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Burmas Staatsführung macht
Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi Hoffnung auf ein Regierungsamt. Die Politikerin, die
als Symbol einen Pfau gewählt hat, scheint vom Reformkurs überzeugt zu
sein: Sie hält freie, geheime und faire Wahlen in Burma für möglich.
Im Garten ihrer
Residenz in der neuen Hauptstadt Naypyidaw empfingen
Staatspräsident Thein Sein und seine Frau Dwa Khin Khin
Win am Unabhängigkeitstag alles, was in Burma in
Politik, Wirtschaft, Militär und Diplomatie Rang und Namen hat. Das Orchester
von "Radio Myanmar" spielte auf. Auf dem festlich illuminierten Rasen
des Präsidentenanwesens wurde geplaudert, gelacht, gegessen, getrunken
Nur
Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi fehlte in dem illustren Kreis. Sie feierte stattdessen
mit ihren Anhängern in der alten Hauptstadt und Wirtschaftsmetropole Rangun den
64. Jahrestag der Befreiung von den britischen Kolonialherren.
Doch vier Tage
später hat Burmas Regierung überraschend den Schnellgang eingelegt, und was
selbst Optimisten noch vor eineinhalb Jahren für unmöglich gehalten haben, soll
nun politische Wirklichkeit werden. Ein Berater von Präsident Thein Sein kündigte am Sonntag überraschend an: "Es
besteht die Möglichkeit, dass sie in die Regierung berufen wird." Nach den
für April geplanten Nachwahlen warte auf die Friedensnobelpreisträgerin ein
"angemessenes Amt", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Für Burma ist diese
Ankündigung eine Zeitenwende. Noch vor eineinhalb Jahren war die Friedensnobelpreisträgerin
Staatsfeind Nummer Eins für die Machthaber des international geächteten Landes,
das fast 50 Jahre lang von einer Militärjunta mit eiserner Faust beherrscht
worden und zum Schmuddelkind der internationalen Politik geworden war.
Insgesamt 15 Jahre hatten die Generäle Suu Kyi trotz aller internationalen Proteste eingekerkert oder
im Hausarrest gehalten. 1991 erhielt sie für ihr unerschrockenes Eintreten für
Demokratie und Menschenrechte zum Entsetzen der Junta den Friedensnobelpreis.
Erst nach der
umstrittenen Wahl im November 2010 war sie nach jahrelanger Verfolgung und
Inhaftierung wieder auf freien Fuß gelangt - noch immer verfemt allerdings
durch die herrschenden Generäle. Ihre politische Isolierung wurde erst
durchbrochen, als Präsident Thein Sein, selbst ein
Ex-General, im März 2011 die Militärjunta ablöste und einen vorsichtigen
Reformkurs einleitete. Er empfing sie zu einem Vier-Augen-Gespräch. Sie
konferierte mit seinen Ministern und avancierte schnell zu einer Art
inoffizieller Regierungsberaterin.
Von Hillary Clinton
bis zum britischen Außenminister William Hague erwies
ihr jeder ausländische Staatsbesucher seine Reverenz und machte den neuen
Herren Burmas glasklar deutlich, dass an der Friedensnobelpreisträgerin kein
Weg mehr vorbeiführt, wenn Burma seinen Weg zurück in die internationale
Staatengemeinschaft finden will.
Wahlerfolg ist
Voraussetzung für Regierungsamt
Thein Sein hat offenbar schon
früh erkannt, dass er Suu Kyi
braucht, um erfolgreich zu sein. Er verkündete Reformen und ebnete Burmas
"Lady Liberty" den Weg zurück auf die politische Bühne: Ihre im Mai
2010 für illegal erklärte Partei "National League
for Democracy" (NLD)
wurde im Dezember offiziell wieder zugelassen. Suu Kyi wählte als neues NLD-Logo demonstrativ einen kämpfenden
Pfau auf rotem Grund - in Burma ein eng mit dem Kampf für Demokratie und
Menschenrechte verbundenes Symbol.
Unter diesem
Zeichen will sie in die Nachwahlen ziehen und in einem Armenviertel von Rangun
um einen Parlamentssitz kämpfen. Ein Wahlerfolg ist Voraussetzung für die
angekündigte Übernahme eines Regierungsamtes. An ihrem Sieg bestehen allerdings
kaum Zweifel: Sie ist vom Staatsfeind Nummer Eins der Militärs zur
Hoffnungsträgerin Nummer Eins der Menschen in Burma geworden.
