Der Maitreya Fond e.V.

Den Weg des Verstehens und der Liebe gehen

Eindrücke von einer Reise durch Vietnam vom 8. bis 22. März 1997


Maitri Renate Bauer und Priti Hansheinrich Michel

Wir besuchten während dieser zwei Wochen die vom Maitreya Fonds unterstützten Projekte in Nord- und Zentralvietnam. Das umfangreiche Reiseprogramm begann in Hanoi, im Norden Vietnams. Am Flughafen holten wir nach unserer dreiwöchigen Tour durch das Land Amoghavajra Karl Schmied ab, den wir auf seiner dritten Informationsreise zu den verschiedenen Hilfsprojekten begleiteten. Zugleich trafen wir auch unsere deutschsprachige, vietnamesische Dolmetscherin, Frau Mong Ha, die mit Amoghavajra seit vier Jahren befreundet ist und sein volles Vertrauen genießt. Ohne ihr unermüdliches Engagement, die stundenlangen anstrengenden Übersetzungen, wäre eine Verständigung mit der Bevölkerung und den offiziellen Vertretern der Dörfer und Gemeinden nicht möglich gewesen.

Vorbei an endlosen grünen Reisfeldern mit hart arbeitenden Bauern ging unsere erste Fahrt nach Soc Son. Begleitet wurden wir von Sister Hanh Chau, die in einer der wunderschönen Klosteranlagen in der Nähe von Hanoi lebt. Mit einem Kleinbus fuhren wir über unbefestigte Straßen und staubige Pisten zu einigen Kindergärten und Schulen ca. 30 km nördlich der Hauptstadt Vietnams. In dunklen Klassenzimmern mit einfachen Holztischen und Stühlen beäugten uns neugierige, große, braune Kinderaugen. Es gab keine Beleuchtung im Klassenzimmer, nur durch ein offenes Fenster drang etwas Tageslicht in den Raum ein. Die defekte Tafel an der Wand und die wenigen Schulbücher und Hefte waren nicht zu übersehen . Zur Begrüßung wurden für uns Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen. Die Lehrer und Lehrerinnen berichteten von ihrer oft mühevollen Arbeit. Da die staatliche Entlohnung nur äußerst gering ausfällt (60 kg Reis pro Halbjahr und meist kein Bargeld) und damit die eigene Familie kaum ernährt werden kann, ist es sehr wichtig, daß die Lehrkräfte zusätzlich vom Maitreya Fonds eine monatliche Unterstützung erhalten. Oft verdient ein Arbeiter in der Stadt mehr als ein Lehrer auf dem Lande und somit besteht die Gefahr, daß die Lehrkräfte nicht mehr dort unterrichten wollen und in die Städte abwandern.

In den Kindergärten und Vorschulen wurden wir ebenfalls sehr neugierig und herzlich begrüßt. Die Kleinen führten Tänze auf und freuten sich über einige mitgebrachte Süßigkeiten. Hier erhalten die Kinder dank der Unterstützung des Maitreya Fonds täglich eine warme Mahlzeit und können ganztags betreut werden. Dadurch ist es den Eltern möglich, ihrer Arbeit auf den Reisfeldern nachzugehen. Den Kindern werden einige Grundkenntnisse vermittelt, damit Ihnen später ein leichterer Einstieg in eine staatliche, schulgeldpflichtige Schule ermöglicht wird.

