprägtesten ist dies in bezug auf unser eigenes Leben und unseren Tod.
Diese Darstellung des Lebens erscheint als sehr negativ. Vergleicht man aber das Leiden (dukkha) mit einer Krankheit, so ist eine realistische und genaue Beschreibung der Situation notwendig, bevor man eine Heilung erhoffen kann. Außerdem birgt die Lehre von der Vergänglichkeit und der Bedingtheit der Dinge auch die Möglichkeit zur positiven Veränderung. Es gibt nichts, das unabänderlich festgeschrieben wäre.
Der Buddhismus leugnet auch keineswegs die Existenz von Glück und Zufriedenheit, weist aber auf die Vergänglichkeit dieser Zustände und die damit verbundenen Gefühle von Verlust und Trauer hin.
Die Zweite Edle Wahrheit: Die Ursache von Leiden
In dieser Wahrheit benennt Buddha die Ursache für das Leiden, tanha, meist mit Gier, Begehren, Begierde oder Durst übersetzt. Dieser Durst hat drei Ausrichtungen. Zuerst wird die Sinnenlust, das Erstreben des Angenehmen, genannt. Sodann der Durst nach Werden, Wiedergeburt und (ewigem) Leben. Schließlich folgt das Begehren, unangenehmen Dingen und Situationen aus dem Weg zu gehen, das Sehnen nach deren Ende. In seiner stärksten Ausprägung kann tanha zum völligen Zurückweisen des eigenen Lebens, dem Selbstmord, führen.
Es entsteht auf mehrerlei Weise Leiden. Zum einen, wie bereits dargestellt, aus der Frustration heraus, nicht (ständig) in den gewünschten Bedingungen leben zu können, der Vergänglichkeit ausgesetzt zu sein. Zum anderen führt die Unterscheidung in Vorlieben und Abneigungen zu einer Handlung, nämlich dem Versuch, das Umfeld entsprechend zu beeinflussen. Es kommt zu Konflikten mit anderen Lebewesen, was zu beiderseitigem Leiden führt. Jede Tätigkeit, und das ist die schlimmste Auswirkung, führt wegen ihrer karmischen Wirkung F70 zu Wiedergeburt und dem damit erneut verbundenen Neubeginn des Leidens.
Neben dem Begehren werden an anderen Stellen F71 auch Haß und Unwissenheit (avijja) als Ursachen für das Entstehen von Leiden angegeben. Dieses Nichtwissen meint nicht intellektuelle Unfähigkeit, sondern eine Blindheit gegenüber den Vier Edlen Wahrheiten, dem Verständnis für die Zusammenhänge der Dinge, dem Prinzip der Entstehung von Leiden und dessen Auflösung. Trotzdem will Buddha weder Nichtwissen, noch das Begehren als unabhängige Uranfänge verstanden wissen:
Neben der Erklärung der Wirklichkeit durch das Zusammenspiel der fünf Daseinsfaktoren gibt es ein weiteres Element der buddhistischen Lehre, das die wechselseitige Bedingtheit aller geistigen und körperlichen Dinge betont, das Gesetz vom Entstehen in Abhängigkeit (paticca-samuppada). In seiner einfachsten Form heißt es:
Wie sich später noch zeigen wird, gibt es im frühen Buddhismus auch unterschiedliche Interpretationen und Gewichtungen in bezug auf die Art der Bedingtheit.F79 Manchmal wurde mehr Gewicht auf den Inhalt der einzelnen Kettenglieder gelegt und somit auf die Möglichkeit, mit diesen Inhalten konkret zu arbeiten. Denn wenn man eine Veränderung an einem Punkt erreicht, beeinflußt das auch die nachfolgenden, vielleicht schwieriger zugänglichen Glieder. Dabei wird diese zwölfgliedrige Kette nur in einer Richtung gelesen. Dies ist ein lineares und zeitlich gerichtetes Verständnis, bei dem zuerst die Ursache auftritt und dann auf bestimmte Objekte eine Wirkung ausübt.
Zu anderen Zeiten bzw. in anderen Strömungen stand der prozeßhafte Charakter, der die Elemente der Ketten miteinander verband, besonders im Vordergrund. Die Sichtweise, daß Alles F80 sich wechselseitig durchdringt, sich wechselseitig beeinflußt und damit wechselseitig bedingt. Deshalb wurde die Kette auch in ihrer umgekehrten Reihenfolge gelesen. Diese Vorstellung ist nicht mehr linear und gerichtet, sondern räumlich. Kein einzelnes Beziehungspaar ist mehr in Ursache und Wirkung getrennt, sondern die Tat beeinflußt auch den Täter. Darüber hinaus durchdringt alles jedes. Sinnbild dieser Verwobenheit ist die buddhistische Metapher von Indras Juwelennetz, bei dem an jedem Knotenpunkt ein Diamant sitzt und alle anderen Diamanten spiegelt. Er selbst wird aber zur gleichen Zeit mit all seinen eigenen Reflexionen in allen anderen Diamanten gespiegelt, erhält somit von jedem einzelnen Knotenpunkt auch seine eigene Reflexion. Dadurch ist das Ganze in jedem Teil und alle Teile im Ganzen vorhanden. Diese Wechselseitigkeit ist vor allem in bezug auf das Karmaverständnis bedeutsam.