Burmas
Staatszeitung "New Light of Myanmar" nannte die Entscheidung der NLD
und Suu Kyis, bei den
Nachwahlen anzutreten, denn auch einen "bedeutenden Erfolg". Das
Blatt erging sich in diesem Jahr in Lobpreisungen für die Reformen Thein Seins, durch die "eine Periode des Übergangs von
der alten zur neuen Zeit" eingeleitet worden seien. "Die meisten
internationalen Beobachter sind durch die Tatsache aus der Fassung gebracht
worden, dass Burma, das von einem autoritären Militärregime regiert worden ist,
damit begonnen hat, Demokratie zu praktizieren,"
heißt es euphorisch. Thein Sein selbst lobte die
Rolle der Generäle im Übergangsprozess überschwänglich: "Das Militär
selbst hat die Nation auf den Weg zu einer friedlichen, modernen und entwickelten
Demokratie geführt."
Noch immer
sitzen Hunderte politische Gefangene ein
Doch unumkehrbar
ist der Reformprozess in Burma noch nicht, auch wenn die Pressezensur gelockert,
Versammlungsfreiheit und Streikrecht eingeführt, Gewerkschaften zugelassen wurden.
Auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit führt die Organisation
"Reporter ohne Grenzen" Burma immer noch auf Platz 174 von 176. Noch
immer sitzen Hunderte politischer Gefangener hinter Gittern - trotz aller
Amnestiezusagen der Regierung.
Der populäre
Satiriker Zarganar, der im Oktober aus jahrelanger
Haft entlassen worden war, sagt bitter: "Ich habe bisher erklärt, für
meine Freunde sei die Situation im Gefängnis so, als seien sie in den Händen
somalischer Piraten. Diese Bemerkung ziehe ich zurück. Im Gegensatz zu unserer
Regierung halten somalische Piraten ihre Versprechen."
Auch die
gewalttätigen ethnischen Konflikte mit den nach Unabhängigkeit strebenden Volksgruppen
im Norden Burmas schwelen trotz aller
Friedensbeteuerungen weiter. Und auch wenn Burma offiziell seit März 2011 eine
Zivilregierung hat - das Militär hält im Hintergrund immer noch die Fäden in
der Hand. Vor allem Thein Seins vorsichtiger Versuch,
sich aus der politischen und wirtschaftlichen Umklammerung durch China zu lösen
und sich dem Westen zu öffnen, wird von den konservativen Generälen nach wie
vor mit Argusaugen beobachtet, auch wenn die Gerüchte über interne Machtkämpfe
zwischen den Reformpolitikern um Thein Sein und den
Falken im Offizierskorps in letzter Zeit verstummt sind.
Suu Kyi
jedenfalls scheint vom Erfolg des Reformkurses Thein
Seins überzeugt zu sein. "Er ist ein ehrlicher Mann,"
sagte sie Anfang Dezember in einem BBC-Interview. Sie gehe auch davon aus, dass
sie noch zu Lebzeiten wirklich freie, geheime und faire Wahlen in Burma
miterleben werde. "Natürlich weiß ich nicht, wie lange ich leben werde," sagte die 66-Jährige. " Aber innerhalb einer
normalen Lebensspanne halte ich das für möglich."
Aung San Suu
Kyi stand jahrelang unter Hausarrest, ihre Partei war
verboten. Jetzt macht Burmas Staatsführung der Friedensnobelpreisträgerin
Hoffnung auf ein Regierungsamt. Zunächst muss sich die Politikerin aber bei
Wahlen behaupten.
Hamburg - Die burmesische Führung hat der jahrelang verfolgten und inhaftierten Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ein Regierungsamt in Aussicht gestellt. "Es besteht die Möglichkeit, dass sie in die Regierung berufen wird", sagte ein Berater von Präsident Thein Sein der Nachrichtenagentur AFP.
Die Staatsführung von Burma werde Suu Kyi nach der für April geplanten Nachwahl zum Parlament ein "angemessenes" Amt zubilligen und sich dabei nach den Wünschen der Friedensnobelpreisträgerin richten. Voraussetzung sei, dass sie bei dem Urnengang ein Abgeordnetenmandat erringe.
Seit der Parlamentswahl im November 2010 hatte die Militärregierung in Burma eine vorsichtige Reform des politischen Systems eingeleitet. Direkt nach der Wahl ließ sie Aung San Suu Kyi aus ihrem jahrelangen Hausarrest frei, bevor sie ihre Macht formell an die Zivilregierung unter Präsident Thein Sein abgab, selbst ein Ex-General. Am Donnerstag wurde Aung San Suu Kyis bislang verbotene Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) für die Nachwahl zum Parlament wieder zugelassen, vorher war sie anderthalb Jahre lang verboten gewesen.