Nach einem kurzen Flug mit der Vietnam Air erreichten wir Hue in Zentralvietnam. Hier liegen die ärmsten Provinzen Thua Thien und Quang Tri, in denen die Narben der vergangenen Kriege noch deutlich zu sehen sind. In diesem Gebiet gibt es heute noch unfruchtbare Landstriche und Minenfelder, die immer wieder Bauern bei ihrer Feldarbeit bedrohen. Zentralvietnam, das zu 90% von Landwirtschaft und Fischerei lebt, erhält vom Staat am wenigsten Unterstützung, deshalb ist auch keine Infrastruktur vorhanden. Oft werden diese Provinzen von Naturkatastrophen heimgesucht, was zusätzliches Leid bringt. Darum hat gerade hier der Maitreya Fonds seine Aktivitäten verstärkt eingesetzt. In unserem kleinen, recht bescheidenen Hotel findet eine herzliche Begrüßung mit einigen Nonnen und Sozialarbeitern statt, die Amoghavajra bereits von seinen beiden letzten Besuchen in Vietnam kennen. Wir spüren, daß eine tiefe Freundschaft entstanden ist und erleben eine unglaublich liebevolle Hilfsbereitschaft bei der Durchführung unserer Wünsche. Hier beginnt die Hauptaufgabe unserer Reise.

Von früh morgens bis spät abends, durchgerüttelt in einem vom Kloster zur Verfügung gestellten Kleinbus, auf namenlosen, unbeschilderten Straßen und rotbraunen, staubigen Pisten, besuchen wir die nächsten Projekte. Auf unserem Programm stehen Kindergärten, Schulen, Waisenhäuser, Altenheime und Leprastationen sowie Ausbildungsstätten für jugendliche Holzschnitzer und Stickerinnen. Da es in Vietnam keine Sozial-, Renten- und Krankenversicherungen gibt, ist die Bevölkerung auf den Zusammenhalt und die Mithilfe der Großfamilie angewiesen. Fehlt dies, sind es gerade die alten und behinderten Menschen, die sehr unter dieser Belastung zu leiden haben. Ohne Einkommen und mit körperlichen Gebrechen kann hier ein alter Mensch nicht überleben. Er vegetiert geradezu dahin. Auch hier liegt eine der Hauptaufgaben des Maitreya Fonds. Mit seiner Unterstützung ist es möglich, Altenheime zu bauen und alten Menschen ohne Angehörige ein Zuhause zu geben.

Zusammen mit Schwester Nhu Minh besuchten wir das durch sie betreute Altenheim in dem wir sehr friedvolle und glückliche alte Menschen vorfanden. Ihre faltigen Gesichter zeigten tiefe Dankbarkeit. Wir drückten einander die Hände, lächelten uns zu und verstanden uns auch ohne Worte. Dank des Maitreya Fonds können wir hier im Raum Hue einhundertzwanzig alten Menschen ein menschenwürdiges Zuhause geben. Tief bewegt hat uns auch der Besuch eines Waisenhauses, das vorbildlich von Schwester Nu Minh Tu geleitet wird. Vom Säuglingsalter bis zum 16. Lebensjahr ist es den Schwestern und ihren überaus engagierten Helferinnen möglich, die Waisenkinder zu betreuen.

Auch hier blicken uns hoffnungsvolle und scheue Kinderaugen an. Auf Bastmatten sitzend und ohne Spielsachen empfangen die Kleinsten liebevolle Zuwendung der Betreuerinnen. Nachts schlafen sie bei den Kindern und bleiben immer in ihrer Nähe. Das Haus hat auch einige Schulklassen, in denen die Kinder unterrichtet werden. Beim Kochen dürfen sie ebenfalls mithelfen und nach der Schule erlernen sie Sticken und Nähen. Ältere Schüler haben die Möglichkeit, dank der finanziellen Unterstützung des Maitreya Fonds ein Handwerk wie Holzschnitzer, Tischler oder Nähen zu erlernen. Ziel ist es, daß die Kinder später mit diesen Kenntnissen eine Arbeit finden und Ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können.

Auf unserer weiteren Reise besuchten wir eine abgelegene Leprastation südlich des "Wolkenpasses". Begleitet wurden wir erneut von den Nonnen Nhu Minh und Minh Tu, sowie von Sozialarbeitern, die ebenfalls der Gemeinschaft von Thich Nhat Hanh angehören. Hier leben ca. zweihundertsechzig Personen, kranke Menschen mit ihren Familien in ärmlichen Hutten aus Lehm und Wellblech. Strohgedeckte Dacher fallen uns auf und im Innern der Behausungen gibt es nur das Nötigste. Die alten, vierundvierzig gemauerten Hütten in diesem Dorf sind inzwischen ebenfalls renovierungsbedürftig. Sanitäre Einrichtungen gibt es nicht. Arbeitsfähige Kranke und Angehörige bestellen kleine Felder in der Umgebung und können somit zur Versorgung der Station mit Obst und Gemüse beitragen.