Entgegen der häufig vertretenen westlichen Vorstellung von Karma handelt es sich dabei nicht um eine moralische ‘Instanz’ der Bestrafung oder Belohnung für früheres Verhalten. Es ist vielmehr ein Naturgesetz, eine Art Massenträgheit, durch die sich der Grundcharakter eines Gedanken, einer Handlung oder eines gesamten Lebens fortsetzt und eine Grundstimmung als Ausgangssituation für den nächsten Gedanken, Handlung oder Lebenszyklus schafft. Gleich einem Staffellauf ohne Staffelstab, bei dem kein wie auch immer geartetes ¢ Ding¢ (auch kein metaphysisches Selbst) übergeben wird, sondern eine Tendenz. Die Kontinuität liegt in der Abfolge selbst, nicht in einem Gegenstand. Schumann nennt das Beispiel einer Billardkugel, die die nächste Kugel in einer bestimmten, keineswegs zufälligen Richtung in Bewegung versetzt, ohne etwas Eigenes, etwas Materielles auf die zweite Kugel übertragen zu haben, ihr lediglich einen Impuls gibt. Von einer Bestrafung oder Belohnung der Billardkugel kann man aber nicht sprechen.F81 Ein anderes traditionelles Bild ist die Flamme eines Öllämpchens, das an einem bereits brennenden Lämpchen entzündet wird. Um eine ganze Nacht hindurch brennen zu können, braucht es eine Abfolge mehrerer Lampen.F82 Dieser Vorgang findet sowohl von Gedankenmoment zu Gedankenmoment statt, wodurch der Anschein eines dauerhaften, festgefügten Selbst mit Erinnerungen, Gefühls- und Handlungsmustern entsteht, als auch von einem Leben zum nächsten. Dabei wird nicht die gleiche Person, ein ewiges Selbst unter veränderter Umgebung, erneut geboren, sondern wiederum nur Tendenzen und Anlagen weitergegeben. Eine Metapher dafür sind aufeinandergestapelte Spielwürfel. Der oben liegende Würfel kann nur wegen der darunterliegenden Würfel seine Lage behalten, ist aber gleichzeitig völlig verschieden von ihnen.
Das Verständnis von Kausalität als sich wechselseitig durchdringend und bedingend hat seine Bedeutung darin, daß alles Denken, Sprechen und Handeln nicht nur eine Wirkung auf das Zielobjekt hat, sondern auch den Verursacher verändert. So wie ständige Wiederholung und Übung einen Muskel stärkt oder eine Fertigkeit verbessert, wird der Mensch auch durch die wiederholten Denk- und Handlungsmuster geprägt. Es entstehen Tendenzen, die sich verstärken. Somit ist ein ‘gutes’ Werk bei gleichzeitig ‘schlechten’ Gedanken oder Gefühlen vielleicht ein Anfang in einem neuen Lernprozeß, aber keine endgültige Lösung. Aus dem gleichen Grund weist Macy F83 darauf hin, daß der Leitsatz "der Zweck heiligt die Mittel" keine Lösung sein kann und z.B. die Durchsetzung friedlicher Ziele mit Gewalt weder spurlos an dem Friedenskämpfer, noch an den Bekämpften vorübergehen kann. Vielmehr wird dem Prinzip, in diesem Fall der Gewaltanwendung, weitere Energie zugeführt und sie somit verstärkt. Einfache Logik bestätigt, daß Aggression eher Aggression denn Hilfsbereitschaft als Reaktion erzeugt und umgekehrt.F84 Die wechselseitige Abhängigkeit bedeutet, daß an einem Kettenglied angesetzt werden kann, um ein anderes zu beeinflussen. Damit besteht eine Möglichkeit zur Erlösung aus dem ewigen Kreislauf karmisch bedingter Wiedergeburten und dem damit verbundenen Leid. Es gibt keinen unwandelbaren Determinismus.
Das Wissen um die Möglichkeit zur Erlösung ist der Inhalt der Dritten Edlen Wahrheit.
Die Dritte Edle Wahrheit: Ein Ende des Leidens ist möglich
Es kann ein Zustand der völligen Loslösung erreicht werden, in dem alle Ursachen des Leidens überwunden sind und weder alte karmische Wirkungen weiterbestehen, noch neues Karma gebildet werden kann.
Der Vorgang oder Zustand der Beendigung des Leidens heißt auf Sanskrit Nirvana (Pali: nibbana) und bedeutet wörtlich ‘verlöschen’. Dabei ist jedoch kein Nihilismus, keine absolute Vernichtung gemeint. Dies läßt sich am Beispiel einer verlöschenden Kerzenflamme erklären: Nach bereits vorbuddhistischer, indischer Sichtweise vergeht die verlöschende Flamme nicht, sondern geht lediglich in den Raum ein und wird unsichtbar:
Bereits das Wissen um die Möglichkeit einer Aufhebung des Leidens ist bereits eine sehr hoffnungsvolle, motivierende Kraft.
