Das MAITRI-Projekt in Bodh Gaya

Eine tibetische Lepra-Klinik


Bodh Gaya ist der heiligste Ort des Buddhismus, hier erfuhr vor 2500 Jahren der einstige Prinz und Asket Siddharta Gautama, unter einem Pipalbaum sitzend, das "Grosse Erwachen" (bodhi). Jener Baum - der Bodhi-Baum - steht noch heute, daneben die große Mahabodhi-Stupa. Wer sie und die anderen nahegelegenen Tempel und Klöster aus allen Regionen Asiens besucht hat, ob als Buddhist oder Tourist, der wird sich gerne an die friedliche und freundliche Atmosphäre erinnern, die in und um die Tempel herrscht. Doch wie fast überall in Indien begegnen sich auch hier die extremen Gegensätze. Sobald man die Mahabodhi-Tempelanlage verläßt, erblickt man von Lepra verstümmelte Bettler. Frauen und Kinder strecken dem Besucher ihre leeren Hände entgegen. Der Pfad Buddhas, der zur Befreiung vom Leiden führt, und das konkrete Leiden, das eigene und das der Mitmenschen, treffen hier aufeinander. Doch ist Bodh Gaya nicht nur ein Ort der Begegnung der Gegensätze, sondern auch ihrer Überwindung. Jener zum Buddha gewordene Wahrheitssucher hatte nicht nur die universale Existenz des Leidens gelehrt, sondern auch die Möglichkeit und den Weg ihrer Überwindung - durch Einsicht und Mitgefühl. Bodh Gaya ist ein Ort solcher Praxis und ein Beispiel dafür ist das MAITRI-Projekt.

Maitri, ein Sanskrit-Begriff, bedeutet "gleiche Liebe zu allen Wesen" (In Pali: Metta). Das MAITRI-Projekt wurde vom tibetischen Lama Thupten Zopa Rinpoche und der FPMT-Gemeinschaft gegründet, um die Lehre, das Mitgefühl und die liebende Güte Buddhas denjenigen zukommen zu lassen, die aufgrund ihrer Lepra-Krankheit physisch und psychisch schweres Leid zu ertragen haben. Im Juli 1989 begann die als erste Einrichtung erbaute Klinik in Bodh Gaya mit ihrer Arbeit, Menschen, die an Lepra erkrankt sind, von dieser Krankheit zu heilen. Leiterin der Klinik ist die in grossartiger Selbstlosigkeit und Verantwortlichkeit wirkende italienische buddhistische Ärztin Adriani Ferranti. Die FPMT - Foundation for the Preservation of the Mahayana Tradition (Stiftung zur Bewahrung der Mahayana-Tradition), eine Gemeinschaft des tibetischen Buddhismus, wurde 1975 von Lama Thubten Yeshe und Lama Thupten Zopa Rinpoche gegründet und hat nun über 60 verschiedene Zentren in 17 Ländern (u.a. auch in Deutschland).

Lepra bedeutet Aussatz. Das typische Krankheitsbild von Beulen, Knoten, Hautflecken, über hohe Schmerzempfindlichkeit, Erlöschen der Nervenempfindungen, Abfallen von Gliedmaßen und Gewebeteilen bis hin zur Verstümmelung ist noch nicht alles, was der Betroffene zu erleiden hat. Der Lepra-Kranke wird aus der Gemeinschaft ausgestoßen, isoliert und mit seinem Elend allein gelassen.

Lepra ist innerhalb von 6-24 Monaten heilbar. Da Lepra-Kranke befürchten müssen, aus der Gesellschaft ausgestoßen zu werden, versuchen sie jedoch die ersten Anzeichen ihrer Krankheit zu verbergen. Hinzu kommt, daß die ärztliche Versorgung trotz der hohen Indikationsrate in Indien sehr schlecht ist. Bihar gehört zu den bevölkerungsreichsten und ärmsten Bundesstaaten Indiens. Darum beschränkt sich die Arbeit MAITRI´s nicht auf die kostenlose Behandlung selbst, sondern wird durch systematische Gesundheitskontrolle und Erziehung in Schulen und Fabriken ergänzt. Des weiteren werden Familien von Haus zu Haus durch geschulte Mitarbeiter nach Lepra untersucht. In insgesamt 14 mobilen Straßenkliniken, die meistens im Freien unter einem Baum ihre Arbeit verrichten, werden die Patienten untersucht, behandelt und registriert. MAITRI orientiert sich an den Richtlinien des National Leprosy Eradication Program of India und hat bisher 1162 Lepra-Kranke registriert, von denen 581 durch die "Multidrug Therapy" bereits aus der Behandlung entlassen wurden und nun in regelmäßigen Kontrollen auf Rückfälle untersucht werden. Diese Kontrolluntersuchungen erfolgen bis zu 5 Jahren nach Behandlungsende.

Nachdem sich das MAITRI-Projekt etabliert hat und bereits gute Erfolge aufweist, wurde mit dem Aufbau eines Zentrums begonnen, um weitere Projekte ausführen zu können. Für das Zentrum werden derzeit unter anderem eine Tagesklinik, ein Gebäude für Rehabilitations-Workshops, ein Verwaltungsgebäude, Unterkünfte für Patienten und Mitarbeiter und ein Tempel gebaut. Zu den weiteren geplanten Projekten gehört unter anderem die Entwicklung eines alternativen Medizinprogramms in Zusammenarbeit mit dem Institut für tibetische Medizin (Tibetan Medical Institute) in Dharamsala. Dieses Projekt kam durch die aktive Unterstützung S.H. des Dalai Lama zustande. In den letzten Jahren wurde auch mit der Behandlung von Tuberkulose-Patienten begonnen.

MAITRI wird durch karitative Wohlfahrtsverbände, FPMT und Spenden finanziert. Die Kosten für die 2-jährige Behandlung eines Patienten betragen ca. 115 US$ (einschließlich der Medikamente, Personal- und Verwaltungskosten).

Wer das Projekt finanziell mitunterstützen möchte, sende am besten einen Scheck (in DM) an:

FPMT Central Office
P.O. Box 1778
Soquel, CA 95073
USA

Auf dem Scheck sollte der Vermerk sein, daß die Spende für MAITRI bestimmt ist. (Bitte keine Schecks oder Bargeld an MAITRI direkt senden, diese können auf dem Postweg allzu leicht "verschwinden".) Das Netzwerk wird in nächster Zeit auch ein deutsches Spendenkonto für das Maitri-Projekt einrichten.

Wer das Projekt anderweitig aktiv unterstützen möchte oder weitere Informationen wünscht, sollte sich mit der Direktorin Frau Adriana Ferranti (oder dem Netzwerk) in Verbindung setzen. Die Adresse ist:

MAITRI Leprosy Prevention
Treatment & Rehabilitation Centre
Adriani Ferranti
P.O. Bodh Gaya
Distr. Gaya, Bihar 824 231
INDIEN

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