Studie: Umweltprobleme schuld am Tod von Millionen Kindern

1. Mai 98, Washington (dpa) - In den ärmsten Regionen der Welt stirbt jedes fünfte Kind vor dem fünften Geburtstag. Ursache sind meistens Krankheiten, die durch Umweltfaktoren ausgelöst wurden. Das entspricht elf Millionen Todesfällen pro Jahr weltweit und damit der Bevölkerung von Australien und Neuseeland zusammen.

Dieses Kindersterben sei einen "Tragödie", heißt es in einer Studie amerikanischer und internationaler Einrichtungen, die am Freitag in Washington vorgestellt wurde. Sie beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Umweltproblemen auf die Gesundheit der Weltbevölkerung.

Im Kern heißt es in der Untersuchung unter dem Titel "World Resources 1998-99" (Weltressourcen 1998-99), daß 25 Prozent aller Todesfälle und Erkrankungen auf der Welt auf Umweltfaktoren zurückzuführen seien. Am stärksten sei diese Wechselwirkung in den armen Ländern. Die Kinder müßten am schlimmsten darunter leiden.

Die 400seitige Studie wurde in zweijähriger Arbeit von der US- Umwelteinrichtung World Resources Institute, den Umwelt-und Entwicklungsprogrammen der Vereinten Nationen und der Weltbank erstellt. Klaus Töpfer, Direktor des UNO-Umweltprogramms (UNEP), nannte den Bericht bei einer Pressekonferenz in Washington einen guten Leitfaden für eine verantwortungsbewußte Politikgestaltung in der Zukunft.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluß, daß viele der gesundheitsschädlichen Umweltfaktoren durch relativ einfache und kostengünstige Maßnahmen ausgeschaltet werden könnten. Nach der Untersuchung sind weltweit 1,4 Milliarden Menschen verschmutzter Luft ausgesetzt, die ihre Gesundheit bedroht.

Allein in China würden jedes Jahr zwei Millionen Menschen wegen Luft- und Wasserverunreinigung sterben. 17 Millionen Menschen kämen weltweit pro Jahr durch Infektionskrankheiten wie Malaria ums Leben, die mit den Umweltbedingungen zusammenhingen. Die Autoren weisen darauf hin, daß die Weltgesundheitsbehörde (WHO) den Moskito als Malaria-Überträger zum "öffentlichen Feind Nummer eins" erklärt habe.

In der Studie wird von "erschreckenden" Auswirkungen vor allem auf Kinder gesprochen. Danach sterben von ihnen jedes Jahr fast vier Millionen durch akute Erkrankungen der Atmungsorgane, die durch Luftverschmutzung aufgrund ungesunder Brennstoffe beim Kochen und aufgrund von Industrialisierung ausgelöst würden.

Etwa zwei Millionen Kinder gingen alljährlich elendig an Durchfall zugrunde, der hauptsächlich auf verschmutztes Wasser und schlechte sanitäre Einrichtungen zurückzuführen sei.

In den Entwicklungsländern kommen nach der Untersuchung jedes Jahr bis zu fünf Millionen Fälle von Vergiftungen durch in der Landwirtschaft verwendete Pestizide vor. Insgesamt seien die Gesundheitsgefährdungen durch Umweltfaktoren in afrikanischen und asiatischen Ländern am schlimmsten.

Aber auch in den entwickelten Staaten bestünden erhebliche Risiken. So seien mehr als 100 Millionen Menschen in Europa und Nordamerika ungesunder Luft ausgesetzt, und die Zahl der Asthma- Erkrankungen wachse "dramatisch".

Zur Verringerung der Probleme in den ärmsten Ländern setzen sich die Autoren der Studie unter anderem dafür ein, den Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen zu verbessern, für saubere Brennstoffe in den Haushalten zu sorgen, die Insektenbekämpfung zu verbessern und die Verwendung von Chemikalien in der Landwirtschaft zu verringern.

ędpa
011805 Mai 98


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