Hundertacht Dinge, die ihr tun könnt, um der Umwelt zu helfen

 

Entstanden während

der ersten Umweltschutz-Konferenz

für Kagyu-Klöster und –Zentren

21.-25. März, Vajra Vidya Institute, Sarnath, Indien

 

 

 

Zehn Dinge, die ihr tun könnt, um einen Unterschied zu machen…

 

  1.  

Macht Wunschgebete. Wir machen Wunschgebete für alle fühlenden Wesen. Diese sollten auch die Erde einschließen, die uns trägt und uns das Leben gibt. Wir können für eine harmonischere Welt beten, in der Menschen bemerken, wie ihre Handlungen der Erde schaden und daraufhin ihr Verhalten ändern.

 

  1.  

Lest, diskutiert und entwickelt ein Verständnis für Umweltprobleme und dafür wie sie euch und eure Gemeinschaft beeinflussen.

 

  1.  

Werdet Vegetarier. Ihr werdet so nicht nur Mitgefühl für alle fühlende Wesen praktizieren, sondern ihr werdet auch weniger Rohstoffe verbrauchen. Man benötigt rund 100.000 Liter Wasser, um 1 Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, aber nur 750 Liter Wasser für die Produktion von 1 Kilogramm Weizen.

 

  1.  

Lebt einfach. Praktiziert euer Vinaya-Gelübte und lebt so einfach wie möglich, ohne unnötige Besitztümer.

 

  1.  

Klärt die Menschen über Umweltwerte auf. Lehrt, wann immer es möglich ist, Geschichten und buddhistische Traditionen, die Harmonie zwischen Natur und Mensch veranschaulichen.

 

  1.  

Verschmutzt eure Umwelt nicht. Sammelt euren eigenen Müll und entsorgt ihn ordnungsgemäß.

 

  1.  

Benutzt weniger Papier. Eine Menge Bäume werden einfach nur gefällt, um daraus Papier zu machen. Sogar das Treffen einer kleinen Entscheidung, wie das beidseitige Bedrucken eines Blattes Papier, macht einen großen Unterschied.

 

  1.  

Benutzt weniger Plastik. Wir benutzen Plastiktaschen für einige wenige Stunden, manchmal nur für ein paar Minuten. Es dauert jedoch mehr als 500 Jahre bis Plastik auf der Mülldeponie vollständig abgebaut ist.

 

  1.  

Trefft eine gesunde Auswahl wenn ihr Opfer darbringt. Kauft lieber Früchte anstelle von Süßigkeiten oder Topfpflanzen anstelle von Schnittblumen.

 

  1.  

Legt den Schalter um. Wenn ihr ein Licht oder ein elektronisches Gerät seht, das eingeschaltet, aber von niemandem benutzt wird, so schaltet es aus.

 

 

Aktivitäten die euer Kloster oder Nonnenkloster innerhalb eurer Gemeinde leiten kann...

 

Beschützt die Wälder

 

  1.  

Wenn ein neuer Mönch oder eine neue Nonne dem Kloster oder dem Nonnenkloster beitritt, lasst sie, als Bestandteil ihrer Verpflichtung der Welt zu dienen, ein Bäumchen pflanzen. Ihre Verpflichtung sollte dahingehend erweitert werden, als dass sie so lange für das Bäumchen sorgen, bis es zu einem Baum geworden ist.

 

  1.  

Klöster, die Holz als Baumaterial benötigen, sollten mindestens das Doppelte der Anzahl an benötigten Bäumen pflanzen.

 

  1.  

Ermuntert diejenigen, die Gebetsfahnen aufhängen (solche wie Gyathar), dazu, die Gebetsfahnen aneinander zu knoten anstatt pro Fahne je einen Bambusstab zu benutzen.

 

  1.  

Bestimmt einen heiligen Ort auf dem Grundstück des Klosters, der euch der Natur näher bringen kann. Platziert Gebetsfahnen um eine Quelle, einen Baumhain oder ein großes Wildnisgebiet mit einem schönen Ausblick herum und ermuntert die klösterliche Gemeinschaft dazu, es als Meditationsplatz zu nutzen.

 

  1.  

