Sektierertum und Missbrauch im Buddhismus

Franz-Johannes Litsch


Gefahren im Dharma selbst:

  • Gefahr mit der (falsch verstandenen) Forderung nach Überwindung des Ichs (Ichlosigkeit, Egobrechen).
  • Übertriebene Hingabe und Frömmigkeit, Minderwertigkeitsgefühle werden durch Identifikation mit dem extrem idealisierten Lehrer oder der Sangha kompensiert (erliehenes Ego).
  • Verfrühte Festlegung auf einen sog. Wurzelguru oder -Lama, ohne diesen, sich selbst und die anderen Lehrer und Schulen kennengelernt zu haben.
  • Keine wirkliche Ichlosigkeit des Lehrers, zu grosses Vertrauen in dessen (bzw. ihre) Verwirklichung.
  • Geistige, psychische, ethische Voraussetzungen für den Tantra-Weg sind nicht wirklich gegeben.
  • Gefahr der Forderung "nicht zu denken", führt nicht selten zu blinder Naivität und Dummheit.
  • Das Dharma wird nicht mehr aus den Lehren des Buddha selbst begründet, sondern aus Kommentaren und Subkommentaren oder nur noch durch den persönlichen Lehrer.
  • Kein Wissen über den ursprünglichen und gesamten Buddhaweg, über die Geschichte und die anderen Schulen, nur die eigene Gruppe und ihr Lehrer ist bekannt.

Typische Sektencharakteristika:

  • Abschottung nach Aussen, auch von der Familie, alten Freunden usw.
  • Verabsolutierung der eigenen Gemeinschaft oder Tradition
  • Vergöttlichung des eigenen, unfehlbaren Lehrers
  • Die eigene Lehre ist die einzige oder höchste Wahrheit
  • Erzeugen einer überzogenen Harmonie- und Glückseuphorie
  • Keine Kritik an der eigenen Gruppe oder am Lehrer erlaubt und möglich
  • Verteufelung aller anderen Lehrer, Lehren, Gruppen, Traditionen
  • Androhung von schweren Nachteilen und (Höllen-) Strafen bei Ausbrechen
  • Alle Fehler und Probleme sind beim Einzelnen selber zu suchen
  • Totalitäre Begründungskreisläufe, "die Partei hat immer recht"
  • Der Lehrer verfügt über unfehlbare höhere Einsichtsmöglichkeiten
  • Kritisches Denken und Nachfragen ist "falsches Bewusstsein" und "Ego".
  • Totale und blinde Unterordnung ist Ausdruck "tiefer Hingabe"
  • Kein Vertrauensschutz bei anderen Mitgliedern (nichts bleibt vertraulich)
  • Aggressives Missionieren nach aussen stärkt die Gruppenidentität
  • Rechtfertigungsdruck beim Mitmachen und Missionieren

Sexueller Missbrauch:

  • Die Lehrer- oder Leiterposition wird für persönliche Wünsche und Begierden ausgenutzt
  • Automatische Rechtfertigung des Lehrers durch seine Schüler, kein Gehör für das Opfer
  • Ein Dharma-Lehrer muss berücksichtigen, daß Schüler sich ihm gegenüber nicht unbedingt wie verantwortliche Erwachsene verhalten
  • Bei vielen Opfern spielt sich eine Wiederholung alter leidvoller Erfahrungen ab.
  • Bei manchen Opfern gibt es durchaus auch eigene Wunschfantasien

Lösungen:

  • Mehr, gründlichere und wirklich authentische Dharmakenntnisse
  • Vermittlung von mehr Kenntnisse über eventuelle Gefahren (DBU)
  • Die eigene Kritikfähigkeit beibehalten, kein blinder Glaube
  • Lehrer, Gruppen und Lehren gründlicher und länger prüfen
  • Nicht immer gleich die "höchsten" und "schnellsten" Wege gehen wollen
  • Den Vinaya kennenlernen, da gibt es viel über Sangha-Erfahrungen zu lernen
  • Aufstellen eines Lehrer-Verhaltenskodex (siehe IMS)
  • Einrichtung eines Ethikrates (siehe IMS) und von Vertrauenspersonen




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[Stand: Oktober 2004]