Mehr als 110 Millionen Landminen liegen in früheren Kriegsgebieten, Sprengkörper, die durch das Gewicht eines Kindes zur Detonation gebracht werden können. 20 000 Menschen werden jährlich durch Minen getötet, Zehntausende verstümmelt. Vor diesem Hintergrund und angesichts der schleppenden Abrüstungsverhandlungen in Genf trafen sich im Oktober 1996 in Ottawa die Vertreter von etwa 50 Staaten, um darüber zu sprechen, wie der Prozeß beschleunigt werden kann. Ein Vertragsentwurf Österreichs wurde zur Grundlage der Beratungen, die durch eine Initiative des kanadischen Außenministers Lloyd Axworthy zum "Ottawa-Prozeß" werden sollten: Er rief dazu auf, innerhalb eines Jahres eine Konvention auszuarbeiten und diese Ende 1997 in Ottawa zu unterzeichnen. Konferenzen in Wien, Bonn und Brüssel führten zur entscheidenden Vertragsverhandlung im September in Oslo. Dort wurde der Vertrag ausgearbeitet.
"Entschlossen, den durch Antipersonen-Minen verursachten Leiden und Verletzungen ein Ende zu bereiten" - so heißt es in der Präambel -, werden die Regierungsvertreter, darunter Bundesaußenminister Klaus Kinkel, den Vertrag unterzeichnen. Verboten werden Produktion, Lagerung, Einsatz und Weitergabe von Antipersonen-Minen. Nicht erfaßt sind Minen, die gegen Fahrzeuge, insbesondere Panzer eingesetzt werden. Der Vertrag tritt in Kraft, wenn ihn 40 Staaten ratifiziert haben. Die Vertragsstaaten verpflichten sich, bis spätestens vier Jahre nach Inkrafttreten der Konvention ihre Minenbestände zu zerstören. Die Räumung minenverseuchter Gebiete soll innerhalb von zehn Jahren erfolgen. Länder, die sich hierzu nicht in der Lage sehen, können andere Vertragsstaaten um Hilfe bitten und in begründeten Ausnahmefällen eine Fristverlängerung beantragen. Hierüber muß die Vertragsstaatenkonferenz entscheiden.
Beim UN-Generalsekretär hinterlegen die Teilnehmerstaaten einen Bericht über ihren Minenbestand, den Umfang der verminten Fläche sowie über ihre Aktivitäten gegen Minen. Die Konvention enthält Regelungen für den Fall, daß ein Land die Vertragstreue eines anderen bezweifelt.
Zu den Ländern, die die Konvention nicht unterzeichnen, gehören die USA und China. Die USA signieren nicht, weil die Osloer Konferenz die von den USA gewünschten Ausnahmeregelungen für den Einsatz von Minen an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea ablehnt.
Mit der Vertragsunterzeichnung stehen viele Länder erst am Beginn eines mehrjährigen, teuren Minenräumprogrammes. Insbesondere die reichen Industriestaaten sind gefordert, internationale Programme aufzulegen, die nicht nur die Beseitigung von Minen, sondern auch Hilfen für ihre Opfer umfassen. Konferenz-Gastgeber Kanada will dies in einem "Ottawa-Prozeß II" vorantreiben.
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