Pflanzt Bäume in Gebieten, die stark gerodet wurden. Führt die Praxis des Baumpflanzens in Gebieten ein, in denen es viele Erdrutsche gibt und dort speziell über dem Bereich der Bodenverschiebung.
 

  1.  

Arbeitet mit den lokalen Forstbetrieben oder einer Umweltorganisation zusammen, um die richtige Art von Bäumen auszuwählen. Wählt verschiedene Baumarten, die in der Gegend heimisch sind. Das bedeutet, dass die Bäume mit höherer Wahrscheinlichkeit überleben werden.

 

 

  1.  

Nachdem ihr den Ort ausgewählt habt, pflanzt die jungen Bäume vermischt zwischen halbausgewachsenen und ausgewachsenen Bäumen. Dies schafft einen natürlicheren Lebensraum und ermutigt die wildlebenden Tierarten dazu, dort umherzustreifen.

 

  1.  

Schützt das Gebiet vor Nutztieren und minimiert die Gewinnung aus natürlichen Ressourcen (Tierfutter, Dachstroh, Medizin, etc.) für ein paar Jahre.

 

  1.  

Beobachtet das aufgeforstete Gebiet auf lange Sicht und experimentiert mit Kombinationen aus verschiedenen jungen Bäumen. Es reicht nicht aus, ein Bäumchen nur einzupflanzen; ihr müsst für es sorgen während es zu einem Baum heranwächst.

 

  1.  

Nutzt heilige Anlässe um Umweltaktivitäten wie das Baumpflanzen auszuführen. Weil Klöster dies öfter tun, wird der Allgemeinheit die Verbindung zwischen Buddhismus und Umweltschutz deutlicher.

 

  1.  

Regt eine gemeinschaftliche Verwaltung der Wälder an.

Wenn es in der Nähe degenerierte Ländereien gibt, die im Gemeindebesitz sind, arbeitet mit ansässigen Gemeinden und Umwelt-NGOs zusammen, um eine nachhaltige gemeinschaftliche Forstwirtschaft zu etablieren, die für jedermann von Nutzen ist.

 

  1.  

Sprecht euch gegen illegales Abholzen und illegalen Holzhandel aus.

Wälder gehören der gesamten Gemeinschaft und nicht den Leuten, die sie abholzen.

 

  1.  

Benutzt recyceltes Papier, wann immer es möglich ist. Pechas und andere Bücher, die in den Klöstern regelmäßig benutzt werden, können auf recyceltes Papier gedruckt werden.

 

  1.  

Nutzt Biogas als eine Alternative zum Feuerholz. In Gegenden, wo die Menschen noch vom Holz als primäre Brennstoffquelle abhängig sind, sollten sie Biogas als eine Alternative in Betracht ziehen. Einfache Biogasanlagen können auch bei dem Problem der Entsorgung von menschlichen und tierischen Abfallprodukten helfen.

 

 

Beschützt die Tierwelt

 

  1.  

Lernt etwas über die Tierwelt, die es in eurer Gegend gibt. Schließt diese Tiere in eure Wunschgebete und Belehrungen ein.

 

  1.  

Lehrt örtlichen Gemeinschaften, alles Leben zu ehren.

 

  1.  

Wenn ihr in einem dicht bewaldeten Gebiet seid, so schützt die wilden Tiere, die dort leben.

 

  1.  

Wenn ihr von Leuten gehört habt, die in den euch umgebenden Gemeinden, jagen oder am illegalen Handel mit Wildtieren beteiligt sind, so weist sie an, keine bedrohten Arten zu töten. Einige Tierarten stehen kurz davor, durch die Handlungen der Menschen vom Angesicht der Erde zu verschwinden. Es ist unsere Pflicht, dies zu verhindern.

 

  1.  

Erwerbt keinen Pelz, kein Elfenbein oder andere Produkte von bedrohten Tieren. Durch das Kaufen dieser Produkte beteiligt ihr euch persönlich an der Ausrottung einer ganzen Tierart.

 

  1.  