Die NLD war 1990 als Siegerin aus der Parlamentswahl hervorgegangen, doch hinderte das Militär sie an der Übernahme der Regierung. Seitdem stand Suu Kyi die meiste Zeit unter Hausarrest. Als die Junta vergangenes Jahr Parlamentswahlen ankündigte, rief die NLD zum Boykott auf. Neben Sorgen um den Verlauf der Wahl war der Hauptgrund eine Bestimmung, die teilnehmende Parteien zum Ausschluss inhaftierter Mitglieder zwang. Die NLD hätte daher auch Suu Kyi ausschließen müssen. Infolge des Boykottaufrufs wurde die NLD verboten.
Nach der vorsichtigen Öffnung des Landes kündigte Washington Ende 2011 eine Zusammenarbeit mit Burma an: "Wir wollen klarmachen, dass Burma eine neue Beziehung zu den USA aufbauen kann, wenn es auf dem Pfad der demokratischen Reformen weitergeht", sagte US-Präsident Barack Obama.
otr/AFP
Burmas politische Führung sucht
offenbar weiter die Aussöhnung mit der Opposition: Die Behörden haben nach
einer Amnestie für 651 Strafgefangene mehrere politische Häftlinge entlassen -
darunter auch einen früheren Studentenführer, der gegen die Militärjunta
gekämpft hatte.
Rangun - Die neue Regierung Burmas hat am Freitag die prominentesten politischen Gefangenen freigelassen, die teilweise Jahrzehnte hinter Gittern verbracht haben. Unter den 651 Entlassenen sind der einstige Studentenführer Min Ko Naing (49), der den Aufstand 1988 anführte, und der Mönch U Gambira, der den Aufstand 2007 steuerte. Auch der wegen Reformbemühungen 2004 bei der damaligen Militärjunta in Ungnade gefallene Ex-Regierungschef Khin Nyunt sei dabei, berichteten Regierungsbeamte.
"Ich unterstütze die Versöhnungspolitik von Präsident Thein Sein und Aung San Suu Kyi“, sagte Khin Nyunt nach seiner Entlassung aus dem Hausarrest. "Ich begrüße auch die Friedensgespräche mit den Minderheiten." Die politische Führung des Landes hatte der Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi zuletzt ein Regierungsamt in Aussicht gestellt, die Oppositionspolitikerin stand jahrelang unter Hausarrest.
Human Rights Watch begrüßte die Freilassungen. "Jahrelanger Druck hat die Regierung offenbar dazu gebracht, endlich das Richtige zu tun", sagte die stellvertretende Asien-Direktorin Elaine Pearson. "Die Regierung muss nun dafür sogen, dass die Freigelassenen ohne Hindernisse politisch aktiv werden und an den bevorstehenden Nachwahlen teilnehmen können."
Die Regierung erfüllt damit eine der Hauptbedingungen für das Aufheben der Sanktionen westlicher Länder. Die Strafmaßnahmen waren wegen der massiven Menschenrechtsverletzungen des seit 1962 herrschenden Militärs verhängt worden.
Erst am Freitag war Präsident Thein Sein auf eine andere Forderung eingegangen: Seine Regierung unterzeichnete einen Waffenstillstand mit den Karen-Rebellen. Die Nachricht von den Freilassungen verbreitete sich in der Hafenstadt Rangun in Windeseile. "Ich bin so froh, dass die Anführer der Studentenbewegung 88er Generation frei sind", sagte ein Taxifahrer.
Min Ko Naing war nach dem Aufstand 1988 festgenommen worden und bis 2004 im Gefängnis gewesen. Das Regime schlug die Rebellion blutig nieder. 3000 Menschen kamen nach Schätzungen ums Leben. Die Ereignisse katapultierten Aung San Suu Kyi in ihre politische Rolle. Sie lebte eigentlich im Ausland und war nur nach Burma gereist, um ihre sterbende Mutter zu betreuen.
Min Ko Naing setzte seine politische Arbeit fort und wurde in aller Welt mit Menschenrechtspreisen ausgezeichnet. Seit August 2007 war er wieder im Gefängnis. Freigelassen wurden den Angaben zufolge auch Min Ko Naings Mitstreiter aus der Studentenbewegung 88er Generation: Htay Kywe, Zaw That Htwe, sowie das Ehepaar Jimmy und Nilar Thein. Ebenfalls in Freiheit kam Shan-Rebellenführer Khun Tun.
Khin Nyunt war Chef des Militärgeheimdienstes und startete nach seiner Ernennung 2003 das Programm "Sieben Schritte zur Demokratie". Juntageneral Than Shwe entließ ihn abrupt. Er war seit 2004 unter Hausarrest. Viele seiner Mitarbeiter wurden wegen Korruption angeklagt.
hen/dpa