Nonnenordination im Buddhismus



Die ersten vollordinierten Nonnen Sri Lankas

Die ersten vollordinierten Nonnen Sri Lankas


Volle Nonnenordination im Theravada wiederhergestellt


Viele buddhistische Frauen in Ost und West empfinden es als grosses spirituelles Hindernis, dass es im Theravada-Buddhismus (aber auch in den meisten Mahayana-Traditionen) schon seit vielen Jahrhunderten nicht mehr die von Buddha einst geschaffene Moeglichkeit der vollen Nonnenordination gibt. In Sri Lanka zum Beispiel ist sie vor ca. 1000 Jahren durch einen Vernichtungsfeldzug tamilischer Eroberer aus Indien ausgeloescht worden.

Doch obwohl Buddha im Vinaya strenge Regeln fuer die Ordination von Moenchen und Nonnen niedergelegt hat, lehrte er ebenso, dass es nichts gibt, was fuer immer und ewig festgelegt und unveraenderbar ist. Schon gar nicht sollte es entgueltige weltliche Hindernisse fuer den Weg zur Befreiung geben. So versuchen zahlreiche buddhistische Frauen aber auch Moenche Asiens seit Jahrzehnten die volle Nonnenordination in ihren jeweiligen Traditionen und Laendern wieder einzufuehren. Dies scheint jetzt gelungen - und das in einem Land, dessen Dhamma-Tradition als besonders traditionsgebunden und konservativ gilt, in Sri Lanka.

Seit dem Fruehjahr 1999, so kann man sagen, ist die Moeglichkeit der vollen Nonnenordination fuer Frauen aus aller Welt im Theravada-Buddhismus wieder hergestellt. Dokumentiert wurde dies durch die Vollordination (Upasampada) von 20 "Dasasila Matas" (Nonnen mit 10 Geluebten) am 24. Maerz 1999 im beruehmten Raja Maha Vihara von Dambulla durch eine Gruppe von hohen Moenchen und in den vergangenen Jahren im Ausland vollordinierten Nonnen aus Sri Lanka unter der Leitung von Bhikkhu Dhammasara von Mt. Lavinia (Colombo).

Ein Jahr zuvor fand am 12. Maerz 1998 das selbe Ereignis erstmals auf dem Boden von Sri Lanka statt, ebenfalls im Kloster von Dambulla, wo 22 Samaneris Upasampada erhielten. Am 12.8. 1998 waren es dann 50 Samaneris in Passara und am 22.10.98 fuenf in Levangama/Ruwanvella.

Seit der juengsten Ordination ist der Damm durchbrochen und der Weg frei. Eine der grossen 3 Moenchstraditionen Sri Lankas, die von Amarapura unterstuetzt und anerkennt nun die Vollordination. Die Bevoelkerung akzeptiert diesen neuen/alten Weg schon seit Jahren mit grossem Enthusiasmus, haben doch die Ten-Precepts-Nonnen in Sri Lanka schon lange einen sehr guten Ruf.

Die erste, einige Jahre noch sehr umstrittene Vollordination geschah im Dezember 1996, wo 10 Dasasila Matas aus Sri Lanka in Saranath, Indien (dem Ort der 1. Lehrrede Buddhas) die Vollordination durch eine Nonnentradition aus Suedkorea erhielten, deren Ueberlieferung auf Nonnen aus Sri Lanka zurueckgeht. Die erste vollordinierte Frau Sri Lankas unter diesen war die im Lande sehr populaere Radiosprecherin und Uni-Dozentin Bhikkhuni Kusuma. Die Nachricht von ihrer Ordination erregte ganz Sri Lanka und bewirkte einen entscheidenden Tabubruch.

Im Jahre danach wurden in Bodh Gaya, Indien (dem Ort der Erleuchtung Buddhas) durch den Orden des chinesisches Klosters Fo Guan Shan aus Taiwan 135 Novizinnen aus verschiedenen buddhistischen Traditionen und Laendern, darunter 10 aus Sri Lanka die Vollordination verliehen.

Wichtigste inhaltliche Vorbedingung der Vollordination in Sri Lanka war die Einfuehrung eines sechsmonatigen Einfuehrungskurses im Kloster von Dambulla, wo Dhamma, Meditation, Ordensregeln (Vinaya), Geschichte des Buddhismus und English gelehrt wird. Wie es heisst, sollen derzeit 3000 Frauen in Sri Lanka auf ihre Ordination zur Bhikkhuni warten.

Am Zustandekommen der Wiedereinführung der vollen Nonnenordination im Theravada Sri Lankas hat das International Network of Engaged Buddhists (INEB) einen wesentlichen Anteil. Von seiner Gründung an (1989) war die Wiederherstellung des gleichberechtigten Status der Nonnen im Buddhismus eines der Hauptziele der Bewegung. Zahlreiche führende Mönche aus verschiedenen asiatischen Ländern wirkten daran aktiv und entscheidend mit.

Das INEB organisierte Zusammentreffen von Nonnen verschiedener Länder und Traditionen und führte in Zusammenarbeit mit dem buddhistischen Frauennetzwerk Sakyadhita in mehreren Ländern Workshops für Nonnen bzw. Novizinnen durch, die von westlichen Organisationen finanziell unterstützt wurden (u.a. von der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin). So war auch bei der letzten Konferenz des INEB im Frühjahr 1999 in Sri Lanka der Bericht über den Erfolg dieser Bemühungen und die Verstärkung der Anstrengungen in anderen Ländern und Traditionen einer der Schwerpunkte des Treffens.

Franz-Johannes Litsch


Bhikkhuni Kusuma

Bhikkhuni Kusuma (Mitte) im Kreis von Nonnen
aller grossen buddhistischen Traditionen Asiens


Links zum Thema:

The Revival of the Bhikkhuni Order in Sri Lanka
Frauen im Buddhismus
Buddhismus und Menschenrechte
Das Nonnenprojekt in Ladakh
Nonnenordination in Thailand




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Mai 2004