Wenn ihr örtliche Gemeinden dahingehend beeinflussen könnt, dass sie es aufgeben, Felle von Tigern, Leoparden und anderen Wildkatzen zu tragen, dann tut dies. Weniger als 1.500 Tiger sind in Indien jetzt noch übrig. Es könnten bald keine mehr da sein.

 

  1.  

Denkt zweimal nach, bevor ihr traditionelle Medizin zu euch nehmt.

Obwohl wir Vegetarier sind, konsumieren wir oft Fleischprodukte, während wir traditionelle Medizin anwenden. Schlimmer noch, viele dieser Präparate werden aus Produkten von bedrohten Tierarten hergestellt. Sucht nach Alternativen, bevor ihr eine Medizin wie diese anwendet.

 

  1.  

Kauft keine Korallen. Eine Koralle ist ein lebender Organismus, der in den Ozeanen der Welt zu finden ist; sie stellt ein Heim für andere lebende Dinge wie Fische und Krabben dar. Durch die globale Erwärmung stehen die Korallenarten bereits einer großen Bedrohung gegenüber und wenn sie verschwinden, wird die biologische Vielfalt der Ozeane verloren sein.

 

 

Erhaltet Flüsse, Seen und Feuchtgebiete:

 

  1.  

Werft Abfall nicht in Flüsse! Denkt daran, dass der Fluss noch Tausende von Meilen weiter führt und er möglicherweise die einzige Trinkwasserquelle für Millionen von Menschen ist.

 

  1.  

Bestimmt eine Grenze um Gebiete nahe einer Trinkwasserquelle und haltet den Bereich frei von Abfallprodukten.

 

  1.  

Haltet Vieh und andere Nutztiere von der eigentlichen Trinkwasserquelle fern. Die Exkremente sind häufig die Ursache für Bakterien, die, übertragen durch das Wasser, zu Krankheiten führen (E.coli, Giardien, Cholera).

 

36.   

Begrünt die Ufer der Flüsse und Seen, um sie zu schützen und die Qualität des Wassers zu verbessern. Seen und Flüsse, die mit grünen Algen bedeckt sind, leiden für gewöhnlich unter einem Überschuss an Nitraten, welche in Düngern und Pestiziden zu finden sind. Schützt sie durch das Pflanzen von Flussgras und anderen Gewächsen, die in der Gegend heimisch sind.

 

37.   

Wenn klösterlicher Grund für die Landwirtschaft genutzt wird, dann fördert die ökologische Landwirtschaft, indem ihr nur wenig Pestizide und Dünger benutzt. Setzt euch stattdessen für das Nutzen von Dung und Kompostprodukten ein. Die meisten Pestizide und Dünger werden in die nahe gelegenen Wassergebiete geschwemmt wenn es regnet.

 

38.   

Schützt nahegelegene Feuchtgebiete vor agrarwirtschaftlicher Ausdehnung.

Mehr als die Hälfte der Feuchtgebiete der Welt sind bereits verloren. Ein Weg, um festzustellen ob Feuchtgebiete gesund sind, ist es, zu zählen, wie viele verschiedene Vogelarten dort existieren.

 

39.   

Stellt Feuchtgebiete wieder her. Feuchtgebiete sind natürliche Filtersysteme für verschmutztes Wasser; sie reinigen kontaminiertes  Wasser auf natürliche Weise. Wenn es in den umliegenden Gebieten für gewöhnlich Sümpfe gab, dann ermöglicht eine Wasserumleitung und pflanzt hiesige Arten der in Feuchtgebieten heimischen Spezies.

 

40.   

Wenn eine Verbindungsstraße gebaut wird, so führt sie nicht über einen Fluss. Der größte Teil des Sedimentes wird im Wasser landen und es für das Überleben einiger Fischarten zu sehr trüben.

 

 

Erhaltet Trinkwasser in eurem Kloster:

 

41.   

Dreht den Wasserhahn zu, während ihr euch die Zähne putzt. Ihr werdet jeden Tag bis zu 10 Liter Wasser sparen.

 

42.   

Füllt eine Wasserflasche auf und schüttet sie in euren Toilettenspülkasten. Dies spart automatisch Wasser wenn die Toilette gespült wird.

 

43.   