Ein junger Arzt, für zwei Jahre vom Staat zwangsverpflichtet, pflegt notdürftig die Kranken. Uns fällt ein kleiner Medizinschrank auf, der für das gesammte Dorf ausreichen muß. Eine Telefonverbindung für den Arzt oder den Lagerleiter wäre dringend nötig, konnte aber leider bisher nicht finanziert werden. Die geringen zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel werden fur die Ernährung und die medizinische Versorgung der Leprakranken im Dorf verwendet. Gera- de hier wäre eine Unterstützung vom Maitreya Fonds sehr hilfreich und wünschenswert.

Wir besuchen die Krankenstation des Dorfes und überreichen den Schwerstkranken eine kleine Geldspende. Hilfe- suchend zeigen uns die Menschen ihre verstümmelten, abgefaulten Gliedmaßen. Ihre entstellten Gesichter zeugen von viel Schmerz und Leid. Trotzdem war die Freude und Dankbarkeit über unseren Besuch nicht übersehbar. Wir verließen das Dorf mit dem festen Entschluß, alle Anstrengungen zu unternehmen, mit Hilfe unserer Spender auch hier noch bessere und umfangreichere Hilfe zu leisten.

Bei all unseren Begegnungen, ob mit den Schwestern, Sozialarbeitern, Gemeindevertretern, Lehrern und sonstigen Helfern wurde immer der tiefe Dank für die geleistete Hilfe durch den Maitreya Fonds hervorgehoben. Liebevolle Dankschreiben der Bevölkerung wurden uns überreicht. Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, daß es noch viel zu tun gibt und wünschen uns, daß wir gemeinsam mit unseren deutschen Freunden und Spendern unser Engagement in Vietnam verstärken konnen.

Erwähnt sei noch die unerschöpfliche Energie und liebende Güte der Nonnen. Ihre ständige Präsenz und stets gegenwärtige Achtsamkeit hat uns tief ergriffen. Ihre rührende Sorge um unser leibliches und geistiges Wohlbefinden, die köstlichen Bewirtungen und langen Gespräche in ihren Klöstern, ließen uns immer wieder die Anstrengungen des Tages vergessen und neue Energie schöpfen. Meditationen in den wunderschönen Klosteranlagen in Stunden, in denen Stille eingekehrt war, nur manchmal unterbrochen vom Klang der Glocke oder einer Rezitation, werden uns unvergeßlich bleiben. Die liebevoll gepflegten Klostergärten luden uns zur Besinnung und Gehmeditation ein und gaben uns die nötige Kraft für unsere nächsten Aufgaben.

Sehr eindrucksvoll war für uns bei den Besuchen in der Pagode Thu Hieu, dem Stammkloster von Thay Nhat Hanh, und in den verschiedenen Nonnenklöstern, wie sehr die hilfreiche Tätigkeit und das persönliche Engagement von Karl (den alle vietnamesischen Freunde als Chan Phap Nhan, seinen Ordensnamen kennen), geschätzt wird und wieviel Vertrauen und liebevolle Zuwendung ihm, von den Freunden, mit denen wir zusammenarbeiten, entgegengebracht wird. Mit dem folgenden Zitat einer Schwester mochten wir den Bericht beenden: "Wir sind die Körper, aber ihr seid die Blutspender".

Bitte helfen Sie uns, damit wir mit unserer Arbeit fortfahren können. Jeder Betrag ist willkommen.


Die Anschrift des Maitreya Fond:

Maitreya-Fonds
Petra Püschel-Holzschuher
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[Stand: Mai 2004/ August 1997]