Ökologische Verantwortung -
Ein Dialog mit dem Buddhismus

Internationale Konferenz 1993 in New Delhi


Anfang Oktober 1993 fand in New Delhi, Indien eine internationale Konferenz statt unter dem Titel: Ökologische Verantwortung - ein Dialog mit dem Buddhismus'. Dazu eingeladen hatte S.H. der Dalai Lama, durchgeführt wurde sie vom Beauftragten des Dalai Lama, Doboom Tulku Rinpoche, dem Leiter des Tibet House, einem Kulturzentrum der tibetischen Exilregierung.

Zahlreiche Teilnehmer aus der ganzen Welt waren zusammengekommen: Wissenschaftler wie der Ökonom Prof. Stanislav Menshikov aus Rotterdam, Prof. Lambert Schmithausen aus Hamburg oder die Sprecherin der weltweiten buddhistischen Frauenbewegung Prof. Chatsumarn Kabilsingh aus Bangkok, Umweltengagierte, wie der bekannte 'Vater des Regenwalds' und zeitweilige Umweltminister Brasiliens Jose Lutzenberger, der englische Grünenabgeordnete und Vipassanalehrer Christopher Titmuss, Künstler, Angehörige verschiedener Weltreligionen, Mönche, Nonnen und Vertreter aller großen Traditionen des Buddhismus, höchste Repräsentanten der vier Schulen des tibetischen Buddhismus, u. a. Sakya Trizin (Sakya-Linie), Mindroling Choeje (Nyingma-Linie) sowie das Oberhaupt des mongolischen Buddhismus Khambo Lama.

Die Konferenz war verbunden mit der Einweihung einer großen öffentlichen Buddhastatue in einem Park Delhis, einem Geschenk der ExilTibeter an das indische Volk. Im einleitenden Gebet zur Eröffnung der Konferenz erinnerte S.H. der Dalai Lama an die mitweltschonende Grundhaltung und Achtsamkeit des Shakyamuni Buddha vor 2500 Jahren:

Unter einem Baum wurde der große Weise Buddha geboren, unter einem Baum überwand er Leidenschaft und erlangte er Erleuchtung; unter zwei Bäumen verschied er ins Nirvana - wahrlich, der Buddha zollte den Bäumen große Achtung.

Gedeihende Bäume reinigen den Wind, helfen uns, die erhaltende Luft des Lebens zu atmen, sie erfreuen das Auge und besänftigen den Geist, ihr Schatten bietet einen einladenden Ruheplatz.

Im Vinaya lehrte der Buddha die Mönche, sich um die zarten Bäume zu kümmern. Daraus lernen wir die Tugend des Pflanzens und Aufziehens von Bäumen.

Der Buddha verbot den Mönchen, lebende Pflanzen zu schneiden oder andere zu veranlassen, dies zu tun, Samen zu zerstören oder das frische grüne Gras zu verschandeln. Sollte uns dies nicht anspornen, unsere Umwelt zu lieben und zu schützen?

Im Baum liegt die Wurzel allen Lebens auf der Erde. Wenn er verschwindet, wird das Land, das den Namen des Jambu-Baums trägt, nicht mehr sein als eine öde, trostlose Wüste.

Nichts ist den Lebenden teurer als das Leben. Dies erkennend, sprach der Buddha in den Vinaya-Regeln Beschränkungen aus, so das Verbot, Wasser voller Lebewesen zu benutzen.

Aus Achtung gegenüber der Natur gegenseitiger Abhängigkeit aller Wesen, der beseelten und unbeseelten, sollte man nicht müde werden, sich um die Erhaltung und Bewahrung der Energie der Natur zu bemühen.

Wie ein edles Wesen die Güte einer fühlenden Mutter erkennt und sie ihr vergilt, so sollten wir der Erde, der allumfassenden Mutter, die alle ohne Unterschied nährt, voller Zuneigung und Sorge Achtung erweisen.

Möge die Kraft des Befolgens des Rechten und Unterlassens von falschen Praktiken und üblen Taten das Glück und den Wohlstand der Welt nähren und vermehren. Möge sie die Lebewesen stärken und mögen diese durch ihre Hilfe aufblühen. Mögen immense Freude und ungetrübtes Glück stets wachsen, sich mehr und mehr ausbreiten und alles umfassen, was da ist.


Der Dalai Lama rief alle Mönche und Nonnen, alle Schüler des Buddha und alle Menschen dazu auf:

An einem bestimmten Tag des Jahres sollte man die Zeremonie des Bäumepflanzens abhalten, die nicht nur einem selbst Glück bringt, sondern allen Wesen von Nutzen ist.

Doboom Tulku Rinpoche, der Direktor des Tibet-House, schlug als Datum für diesen 'Tag des Bäumepflanzens' den 6. Juli, den Geburtstag des Dalai Lama vor, da dieser selbst an jenem Tag jährlich einen Baum pflanzt.



Für ökologische Verantwortlichkeit

Ein Aufruf zur Beteiligung


Wir Teilnehmer an der Internationalen Konferenz über "Ökologische Verantwortung - ein Dialog mit dem Buddhismus", durchgeführt am 2. bis 4. Oktober 1993 in New Delhi, rufen zu folgendem auf:


Wir appellieren an Menschen jeglicher Religionen:


Wir appellieren an alle Regierungen


Wir appellieren an die Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO's), Bildungseinrichtungen und Medien

Wir Teilnehmer dieser Konferenz verpflichten uns unsererseits als Mitglieder verschiedener religiöser Gemeinschaften, als Bürger verschiedener Staaten und als Partner in solchen Aktivitäten, ökologisch verantwortliches Handeln zu fördern.

(Übersetzung aus dem Englischen von Irene Eckert)





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