Repariert tropfende Wasserhähne und defekte oder undichte Rohre.

 

44.   

Einen Eimer zum Waschen zu benutzen, anstatt zu Duschen, wird eine Menge Wasser sparen. Nutzt gleichermaßen einen Eimer anstelle eines laufenden Wasserhahns, um Kleidung zu waschen.

 

45.   

Verwendet eher Wasserfilter als Wasser aus der Flasche. Anstatt bei Versammlungen Plastikflaschen zu benutzen, verwendet Krüge mit gefiltertem Wasser.

 

46.   

Installiert einen solarbetriebenen Wasserfilter, um Wasser kontinuierlich bereitzustellen.

 

47.   

Füllt den Kessel nur mit der Menge Wasser, die ihr benötigt. Hierdurch wird auch weniger Energie verbraucht.

 

48.   

Sammelt das Regenwasser in trockenen Gegenden. Fangt etwas von dem Regen, der auf euer Dach fällt, auf, indem ihr ein Regenfallrohr mit einer Regentonne verbindet. Dieses Wasser kann für den Garten genutzt werden. 

Bei richtiger Auslegung und Filterung kann Wasser aus Regenwassertanks auch als Trinkwasser genutzt werden.

 

49.   

Bewässert Gärten in trockenen Gegenden am frühen Morgen oder am späten Abend. Dies macht es möglich, dass der Großteil des Wassers von der Erde absorbiert wird, anstatt in der Mittagshitze zu verdunsten.

 

50.   

Benutzt das Wasser wieder, welches an allen Altären des Klosters geopfert wird. Klöster können viel Wasser sparen, indem sie das Wasser der Opferschalen zum Bewässern der Gärten und Pflanzen nutzen.

 

 

Macht euch die Philosophie der „Grünen Planung“1 zu Nutze:

1 Green Design – Entwurfsphilosophie, die sich auf ökonomische Weise ökologischer Gegebenheiten bedient. (Anm. d. Übers.)

 

51.   

Richtet in kalten Klimazonen neue Gebäude nach Süden aus, so dass die von der Klostergemeinschaft über den Abend hinweg am häufigsten genutzten Räume während des Winters am meisten Licht und Wärme abbekommen. Setzt große Fenster, um Licht- und Wärmeeinfall zu maximieren.

 

52.   

Nutzt in heißen Klimazonen Abschattung, um Gebäude zu kühlen. Pflanzt Bäume auf der Südseite des Klosters, um mehr Schatten zu bieten.

 

53.   

Nutzt in heißen Klimazonen Kletterpflanzen (wie etwa Bougainvilleas) auf der heißesten Seite von Gebäuden; mit Gittern/Rahmen und mindestens 15 Zentimetern Abstand von der Wand. Dies wird eine Schicht kalter Luft zwischen dem Sonnenlicht und der Wand schaffen.

 

54.   

Pflanzt ein “grünes Dach”. Legt Wellbleche über den Zement, so dass der Erdboden nicht direkt darauf liegt. Wenn sie schräg platziert werden, kann das Regenwasser in die Dachentwässerung laufen. Auf diesen Blechen könnt ihr einen Garten pflanzen. Ein grünes Dach wird das Gebäude kühlen, da die Pflanzen die Strahlen der Sonne absorbieren.

 

55.   

Es macht einen großen Unterschied, auf Dächern helle Farben zu verwenden. Ein dunkles Dach kann in der Sonne um 40 Grad Celsius heißer werden als eines mit silberner oder weißer Oberfläche.

 

56.   

Legt Klassen- und Arbeitsräume so an, dass diese nach Osten gerichtet sind, um vom frühen Morgenlicht zu profitieren.

 

57.   

Gestaltet den Bereich um neue Gebäude herum landschaftsgärtnerisch. Pflanzt Laubbäume (Bäume die im Sommer Blätter haben und im Winter keine) auf der Südseite, um im Sommer Schatten und im Winter Sonne zu haben.

 

58.   

Maximiert die Nutzung natürlichen Lichtes. Streicht Wände in hellen Farben, um Räume aufzuhellen. Lasst Fenstervorhänge den Tag über geöffnet, um Sonnenlicht und Luft hereinzulassen.