Die Vierte Edle Wahrheit: Der Weg zur Aufhebung des Leidens
Er nennt folgende praktischen Schritte:
(1) Vollkommene Anschauung Weisheit
(2) Vollkommener Entschluß "
(3) Vollkommene Rede Sittlichkeit
(4) Vollkommenes Handeln "
(5) Vollkommener Lebensunterhalt "
(6) Vollkommene Anstrengung Sammlung
(7) Vollkommene Achtsamkeit "
(8) Vollkommene Konzentration "
Das Attribut "vollkommen" kommt dabei der ursprünglichen Bedeutung einer ‘Ganzheit’ und ‘Vollständigkeit’ näher, als das ebenfalls oft verwendete Attribut ‘recht’, da hierbei leicht die Assoziation mit richtig und falsch auftritt.F86 Entsprechend dem tatsächlichen Übungsweg werden die acht Schritte in veränderter Reihenfolge meist in drei Gruppen aufgeteilt:
Zur Sittlichkeit zählen:
Die fünf Gebote sind eine Umsetzung der drei Schritte der Sittlichkeit des achtfachen Pfades. Sie legen die ethischen Richtlinien dar, die im Buddhismus das Verhalten von Mönchen, Nonnen und Laien bestimmen und deren Befolgung die Voraussetzung für jeden Fortschritt auf dem Weg zum Erwachen ist:
Meditation ist eine Methode geistiger Disziplinierung, die immer das Element der Konzentration und der Versenkung, das Ruhigwerden, einschließt.F89 Man kann zwei grundlegende Stile unterscheiden, die Vipassana- oder Einsichtsmeditation, die analytische Techniken und Meditationsobjekte einsetzt, und die Samatha- oder Beruhigungsmeditation, bei der ein Zustand gesammelter, inhaltsloser Wachheit geübt wird. Beide bewirken zunehmende innere Ruhe und steigende Achtsamkeit und führen letztlich zur eigenen Erfahrung der Nicht-Dualität der Wirklichkeit, d.h., daß das Selbst keine losgelöste Entität ist, nicht abgetrennt ist von allem anderen:F90
Zum Abschluß des Überblicks über den Buddhismus im allgemeinen, drei Zitate, die das Wesen dieser Lehre noch einmal zusammenfassend verdeutlichen und einzuordnen versuchen:
Buddha wollte nicht philosophieren um einer neuen Theorie willen. Er wollte einen begehbaren Weg weisen.F94
Es ist oft die Frage aufgeworfen worden, ob der Buddhismus eine Religion, eine Philosophie, ein psychologisches System oder eine reine Morallehre sei. Die Antwort hierauf ließe sich etwa folgendermaßen formulieren: als Erlebnis und Weg der praktischen Verwirklichung ist der Buddhismus eine Religion; als gedankliche Formulierung dieses Erlebens ist er Philosophie; als Resultat systematischer Selbstbeobachtung ist er Psychologie; und aus diesem allem ergibt sich eine Norm des Verhaltens, die wir innerlich als Ethik, von außen gesehen als Moral bezeichnen.
Hierdurch wird es klar, daß Moral nicht der Ausgangspunkt, sondern die Folge einer Weltanschauung oder eines religiösen Erlebens sein muß. Darum beginnt der «achtfache Pfad» des Buddha nicht mit rechter Rede, rechtem Tun und rechter Lebensweise, sondern mit rechter Erkenntnis, d.h. mit der unvoreingenommenen Einsicht in die Natur des Daseins und der Dinge und der sich daraus ergebenden Zielsetzung.F95
4. Versuch einer ökologischen Interpretation des Buddhismus - Der aktuelle Stand
Den Beginn einer ökologischen Bewußtheit in den Religionen sieht Beyer ebenso wie den Anfang der meisten sozialen Bewegungen, in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts. Es waren vor allem liberale, christliche Zirkel, die sich damit beschäftigten.F96 Besonderen Einfluß hatte dabei ein Artikel von Lynn White, Jr., der die jüdisch-christliche Tradition des Abendlandes für den Zustand der Umwelt verantwortlich machte. Er bezieht sich dabei vor allem auf den Auftrag der Genesis, zu herrschen und sich die Erde untertan zu machen:
Harris legt White’s Ansinnen dagegen dahingehend aus, daß er letztlich doch für eine östliche Ausrichtung votierte und damit durchaus die amerikanischen Buddhisten wie Snyder, aber auch andere am Thema Interessierte, beeinflußte.F102 Von Bedeutung ist für Harris ebenfalls, daß die liberal christlichen Kreise, die die Umweltdiskussion innerhalb des Christentums begannen, auch diejenigen waren, die sich für einen interreligiösen Dialog einsetzten. Das Thema Umwelt lag bei solch einem Gedankenaustausch deshalb geradezu auf der Hand. Aus diesem Grund hinterfragt er, wie sehr das Thema ‘Umwelt’ überhaupt erst durch das Christentum in den Buddhismus hineingetragen wurde, ihn eventuell geradezu moralisch zwang, sich mit einem ihm eige