Engagierter Buddhismus


INEB-Konferenz 1995


Das Internationale Netzwerk engagierter Buddhisten


Auf mich selbst achtend, achte ich auf den anderen,
Auf den anderen achtend, achte ich auf mich selbst.

Shakyamuni Buddha, Satipatthana Samyutta, Nr. 19

Gesellschaftlich, humanitär und ökologisch engagierter Buddhismus hat seine Wurzel und Entstehung in der Lehre und Lebenspraxis des Gautama Shakyamuni Buddha. Buddhas Weg gründet in der meditativen Erfahrung der Wirklichkeit und ist geprägt ist von tiefer Einsicht und großem Mitgefühl für alle Wesen. Sie und alle Phänomene erkennt er als untrennbar wechselseitig miteinander verbunden. Es gibt kein vom Anderen isoliertes, aus sich und für sich existierendes "Ich". Diese Erkenntnis - im Buddhismus "Erwachen" (bodhi) genannt - läßt uns den tiefsten Grund unseres Leidens erkennen wie auch unser unbegrenztes Potential menschlicher Möglichkeiten (genannt "Buddhaschaft"). Darum hat der Weg des Buddha die umfassende Verwirklichung des Menschen und die Befreiung aller lebender Wesen vom Leiden zum Ziel. Engagierter Buddhismus ist so jede Bemühung um die konkrete Realisierung einer solchen, individuellen wie globalen "Kultur des Erwachens".

Das International Network of Engaged Buddhists (INEB), das sich dieser Zielsetzung widmet, wurde im Frühjahr 1989 in einem thailändischen Kloster von einem internationalen Kreis buddhistischer Mönche, Nonnen, Dharmalehrer und Laien gegründet. Auf der Grundlage der kulturell und personell sehr verschiedenartigen, im Wesen aber übereinstimmenden Traditionen des Buddhismus soll es konkrete Beiträge leisten zur Überwindung des vielfachen Leidens von Menschen, Tieren und anderen Lebewesen in der heutigen Welt.

Drei prominente Vertreter der drei großen Schulen des Buddhismus haben für das INEB die spirituelle Patenschaft übernommen. Für den Theravada - Buddhismus der thailändische Abt und Meditationslehrer Buddhadasa Bhikkhu, für den Mahayana - Buddhismus der vietnamesische Zenlehrer, Dichter und Friedensarbeiter Thich Nhat Hanh und für den tibetischen Buddhismus S.H. der Dalai Lama. Nach dem Tode Buddhadasa Bhikkhus im Jahre 1993 wurde der Friedensaktivist und Supreme Patriarch von Kambodscha Maha Ghosananda dessen Nachfolger. Initiator des Netzwerks ist der thailändische Sozialreformer, Sprecher der gewaltfreien Demokratiebewegung und Träger des alternativen Nobelpreises 1995 Sulak Sivaraksa.

Das Netzwerk hat heute Mitwirkende in über 30 Ländern und umfaßt ca. 400 Einzelpersonen und Vertreter beteiligter Gemeinschaften. Das zentrale Sekretariat in Thailand dient der Vernetzung aller Interessierten, betreut verschiedene praktische Projekte in unterschiedlichen Ländern Asiens, veranstaltet weltweite Konferenzen und regionale Workshops und gibt die englisch - sprachige Zeitschrift Seeds of Peace heraus.

Der nordamerikanische und australische Zweig des Netzwerks wird durch die Buddhist Peace Fellowship repräsentiert. Die BPF wurde 1978 auf Initiative des US-amerikanischen Zenmeisters Robert Aitken Roshi gegründet. Sie weist eine Vielzahl beispielhafter Aktivitäten und Projekte sowie eindrucksvoller Dharmalehrer auf. Die BPF hat ihr zentrales Büro in Berkeley (Kalifornien), zahlreiche Zweigstellen in verschiedenen Städten Nordamerikas und Australiens und gibt die Zeitschrift Turning Wheel heraus.

Das deutschsprachige Netzwerk engagierter Buddhisten wurde während der 5. Jahreskonferenz des INEB im Februar 1993 in Thailand ins Leben gerufen. Es ist heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten und unterhält eine Geschäftsstelle in Berlin. Diese steht als Informations- und Kontaktzentrum für engagierten Buddhismus zur Verfügung. Das Netzwerk gibt ein Mitteilungsblatt, das "BuddhaNetz-Info" heraus und beteiligt sich an zahlreichen buddhistischen oder nicht-buddhistische Veröffentlichungen. Es ist ausserdem in Deutschland Mitglied der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), arbeitet in Österreich eng mit der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft (ÖBR) und in der Schweiz mit der Schweizer Buddhistischen Union (SBU) zusammen.

Die Schwerpunkte der Arbeit des Internationalen Netzwerks sind:

Der unmittelbarste Sinn und Auftrag des Netzwerks ist, Netzwerk zu sein. Und das bedeutet, in einer Zeit zunehmender Vereinzelung und eines sich von der Mitwelt abschliessenden Nur-Ich-Denkens wieder füreinander da zu sein.

Netzwerk engagierter Buddhisten, Geschäftsstelle c/o Loo, Fidicinstr. 44, D-10965 Berlin
(Franz-Johannes Litsch) Tel. / Fax: 0 (049) 30-692-5848 , EMail: info@buddhanetz.org