 

59.   

Pflanzt Bäume oder Hecken um Klöster herum oder zwischen sie und die Straße. Die Pflanzen werden einen Großteil des Dunstes von der Straße auffangen, bevor dieser das Gebäude erreicht.

 

60.   

Säumt die Straßen, die zu Klöstern führen, mit Bäumen, um die Atmosphäre zu reinigen und Ruhe in der umliegenden Umwelt zu schaffen.

 

61.   

Legt euren eigenen Gemüsegarten an. Von einem Standpunkt aus betrachtet, der beide Aspekte beinhaltet, den der Gesundheit und den der Umwelt, ist es wichtig, mehr grünes Blattgemüse zu essen. Das Gemüse selbst anzubauen wird auch jungen Mönchen und Nonnen dabei helfen, die wechselseitige Abhängigkeit zwischen uns und der Natur zu erkennen.

 

62.   

Pflanzt Obstbäume. Dies wird euch und der Umwelt viele Vorteile bringen. Pflanzt Obstsorten, die natürlich in der Gegend vorkommen und bereits von euren Vorfahren angebaut wurden.

 

 

Spart Energie und werdet CO2-neutral

CO2-neutral im Sinne von emissionsfrei (Anm. d. Übers)

 

63.   

Pflanzt selbst einen Baum. Ein einzelner Baum kann in seiner Lebensspanne mehr als eine Tonne Kohlendioxid aufnehmen und produziert genug Sauerstoff für eine vierköpfige Fa­milie.

 

64.   

Pflanzt Bambusbäume. Bambus speichert mehr Kohlendioxid und erzeugt mehr Sauerstoff als andere Baumarten.

 

65.   

Fahrgemeinschaften! Wenn sich mehrere Leute zu einem nahe gelegenen Ziel begeben, dann teilt euch ein Fahrzeug, anstatt mehrere Fahrzeuge zu nehmen.

 

66.   

Nutzt energetisch effiziente Beleuchtung.  Nutzt energiesparende Kompaktleuchtstofflampen. Wie könnt ihr feststellen ob eine Glühbirne ineffizient ist? Wenn ihr Hitze spürt, nachdem ihr eure Hand in der Nähe der Glühbirne positioniert habt, so steckt der Großteil der Energie die sie produziert, eher in der Wärme als im Licht.

 

67.   

Nutzt die Beleuchtung in den Hauptschreinräumen effizient. Üblicherweise sind während Belehrungen alle Lichter an, obwohl es oft unnötig ist, wenn der zentrale Bereich gut beleuchtet wird.

 

68.   

Platziert Boden- und Deckenlampen in den Ecken des Raumes. Diese werden dort mehr Licht reflektieren, als zentral oder an einer Wand entlang positioniert.

 

69.   

Benutzt, wenn diese zur Verfügung stehen, Mehrfachsteckleisten (mit mehreren Steckdosen) anstatt Elektrogeräte in mehrere Steckdosen zu stecken. Das Benutzen einer anstelle von mehreren Steckdosen wird eine Menge Energie sparen.

 

70.   

Benutzt wiederaufladbare Batterien. Da Batterien giftige Substanzen enthalten, ist es aus einer gesundheitlichen und umweltgemäßen Perspektive betrachtet besser, wiederaufladbare Batterien zu verwenden.

 

71.   

Schaltet euren Computer über Nacht aus. Es braucht viel mehr Energie, euren Computer laufen zu lassen, als ihn anzuschalten.

 

72.   

Nehmt Ladegeräte und andere elektronische Geräte vom Netz, wenn sie nicht genutzt werden. Ein Ladegerät verbraucht fortwährend Energie, auch wenn es nicht mit einem elektronischen Gerät verbunden ist.

 

73.   

Gebt euer altes Telefon an jemand anderen weiter oder recycelt es. Mobiltelefone enthalten giftige Substanzen. Es ist besser, jemanden zu finden, der diese wiederverwendet, anstatt sie zu recyceln oder gar wegzuwerfen.

 

74.   

Zieht beim Kauf eines Computers für das Kloster einen Laptop in Erwägung. Ein Laptop verbraucht 90 Prozent weniger Energie als ein Desktop-Computer.

