Ein Sommer voller Angst und Verzweifelung

Burmesische Flüchtlinge in thailandisch-burmesischen Grenzgebiet


Hans-Günter Wagner

Mit dem Beginn der großen Militäroffensive burmesischer Truppen gegen die bewaffneten Guerillabewegungen der nationalen Minderheiten haben seit Anfang dieses Jahres nun auch immer mehr Angehörige der Karen Volksgruppe im thailändischen Grenzgebiet Zuflucht gesucht. Das vom Mon National Committee unterhaltene Halockani-Flüchtlingslager der Mon-Volksgruppe hat daher seine Tore im Sommer auch für Karen-Flüchtlinge geöffnet und Versorgungsgüter zur Verfügung gestellt. Drei weitere Karen-Flüchtlingslager wurden in der Nähe des Halockhani-Lager eingerichtetet. Einige weitere Karen-Flüchtlingslager wurden zwischenzeitlich jedoch auf Anordnung der thailändischen Behörden auf die burmesische Grenzseite verlegt, wo das Leben der Flüchtlinge großen Gefahren ausgesetzt ist.

Seit der Vertreibung der Karen-Guerillabewegung KNU aus großen Teilen des Grenzgebietes herrscht brutaler Terror durch burmesisches Militär. Kommt burmesisches Militär in die Dörfer, so werden zunächst sämtlicher Nahrungsmittel (einschließlich Reis) beschlagnahmt und durch das Militär verwaltet. Nahrungsmittel erhält nun nur noch, wer sich zur Zwangsarbeit pressen lässt, wobei Frauen und Kinder keine Ausnahme bilden. Ein Großteil der Zwangsarbeit besteht aus dem Bau von Kasernen und militärischen Einrichtungen, aus Munitionstransporten und sonstigen Tätigkeiten zum Aufbau einer militärischen Infrastruktur. Wer sich widersetzt, landet sofort im Militärgewahrsam.

Immer mehr junge Männer werden zudem zwangsrekrutiert. Wer der Dienstpflicht entgehen will, muß sich mit 10.000 Kyat freikaufen. Inzwischen beträgt die Truppenstärke der burmesischen Armee bereits 500.000 Mann, deren Hauptzweck in Ermangelung eines äußeren Gegners in der Repression der eigenen Bevölkerung und der nationalen Minderheiten liegt. Ein trauriges Schicksal erwartete diesen Sommer die 500 Mon-Flüchtlinge, die auf massiven Druck thailändischer Behörden in der ersten Juniwoche nach Burma "repatriiert" wurden: Zwangsarbeit unter dem Kommanda der Militärs ist seither ihr tägliches Los. Auch Frauen und Kinder haben seither den Boden für den Bau von Militäreinrichtungen zu erschließen, Bunker zu graben und Kasernen zu bauen. Aufgrund dieser Situation flohen im Juli viele der "Repatriierten" wieder zurück auf die thailändische Grenzseite, wo sie nun allerdings als illegale Einwanderer verfolgt und mit Zwangsausweisung bedroht sind. Um der Verfolgung zu entgehen, dringen nun viele Flüchtlinge tiefer in thailändisches Kernland vor, wo sie allerdings kaum Chancen haben, Arbeit und Unterkunft zu finden. Gefährliche Wege sind damit vorgezeichnet. So berichtete die BANGKOK POST im Juli, daß die Mehrzahl der Neuankömmlinge im Bangkoker Rolicht-Milieu Frauen burmesischer Herkunft seien.


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Refugee camps in Thailand





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