MON - Die vergessenen Flüchtlinge in Thailand

Hans-Günter Wagner


Das Volk der Mon ist die Urbevölkerung im heutigen Kernland von Thailand, im Gebiet von Bangkok in Richtung burmesische Grenze (Kanchanaburi Provinz) sowie im benachbarten burmesischen Bergland und im Kerngebiet des heutigen Burma mit seiner Hauptstadt Rangoon. Die Mon waren einst Träger einer frühen und hochentwickelten buddhistischen Kultur und pflegen auch heute noch eine lebendige buddhistische Tradition. Doch wurden sie in den vergangenen Jahrhunderten von anderen, aus Norden eindringenen Völkern immer mehr verdrängt und stellen heute sowohl in Thailand wie in Burma eine stark benachteiligte ethnische Minderheit dar. Die Mon in Burma führen darum seit Jahrzehnten zusammen mit zahlreichen anderen ethnischen Minderheiten einen Kampf um ihre Unabhängigkeit und eigenständige Entwicklung. Diese Bestrebungen werden von der seit Jahrzehnten in Burma herrschenden Militärjunta mit einem systematischen Vernichtungsfeldzug beantwortet.

Seit burmesische Truppen im Februar 1990 das Hauptquartier der Mon-Widerstandsbewegung am Drei-Pagoden-Paß stürmten, die Dörfer der Einheimischen niederbrannten, Frauen vergewaltigten und Männer zur Zwangsarbeit preßten, sind Leid und Elend der Mon-Bevölkerung im thailändisch-burmesischen Grenzgebiet nicht abgerissen. Von den anfangs 12.000 Flüchtlingen haben die thailändischen Behörden - ungeachtet internationaler Proteste - seit Anfang 1994 über 5.000 Menschen in das Halockhani-Camp auf burmesischer Grenzseite zwangsverfrachtet, wo sie seither in ständiger Angst vor neuen Übergriffen der burmesischen Armee und marodierender Räuberbanden leben. Derzeit leben noch etwa 7.000 Flüchtlinge in sechs armseligen Lagern auf thailändischer Seite.


Wirtschaftsinteressen

Den thailändischen Behörden sind die Mon-Flüchtlinge schon seit ihrer Ankunft ein Dorn im Auge. Waren die Guerillagebiete im Grenzgebiet einst ein willkommener Puffer zum verfeindeten Burma, so ist mit dem Ende des bewaffneten Widerstandes die thailändische Regierung vor allem aus wirtschaftlichen Interessen an guten Beziehungen zur seit 1988 herrschenden burmesischen Militärjunta SLORC (State Law and Order Restoration Council) interessiert. Von besonderem Interesse ist dabei eine derzeit im Bau befindliche, hunderte von Kilometern lange Gaspipeline, mit der burmesisches Gas durch die thailändische Provinz Kanchanaburi zum Ratchaburi-Kraftwerk transportiert werden soll. Zum Pipelinebau werden auf burmesischer Seite in großem Umfang Zwangsarbeiter eingesetzt, die selbst ihre Verpflegung noch von zu Hause mitbringen müssen. Die örtlichen Armeekommandeure fordern pro Haushalt die Entsendung einer Arbeitskraft; ist kein männliches Haushaltsmitglied verfügbar, müssen auch die Frauen zum Arbeitseinsatz. Das Pipeline-Projekt, an dem Mannesmann maßgeblich beteiligt ist, führt auch durch große Strecken von Regenwald, wofür Schneisen von 15 Metern Breite geschlagen werden müssen.


Rückkehrdruck

Thailändische Behörden drängen die Mon-Flüchtlige zur baldigen Rückkehr nach Burma, obwohl ihr Leben dort massiv gefährdet ist. Die Flüchtlinge - in ihrer überwältigenden Mehrzahl Zivilisten - die aus nackter Angst um ihr Leben flohen, werden in der Presse und offiziellen Erklärungen als "Angehörige von Guerillas" denunziert. Gleichzeitig werden Versprechungen burmesischer Armeeführer, den Rückkehrenden würde "kein Haar gekrümmt" als sichere Rückkehrgarantien verkauft. Anfang des Jahres wurden die Nahrungsrationen für die Flüchlingslager, die ohnehin nur aus Reis, Krabbenpaste, Salz und öl bestehen, weiter gekürzt. Gegenwärtig mangelt es der Mon-Flüchtlingsorganisation MNRC (Mon National Relief Committee) vor allem an Fahrzeugen, um Nahrungsmittel zu den Lagern zu schaffen, bevor mit dem Einsetzen der Regenzeit die Wege unpassierbar werden.


Armeeterror in Burma

Im Burma geht derweil der Terror gegen die verbliebene Mon-Bevölkerung weiter. Anfang Februar wurden in den Gebieten der Mon- und Karen-Minderheit die Bewohner von fünf Dörfern zur Zwangsarbeit an der Ye-Tavoy-Eisenbahnline sowie zum Tramsport von Nachschub für das Militär abkommandiert. Nach dem Waffenstillstands-Abkommen mit der einst herrschenden Guerillabewegung machte sich eine organisierte Banditengruppe immer mehr breit. Unter dem Vorwand, sie seien Unterstützer der Banditengruppe, rückten Armeeinheiten im Frühjahr in den Ort Mao Taw in Südburma ein und trieben die Bevölkerung aus ihren Häusern. Männer, Frauen und Kinder wurden arrestiert und verhört. Wer Kontakte zu den Banditen bestritt, wurde verprügelt. Selbst der Bürgermeister wurde so stark geschlagen, daß er aus mehreren Wunden blutete. Am Ende machten sich Soldaten über das Eigentum der Dorfbevölkerung her und brannten das Reisvorratslager des Ortes nieder.


Freiheit und Selbstbestimmung für die Mon!

Solange die burmesische Soldateska das Land regiert, können die Flüchtlinge ohne Gefahr für Leib und Leben nicht zurückkehren. Langfristig können die Widersprüche in Burma ohne Anerkennung der Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte für die Minderheiten nicht gelöst werden. Die Mon, die ethnisch und linguistisch den kambodschanischen Khmer verwandt sind, waren die ersten Einwohner Burmas und behielten stets ihre eigene Sprache und kulturelle Identität. Bis zur Zerstörung der Mon-Hauptstadt Hongsawadi durch burmesische Truppen im Jahre 1757 war das Königreich der Mon ein Zentrum buddhistischen Lebens und buddhistischer Kultur, dessen Einfluß weit in den südostasiatischen Raum hineinreichte. "Wir brachten den Buddhismus nach Südostasien, denn wir waren hier als erste der Schrift kundig. Die Thais und Burmesen waren unsere Schüler. Wie behandeln sie ihre Lehrer heute?" heißt es in einer Veröffentlichung der Overseas Mon Young Monks Union.

Wer die Mon-Flüchtlinge unterstützen will, kann auf das Konto des Mon National Relief Committee spenden: Nai Monchai Sinihong, Kto.Nr. 679-2-04140-7, The Siam Commercial Bank - Sangkhlaburi Branch - Kanchanaburi Province 71240, Thailand.

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