 

75.   

Legt in dunklen Räumen des obersten Stockwerks oder in Schreinräumen sun pipes an.  Sun pipes sind wie eingefasste Kamine, mit reflektierender Innenauskleidung, die Licht von draußen in schwach beleuchtete Bereiche eines Gebäudes leiten.

 

76.   

Nutzt Solarenergie in Gegenden, in denen es durchgehend reichlich Sonnenlicht gibt. Solarenergie wird im gesamten tibetischen Plateau des Himalaya zum Erwärmen von Wasser, zum Erzeugen von Licht und zum Produzieren von Wärme genutzt. Einfache Technologien wie Solarwasserheizer und Solarkollektoren können leicht übernommen werden. (Stellt sicher, dass Sonnenlicht ungehindert, reichlich und in einem weiten Winkel einfällt.)

 

77.   

Erkundet die Möglichkeit der Windenergie. Windenergie ist eine saubere Technologie, die keine negativen Einflüsse auf die Umwelt hat. Der Wind treibt Rotoren oder Blätter an, welche dann durch eine kleine Turbine Energie erzeugen. Ihr könnt diese Art der Energie zum Pumpen von Wasser, zum Mahlen von Mehl oder zum Produzieren von Strom nutzen. (Windenergie benötigt eine Windgeschwindigkeit von mindestens 5 Meter pro Sekunde. Das System sollte auf dem Gipfel eines Berges oder auf einer Lichtung platziert werden, auf der stets Windbewegungen vorhanden sind.)

 

 

Passt euch dem Klimawandel an:

 

78.   

Lernt mehr darüber, wie der Klimawandel eure Umwelt beeinflussen wird. Viele Gebiete in den hohen Bergen des Himalaya sind durch das Überlaufen von Gletscherseen gefährdet. Ihr müsst herausfinden ob eure Gemeinde von dieser Bedrohung betroffen ist. Um dies zu bewerkstelligen, bedient euch der ansässigen NGOs und Regierungsbehörden.

 

79.   

Erlernt Strategien zum Krisenmanagement. Wenn sich in einer Gemeinde Erdrutsche oder Blitzfluten ereignen, sollten Klöster und Nonnenklöster die Diskussion darüber führen, wie man sich auf solche Katastrophen vorbereitet. Die Strategien sollten Pläne zur Evakuierung  und zur medizinischen Versorgung beinhalten.

 

80.   

Werdet unabhängig. Im Falle von Naturkatastrophen ist das Nutzen von Solar- und Windenergie, das Sammeln von Regenwasser zum Trinken und das Einrichten von Systemen zur medizinischen Versorgung entscheidend. In dieser Hinsicht unabhängig zu werden bedeutet, dass ihr dabei helfen könnt, eure Gemeinden im Falle von klimatischen Veränderungen belastbar zu machen.

  

81.   

Bereitet Einrichtungen zur notfallmedizinischen Versorgung vor.

Ihr solltet einen Plan haben, wie notfallmedizinische Versorgung bereitgestellt werden kann. Da Klöster und Nonnenklöster bereits einiges an medizinischer Versorgung anbieten, könnt ihr dabei helfen, solche Aktivitäten zu koordinieren.

 

 

Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln:

 

82.   

Minimiert den Gebrauch von Kunstoffen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass Menschen weltweit 16.000 Plastiktaschen pro Sekunde benutzen!

 

83.   

Verwendet bei großen öffentlichen Veranstaltungen natürliche Materialien, wie Tassen aus Ton und Blätter als Teller.

 

84.   

Verwendet keine Becher oder Teller aus Plastik, Papier oder Styropor.

Sie brauchen Hunderte von Jahren, um biologisch abgebaut zu werden.

 

85.   

Führt eine Einkaufstasche mit euch, anstatt euch darauf zu verlassen, dass ihr vom Geschäft eine Plastik- oder Papiertüte bekommt.

 

86.   

Recycle seidene Khatas. Anstatt brandneue Khatas zu verkaufen, berechnet den Anhängern der Rinpoches einen kleinen Geldbetrag, damit diese den Rinpoches einen sauberen, recycelten Khata darbringen können. Da die Seidenherstellung das Töten von Seidenwürmern einschließt, ist dies auch aus einer Perspektive des Dharma betrachtet nützlich.

 

87.   

Richtet ein Kompostprojekt für die Klosterküche ein. Stellt Behälter auf oder legt einen Bereich an, der mit altem Teppich oder Plastikfolie abgedeckt ist, um Feuchtigkeit und Wärme zu erhalten. Gebt zu gleichen Teilen grüne Substanzen wie Pflanzen und Gemüse und braune Substanzen wie Papier und Zweige hinzu. Schichtet den Kompost alle paar Wochen um, um eine richtige Kompostierung zu gewährleisten und die Methanbildung zu verhindern. Kompost kann in den Klostergärten an Stelle von Dünger verwendet und an hiesige Bauern verkauft werden.

 

88.   

Sortiert den Abfall! Der einfachste Weg dies zu tun ist es, drei anstelle von einem Abfallbehälter aufzustellen und diese für Papier, Kunststoffe und Metalle und Restmüll zu kennzeichnen. Auf diese Weise haben die Leute eine Möglichkeit, das Material, welches sie wegwerfen, zu erhalten, wieder zu verwenden oder zu verkaufen.

 

89.   

Schafft einen Komposthaufen und einen Bereich für das Recycling in eurem Kloster oder Nonnenkloster. Weist all die Mönche und Nonnen an, ihren persönlichen Abfall dorthin zu bringen.

 

90.   

Lehrt im Kloster und in der größeren Gemeinschaft grundlegende Richtlinien der Hygiene und des Abfallmanagements.

 

91.   

Veranstaltet Gemeinde-Reinigungs-Tage und ladet Leute aus den umliegenden Gegenden dazu ein, daran teilzunehmen. Ihr könnt solche Aktivitäten während des Erdtages oder des Umwelttages durchführen.

 

92.   

Falls Klöster oder Nonnenklöster zusätzliche monastische Roben oder andere Materialien dieser Art haben, so teilt diese mit Gemeinden, denen es an solchen fehlt. Unsere Linie kommt aus Tibet, wo viele Klöster und Nonnenklöster materiell gesehen arm sind und in großer Not leben. Es wird großes Glück bringen, wenn ihr euren Besitz mit ihnen teilt.

 

 

Aktivitäten, an denen sich der gesamte Kagyu Kamtsang beteiligen kann...

 

Gebt Hoffnung, findet Lösungen, schafft Harmonie:

 

93.   

Investiert in das Training und in die Bildung der jüngeren Generation. Sie sind die Erben unserer Hinterlassenschaft und sie werden länger mit den Konsequenzen leben.

 

94.   

Richtet einen Kurs zum Umweltschutz in eurer Shedra ein. Ihr könnt ansässige NGOs oder Umweltexperten einladen, damit diese Vorträge halten oder praktische Aktivitäten anleiten, an denen sich junge Mönche und Nonnen beteiligen können.

 

95.   

Benutzt die Broschüre über Umweltrichtlinien, um in den Klöstern und Nonnenklöstern Englisch zu lehren. Dies wird bei den Mönchen und Nonnen bereits in jungen Jahren ein Umweltbewusstsein erwecken.

 

96.   

Wendet euch an Menschen innerhalb und außerhalb eurer Gemeinde, welche die Kompetenz besitzen, auf die euch betreffenden Umweltprobleme einzugehen. Dies umfasst hiesige NGOs, staatliche Organe, die Medien und so weiter.

 

97.   

Verschwendet keine Lebensmittel. Köche sollten abschätzen, wie viele Mahlzeiten benötigt werden und das Essen dementsprechend vorbereiten. Gleichermaßen sollten die Einzelnen abschätzen, wie viel sie essen können und sich dementsprechend angemessen bedienen. Die Verschwendung von Lebensmitteln geht gegen beides, das Vinaya-Gelübte und die Umweltwerte.

 

98.   

Lasst Fische oder Vögel frei. Dies ist eine verdienstvolle Handlung. Stellt jedoch sicher, dass die Arten, die ihr freilasst, heimische und keine fremden Arten sind.

 

99.   

Schließt euch weltweit Bewegungen an, die sich mit den Problemen des Klimawandels beschäftigen. Das tibetische Plateau hat alleine in der letzten Dekade einen Temperaturanstieg von 1 Grad Celsius erfahren. Wir müssen die Nutzung von Kohlekraftwerken und fossilen Brennstoffen, wie Benzin, global minimieren, besonders in Ländern wie den Vereinigten Staaten, China und Indien. Hierzu müssen wir ein Teil der globalen Bewegung werden, die versucht, eine Veränderung in großem Umfang herbeizuführen.

 

100.     

Richtet Projekte zum Recyceln von Müll ein. Klöster können bei der Verwendung von recycelten Materialien, wie Schultaschen oder  Einkaufstüten, die aus recyceltem Kunststoff  hergestellt werden, Pionierarbeit leisten. Durch das Einrichten eines Modellprojektes dieser, oder einer anderen der hier angeführten Strategien, werdet ihr zu einer viel größeren Veränderung in eurer Gemeinschaft beitragen. 

 

 

Seine Heiligkeit, der Karmapa betont im Speziellen die folgenden acht Strategien:

 

101.     

Erschafft ein Mandala der Natur. Es sollte ein spezieller Platz auf den Ländereien des Klosters sein, der eine Opferung all der wundervollen Dinge der Natur ist;  Blumen, Bäume, Wasser; erkennend dass die Erde selbst eine Opfergabe darstellt. Dies wird mit unserer eigenen Kagyu-Tradition im Einklang stehen, da das Kloster Tsurphu als ein himmlischer Palast und sogar als das Mandala von Chakrasamvara bekannt ist. Wenn ihr nicht genügend Land für ein solches Projekt besitzt, so zieht bitte einen Dachgarten in Erwägung.

 

102.     

Klöster und Nonnenklöster sollten einen Gemüsegarten anlegen. Eine andere Möglichkeit ist es, ihn mit eurer ansässigen Gemeinschaft auf Gemeindegrund anzulegen. Das Resultat sollte eine gesunde und umweltfreundliche Lebensweise sein.

 

103.     

Kauft nicht so viele Fahrzeuge. Zurzeit gibt es einen Trend, dass ältere Lamas einen Wagen besitzen sollten, aber dies ist nicht notwendig. Denkt daran, wie schädlich Autos für die Umwelt sind; sie stoßen Kohlendioxid aus und tragen in hohem Maße zur globalen Erwärmung bei. Deshalb solltet ihr zweimal darüber nachdenken, eines zu kaufen.

 

104.     

Verringert den Gebrauch von Plastik; egal ob es in Flaschen abgefülltes Wasser oder in Plas­tik eingewickelte Früchte und Süßigkeiten sind. Bemüht euch bitte in allen Fällen darum, das Angebot zu kaufen, das weniger Verpackung hat.

 

105.     

Verschwendet keine Lebensmittel in Küchen und Speiseräumen.

 

106.     

Vegetarier sollten zwischen den in verschiedenen Arten erhältlichen Eiern unterscheiden: Befruchtet, unbefruchtet und Freilandhaltung. Auch wenn wir nicht ihr Fleisch essen, werden die Legehennen misshandelt und in Hühnerställe gestopft.

 

107.     

Klöster und Nonnenklöster sollten ihr bestes geben, um Solar- und Windenergie zu nutzen und so ihre Abhängigkeit von schädlichen Energien zu reduzieren. Im Himalaya gibt es viele Möglichkeiten zur Installation von Wind- und Solaranlagen. Bitte zieht diese Möglichkeit näher in Betracht.

 

108.     

Es ist klar, dass Wälder sehr wichtig für alles Leben auf der Erde sind. Alle, die hier zu dieser Umweltkonferenz zusammengekommen sind, haben sich dazu verpflichtet, in diesem Jahr 25 Bäume zu pflanzen. Begrenzt jedoch bitte eure Bemühungen nicht nur hierauf und fahrt damit fort, die Wälder zu schützen und wiederherzustellen.